Preisgleitklauseln als Hilfsmittel

Materialpreise verteuern neue Seilbahn auf den Ochsenkopf

11.5.2022, 17:10 Uhr
Der Neubau der Seilbahnen auf den Ochsenkopf könnte deutlich teurer werden.

© Foto: Archiv/Udo Meixner Der Neubau der Seilbahnen auf den Ochsenkopf könnte deutlich teurer werden.

Ein sperriger Begriff soll helfen, geeignete Unternehmen zu finden. Die Rede ist von Preisgleitklauseln. Reinhard Bichl von der Hochbauabteilung am Landratsamt Bayreuth erläuterte in der Sitzung des Zweckverbands zur Förderung des Tourismus und des Wintersports im Fichtelgebirge, was es damit auf sich hat. Seit Wochen läuft der Teilnahmewettbewerb für das anstehende Verhandlungsverfahren mit den Bietern.

Einige hätten sich bereits gemeldet und das Thema Preisgleitklausel angesprochen. Denn: Den Unterlagen für den Seilbahnbau ist ein Vertragsentwurf beigefügt, "der grundsätzlich Festpreise vorsieht". Gleichzeitig seien Anpassungsregelungen nicht ausgeschlossen, da die Baustoffpreise in den vergangenen Monaten rasant nach oben geklettert sind.

Ein "potenzieller Interessent" habe darauf hingewiesen, dass er sich zu einer Preisangabe in diesem Jahr für die Errichtung der Südbahn im Jahr 2024 nicht in der Lage sehe. Das sei nachvollziehbar, sagte Pichl mit Blick auf die Teuerungsraten. So seien die Preise für Stahlmatten von Januar 2021 bis Januar 2022 um fast 72 Prozent gestiegen, die für Bauholz um knapp 59 Prozent, die für Spanplatten, Flachglas oder Dämmplatten aus Kunststoff um 40 Prozent und mehr.

Und aktuell sei keineswegs absehbar, wie sich die Preise künftig entwickeln – "sie können weiter steigen oder eventuell auch wieder fallen". Es sei also viel Unsicherheit im Spiel. Was wiederum kürzlich das Bundesbau- wie das bayerische Innenministerium veranlasste, die Anwendung von Preisgleitklauseln bei Ausschreibungen anzuregen.

Eine Besonderheit beim Seilbahnbau: Anders als bei "üblichen Bauausschreibungen" enthalten die Unterlagen kein detailliertes Leistungsverzeichnis. Vielmehr werden für diverse Leistungspakete Pauschalen abgefragt. So wird zum Beispiel zwischen dem Seilbahnbau einerseits und den Hochbauarbeiten für die Stationsgebäude andererseits unterschieden.

Wichtig, sagte Pichl: Die Klausel braucht es nur punktuell. Dort, wo die Preistendenz kaum berechenbar ist. Das hängt auch mit dem Zeitplan zusammen. Beim "Los 1", der Nordbahn mit ihren Stationsgebäuden, etwa soll der Auftrag im Oktober vergeben werden, die Bauphase soll bis Ende 2023 abgeschlossen sein.

Nach Ansicht der Seilbahnplaner ist für die Seilbahn selbst – also für die Stützen, für die Kabinen, für die Technik – keine Preisgleitklausel erforderlich, da die Firmen bei der Auftragsvergabe bereist alle Materialien bestellen oder sogar auf vorhandene Bestände zurückgreifen können. Anders die Situation bei den Fundamenten für die Stützen, beim dafür benötigten Baustahl und Baustahlgewebe.

Im Gegensatz dazu müsse man für den Süden des Ochsenkopfs – auch dort soll der Auftrag im Oktober vergeben werden – angesichts einer Bauzeit bis Ende 2024 schon für die Seilbahntechnik eine solche Klausel berücksichtigen. Die Grundlage bilden dabei immer die Preisindizes für gewerbliche Produkte des Statistischen Bundesamtes. Als Ausgangswert würde der Indexwert im dritten Quartal herangezogen.

Und, ja, sagte Pichl auf Nachfrage aus der Runde: "Es muss nicht zwangsläufig teurer werden, die Preise können auch nach unten gehen, wie wir das vor zwei Jahren schon einmal hatten." Die Klauseln einzubauen, dürfte alternativlos sein, "da wir sonst kaum Bieter finden werden oder nur solche, die Mondpreise angeben."

Die Verbandsräte stimmten dieser Sichtweise einhellig zu. In der verabschiedeten und sehr umfangreichen Beschlussvorlage steht auch, dass eine Preisanpassung nur vorgenommen wird, wenn eine Preissteigerung für das Gesamtpaket wie auch für einzelne Positionen höher als drei Prozent angesiedelt ist. Bis zu diesem Wert trägt der Auftragnehmer das Preisrisiko selbst.

Keine Kommentare