22°

Freitag, 03.07.2020

|

Mädchenmannschaften müssen trotz Corona Saison beenden

Anders als die Jungs werden die Mädchen ihre Fußballsaison zu Ende spielen. Die Spartenleiter des FC Pegnitz und des SV 08 Auerbach sind enttäuscht. - 14.06.2020 15:55 Uhr

Beim FC Pegnitz floriert der Mädchenfußball. Hier kicken die Pegnitzerinnen (in Blau) bei ihrem Hallenturnier gegen Hof. Spartenleiterin Ellen Kirchner hätte es gut gefunden, wenn der Verband die Saison abgebrochen hätte — wie bei den Jungs. © Foto: Klaus Trenz


Zur Begründung erklärt Sandra Hofmann, die Vorsitzende des Verbands-Frauen- und Mädchenausschusses in einer Mitteilung des BFV, dass bei den Juniorinnen ein "gewichtiger Faktor eine extrem große Rolle" spiele, der klar gegen einen Abbruch spreche. "Das Thema Bindung der Spielerinnen hat bei den Juniorinnen für die Vereine ein viel größeres Gewicht, als bei den Erwachsenen oder Junioren. Das liegt nicht nur daran, dass wir viel weniger Juniorinnen im Spielbetrieb haben als Junioren. Für das Gros der Mädchen spielt trotz allem sportlichen Ehrgeiz auch die soziale Komponente eine immense Rolle."

Das gemeinsame Spiel stehe in einer gewachsenen Mannschaft oft über dem Leistungsgedanken. "Von Beginn an war für die Vereinsvertreter eine der größten Sorgen, bei einem Saisonabbruch und dem darauf folgenden Umbruch vor dem Saisonneustart massiv Spielerinnen zu verlieren und womöglich gar keine Mannschaft mehr stellen zu können", so Hofmann weiter.

Das klingt so, als ob Vereine mit Mädchenmannschaften nun Hurra schreien würden, weil der BFV ihnen erlaubt, die Saison fortzusetzen. Doch zumindest in Auerbach und Pegnitz ist das Gegenteil der Fall. "Ich verstehe nicht, warum zwischen den Jungs und den Mädchen so ein Unterschied gemacht wird", sagt Norbert Biersack, Leiter des Frauen- und Mädchenfußballs beim SV 08 Auerbach.

Er gehört nicht zu denen, die laut BFV große Sorgen haben, Spielerinnen zu verlieren. "Diese Befürchtung hatte ich, als wir wegen Corona überhaupt nichts machen durften", sagt Biersack. Doch beim ersten Training in einer Kleingruppe hat es dann vier Trainer gebraucht, damit alle Fußballerinnen betreut werden konnten. "Ich glaube nicht, dass bei uns Mädchen nun aufgehört hätten, wenn der Spielbetrieb nicht weitergegangen wäre."

Gerechter wäre es für Biersack gewesen, wenn es eine einheitliche Regelung für Jungs und Mädchen gegeben hätte. Seine bevorzugte Variante: Ein Abbruch der Saison für alle. "Dann hätten wir Planungssicherheit gehabt, was wir im Herbst machen können. Es ist doch noch gar nicht klar, ob im Herbst das Fußballspielen wieder erlaubt ist."

Die Zeit bis zum Winter hätte der SV 08 im Mädchenbereich dann mit verstärkten Übungseinheiten, auch am Wochenende, und Schnuppertraining überbrückt. "Die Phase wäre super gewesen, um die Jugendarbeit anzukurbeln", sagt Abteilungsleiter Biersack.

Auch Ellen Kirchner, Leiterin des Mädchenfußballs beim FC Pegnitz, ist nicht zufrieden mit der Lösung des Verbands. "Wir wollen gleichbehandelt werden. Ein Abbruch genau wie bei den Jungs wäre gerechter gewesen."

Verbessern und gewinnen

Fragwürdig findet sie vor allem die Begründung, warum es für die Mädchen mit der Saison weitergeht: "Das klingt so, als ob sie anders als die Jungs keinen großen Wettbewerbsgedanken haben. Dabei geht es natürlich auch für die Mädchen darum, sich zu verbessern und zu gewinnen." Schön hätte es Kirchner gefunden, wenn der Verband auch um die Meinung des FC Pegnitz gebeten hätte. "Genau wie die Auerbacher arbeiten wir sehr hart für die Entwicklung des Mädchenfußballs. Und das seit 20 Jahren."

Stattdessen steht sie jetzt vor der Herausforderung, "unsere jungen Fußballerinnen für sechs Punktspiele ab September zu begeistern. Und davor sind Sommerferien", gibt Kirchner zu bedenken. Daher hätte sie es als sinnvoller empfunden, den älteren Jahrgängen Spielpraxis in den Frauenmannschaften zu geben und mit dem Spielbetrieb im Juniorinnenbereich im März zu beginnen. "Dann hätte man die neue Saison beginnen und bis September spielen lassen können."

MARCEL STAUDT

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Pegnitz, Auerbach