Umwelt

Mangel an Helfern: Kein Energiesparfestival in Pottenstein

24.11.2021, 12:00 Uhr
Der Arbeitskreis Klimaschutz in Wiesent bei Regensburg bastelte beim damaligen Synergie-Festival vor zwei Jahren Solar-Laternen.

Der Arbeitskreis Klimaschutz in Wiesent bei Regensburg bastelte beim damaligen Synergie-Festival vor zwei Jahren Solar-Laternen. © Archivbild: Tobias Hase/LfU

Energiesparen ist in: Photovoltaikanlagen auf dem Dach, Auto fahren mit Hybrid- oder gar Elektromotor und energetisch umgerüstete Häuser. Ein Grund mehr, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, dachte sich Vize-Bürgermeister Roland Lang (BU), der in der vorvergangenen Bauausschusssitzung die Idee für eine Kooperation mit dem Energiespar–Festival Synergie zur Diskussion stellte und auf die Tagesordnung setzen ließ.

Workshops und Bühne

Das bayerische Landesamt für Umwelt (LfU) veranstaltet seit 2016 in verschiedenen Städten das Energiesparfestival Synergie. Mit kreativen Workshops, einer Nachhaltigkeitsmesse und buntem Bühnenprogramm versucht es, Menschen für einen energiesparenden Lebensstil zu begeistern.

Auch in Franken nutzte man die Gelegenheit und bewarb sich. Vor zwei Jahren fand dadurch in Wiesent das Festival statt. Interessierte konnten dort Anregungen für das eigene Energiesparen erhalten und sich über Klimaschutz der Zukunft informieren. Regionale Unternehmen waren vor Ort und zeigten, was sie selbst als "Energiepioniere" tun.

Das Ganze werde zudem gefördert, erklärte Bürgermeister Stefan Frühbeißer (CWU-UWV) im Bauausschuss. "Falls wir ausgewählt werden, dann erhalten wir eine Förderung von 25 000 Euro." Und mahnte, dass die Stadt mit solchen großen Projekten bereits Erfahrungen gesammelt habe und die Kosten "wahrscheinlich mehr als die genannten 25 000 Euro" übersteigen.

Auch wies er darauf hin, dass es einen erheblichen organisatorischen Aufwand gebe, der von der Rathausverwaltung zusätzlich bewältigt werden müsste. "Ob das überhaupt stattfinden kann, bleibt fraglich. Gerade im Hinblick auf Corona. Wir haben hier ein gewisses Veranstalterrisiko und ich gebe zusätzlich zu bedenken, dass wir im kommenden Jahr 100 Jahre Teufelshöhle vorbereiten."

Zumindest darüber reden wollte Roland Lang. Er sei sich ebenfalls im Klaren, dass die Förderung nicht ausreiche und der Stadt Kosten entstünden. "Ich finde die Idee gut, aber der Mehraufwand für die Verwaltung ist enorm und die personelle Situation im Rathaus gibt das nicht her."

Doch Dritter Bürgermeister Christian Weber (JL) zeigte sich beim Thema hartnäckig, da er eine Chance im Festival sah, Gäste in die Felsenstadt zu locken. Auch ginge es darum, den Zeitgeist aufzugreifen und die Energieverschwendung, über die aktuell auch in der Bundespolitik gesprochen werde, aufzuzeigen. Als heimliche Hauptstadt der Fränkischen Schweiz sei es aus seiner Sicht eine schöne Idee, sich dahingehend positiv zu präsentieren.

Natürlich sehe auch er die personellen Schwierigkeiten. Das gesamte Projekt müsse betreut werden. Aus diesem Grund schlug er einen Arbeitskreis vor, der unterstützend der Verwaltung unter die Arme greife. Dass die Rathausverwaltung solche Projekte umsetzen könne, das habe die Stadt bei einigen Großveranstaltungen gezeigt, ist sich Frühbeißer sicher. Doch die Zeiten, in denen man sich unterstützt habe und gemeinsam Projekte angegangen sei, hätten sich geändert.

So erinnerte er an eine Veranstaltung an der Erlebnismeile, bei der bis zu 300 motivierte Helfer von 2 Uhr bis 6 Uhr morgens mit dem Abbau beschäftigt waren. "Es gab viele, die mitgeholfen haben. Ich denke, die Motivation gibt es für so etwas in der Bevölkerung nicht mehr", meinte das Stadtoberhaupt.

Stadtrat Josef Schrüfer (FWG) sah ein ganz anderes Problem. "Wenn man so ein Energiesparfestival hält, dann sollte man als Gemeinde auch in diese Richtung gehen sowie Vorzeigeobjekte haben und da sind wir, glaube ich, noch nicht so gut aufgestellt." Der Aussage widersprach Bürgermeister Frühbeißer.

Es gebe ausreichend Beispiele, bei denen die Stadt eine Vorreiterfunktion habe. "Wir haben im Hallenbad sehr viele Maßnahmen durchgeführt, die LED-Beleuchtung umgesetzt oder die Schule energetisch saniert. Außerdem nutzen wir Wasserkraft zur Stromerzeugung ", zählte Frühbeißer auf.

Er hätte eventuell eine andere Meinung zu dem Festival gehabt, wenn das Jubiläum der Teufelshöhle im kommenden Jahr nicht anstehen würde. Da sich eine Tendenz im Bauausschuss abzeichnete, ließ Frühbeißer abstimmen. Das Gremium entschied sich einstimmig gegen eine Bewerbung.

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