Montag, 28.09.2020

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Mädchen trainierten wie die Profis

Fußballschule des VfL Wolfsburg war am Wochenende beim FC Pegnitz zu Gast. Training mit Juniorinnen. - 08.09.2020 07:55 Uhr

Die beiden Fußballlehrer Mohsen Makoo (li.) und Denis Hillmann (2.v.li.) wiederholen mit den Kindern, was in den Übungen trainiert wurde. Mit unterschiedlichsten Trainingsinhalten von Dribbling-Übungen bis hin zu Passstafetten, Schusstraining und Spielverlagerungen brachten die beiden VfL-Fußballlehrer ein professionelles Training auf den Rasen des FC Pegnitz.

© Foto: Markus Maisel


Wenn die Fußballerinnen und Fußballer des FC Pegnitz ihre Trainingseinheiten absolvieren, tun sie das in der Regel in den Trikots ihrer Lieblingsvereine: Die rote Kluft des 1. FC Nürnberg oder auch die des FC Bayern werden gerne getragen. Ab und an auch das weiße Trikot der deutschen Fußballnationalmannschaft – oder die blaue Trainingsmontur des FC Pegnitz.

Ein Blick auf den A-Platz am Wochenende sorgte für Verwunderung. 27 junge Fußballerinnen im Alter von sechs bis 15 Jahren dribbelten, passten und schossen den Ball auf dem Platz umher – im grün-weißen Dress des VfL Wolfsburg; einem Verein aus Niedersachsen. Auch die beiden Trainer trugen einen Trainingsanzug des Bundesligisten. Sogar auf den aufgestellten Minitoren prangte das Logo der "Wölfe". Doch was macht der VfL Wolfsburg beim FC Pegnitz?

Nicht etwa die Juniorenmannschaften des VfL Wolfsburg waren beim FC zu Gast, sondern eine Fußballschule. Zwei Fußballlehrer der Wolfsburgerinnen halfen den Mädchen, ihr fußballerisches Können in vielfältigsten Bereichen zu verbessern.

Und davon gab es eine Menge: Mit unterschiedlichsten Trainingsinhalten von Dribblingübungen bis hin zu Passstafetten, Schusstraining und Spielverlagerungen brachten die beiden VfL-Fußballlehrer Denis Hillmann und Mohsen Makoo ein professionelles Training auf den Rasen des FC Pegnitz.

Dass den Fußballerinnen ein Training wie bei den Profis geboten wurde, ist Christoph Batschkat zu verdanken. Er ist Trainer der U11-Juniorinnen des FC Pegnitz. Seine Tochter, Spielerin in der Mannschaft, habe schon zweimal bei einem Fußballcamp des FC Bayern München teilgenommen: "Ich habe bei ihr gemerkt, dass sie dadurch einen großen fußballerischen Schritt nach vorne gemacht hat." Um allen Mädchenmannschaften bis zur U16 eine Möglichkeit zu geben, sich fußballerisch weiterzuentwickeln, wollte er eine Fußballschule nach Pegnitz holen. Seine Wahl fiel auf den VfL Wolfsburg, dem Aushängeschild des deutschen Frauenfußballs. Viermal in Folge haben die Fußballfrauen des VfL zuletzt die deutsche Meisterschaft gewonnen.

Via E-Mail kontaktierte er den derzeitigen Primus im deutschen Frauenfußball: "Wir haben uns auf ein reines Fußballcamp für Mädchen beworben, damit die Spielerinnen unter sich sind." Die Zusage ließ nicht lange auf sich warten.

Außerhalb von Wolfsburg fand bislang noch gar kein reines Juniorinnen-Fußballcamp des VfL Wolfsburg statt. Dass der Verein mit seiner Fußballschule nun sogar extra zum Buchauer Berg tourt, macht Batschkat stolz: "Oberfranken ist ja in der Regel das Gebiet des FC Bayern, was Fußballschulen angeht."

Nicht nur seine Mannschaft, auch er will von den Trainern der Fußballschule lernen. Für ihn sei die Fußballschule auch eine Art Weiterbildung: "Sie machen ganz andere Spielformen, die ich noch gar nicht kenne. Ich will mir auch einige Stationen anschauen, die ich ins Training einbeziehen kann", sagt Batschkat.

Neben der fußballerischen Weiterentwicklung stand aber besonders der Spaß im Vordergrund: "Es geht darum, den Kindern einen Fußball zu zeigen, in denen sie fröhlich sein können und in dem es keine Auswechselbank gibt", sagt Fußballlehrer Denis Hillmann.

Fröhlich waren die Kinder allemal: So auch die Plecherin Yade Karaca. Die Elfjährige spielt im Sturm der U11 des FC Pegnitz. Sie hatte eine Menge Freude bei den Einheiten – obwohl sie wegen Hüftschmerzen kurzzeitig pausieren musste: "Die Übungen sind schön und machen Spaß", sagt sie; auch die Sprüche der Trainer seien lustig. Yade wollte das Camp nutzen, um an ihren Pässen zu arbeiten: "Da gehen noch einige daneben."

Mädels kamen aus Hessen

Dass eine Fußballschule des VFL Wolfsburg stattfindet, hat sich aber nicht nur bis nach Plech, sondern sogar nach Hessen herumgesprochen. Naïma Safi Movoto (12), Celina Grothe (11), Tessa Machinchik (12) und Hafida Younis (11) sind für das Fußballwochenende extra aus Frankfurt angereist.

Sie besuchen dort gemeinsam eine Eliteschule für Sport. Vor vier Wochen hat Hafida bereits in Wolfsburg an einem Fußballcamp teilgenommen. Kurzerhand überzeugte sie auch ihre Schulfreundinnen, in Pegnitz mitzumachen.

Nach der Schule sind die vier Mädchen am Freitag nach Pegnitz gefahren. Auch sie nutzten das Camp, um sich zu verbessern. Tessa will ihr Zweikampfverhalten auf ein neues Level heben. Hafida hingegen möchte sich nicht nur auf fußballerischer Ebene weiterentwickeln. "Ich will hier auch lernen, ein bisschen besser aufzupassen und mich zu benehmen."

Obwohl sie den VfL-Dress beim Trainieren trugen: Die Mädchen haben die Wolfsburgerinnen bisher gar nicht unterstützt: "Eigentlich sind wir eher Eintracht-Frankfurt-Fans", sagt Celina. Durch die Fußballschule fiebern sie nun aber auch für Wolfsburg mit.

Dass der VfL Wolfsburg von den Kindern wahrgenommen wird, sei auch ein Ziel der Fußballschule: "Der VfL Wolfsburg wird hier gesehen, da spielt für uns der Marketingaspekt natürlich auch eine Rolle", sagt Hillmann.

Gesehen wurde der VfL am Wochenende auf jeden Fall – und auch gehört: Mit VfL-Sprechchören entließen die Fußballtrainer die Mädchen am Samstag in die Mittagspause – auch sie skandierten mit. Vielleicht werden in Zukunft neben den zahlreichen Nürnberg- und Bayerntrikots auch einige grün-weiße Trikots bei den Trainingseinheiten auf dem Buchauer Berg zu sehen sein.

MARKUS MAISEL

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