Mehr als Rasenmähen: So vielfältig ist die Arbeit des Bronner Platzwarts

5.5.2021, 05:55 Uhr
Robert Bachmann ist Platzwart beim SV Bronn. Aber Mähen mit dem Rasentraktor ist bei weitem nicht alles, was er ehrenamtlich beim Sportverein erledigt. „Ich helfe allen Sparten und versuche Probleme zu lösen“, sagt er.

Robert Bachmann ist Platzwart beim SV Bronn. Aber Mähen mit dem Rasentraktor ist bei weitem nicht alles, was er ehrenamtlich beim Sportverein erledigt. „Ich helfe allen Sparten und versuche Probleme zu lösen“, sagt er. © Foto: Rosi Thiem

Für den Platzwart ist Wasser ein Lebensmittel und er möchte damit so sorgsam als irgendwie möglich umgehen. "Eine Bahn wässern dauert drei Stunden. Da fange ich in der Nacht an. Die letzte der drei Bahnen wird dann auch erst am Abend gewässert, wenn es wieder abkühlt." Das Wassersparen ist ihm wichtig, dafür steht der 57-Jährige gerne früher auf. In den Trockenjahren wird das Bewässern auch eingestellt.

Neben dem regelmäßigen Rasenmähen arbeitet Bachmann mit dem Vertikutierer. "Hier kommt richtig gut Luft in den Boden. Der Hintergrund ist, dass wir seit Jahren auf Spritzmittel verzichten. Wir wollen den Boden nicht verseuchen", zeigt der Ehrenamtler auf, der hauptberuflich als Sondermaschineneinsteller bei einem Autozulieferer in Muggendorf arbeitet. Ökologisch und nachhaltig zu arbeiten ist ihm wichtig, sei es bei der Bodenbelüftung oder der Instandhaltung der einzelnen Anlagen.

Arbeit als Platzwart gibt es das ganze Jahr. Im Winter wird Schnee geräumt, schon allein wegen dem Heizungsbetrieb. In der kalten Jahreszeit werden auch die Bäume zurückgeschnitten. Einige Fichten mussten wegen Borkenkäferbefalls entfernt werden. Auch das erledigt Robert Bachmann gerne für "seinen" Verein. "Da habe ich jetzt an diese Stellen Eicheln gesät", zeigt er auf die kahlen Flecken. "Das ist ein Versuch, mal sehen was kommt", lacht er unbekümmert.


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Jetzt im Frühjahr richten die einzelnen Sparten ihre Spielreviere. Beim Tennis wird aus dem alten Sand das Moos herausgerecht und 1,5 Tonnen neuer Sand eingewalzt. Beim Beachvolleyball liegt im Winter eine Folie auf. Mit dieser wird der Sand vom Kot der Wildtiere geschützt. "Jetzt im Frühjahr wird die Plane aufgedeckt und am Rand der Sand ausgetauscht. Hier besorge ich den Sand", zeigt Robert Bachmann auf, der seit seiner C-Jugendzeit – also seit 47 Jahren – dem Verein gerne treu geblieben ist. "Ich helfe allen Sparten und versuche Probleme zu lösen", sagt der gelernte KFZ-Mechaniker, der über die knapp vier Hektar des SV Bronn seine glückliche Platzwarthand legt. Beim nun bereits verstorbenen Vorgänger Friedrich Weih hatte er schon immer etwas mitgeholfen. Seit acht Jahren bekleidet er das Ehrenamt nun selbst. Die Arbeit scheint ihm nicht zu viel zu sein. "Wir haben jetzt zwei Betreuerunterstände selbst gebaut", präsentiert er auf dem A-Platz. "Die Alten waren nicht mehr ganz so standfest, die mussten wir beim Wald einsammeln", schmunzelt er. Ebenso wurden die maroden Platzumrandungen in Teamarbeit ausgetauscht und die Werbetafeln erstrahlen jetzt neu.

Dem Platzwart liegen alle Sparten am Herzen, das ist spürbar. In der Sparte Bogenschießen hofft er auf die Bayerischen Meisterschaften Ende Juli in Bronn. Die Pandemie lässt noch alles offen. "Hier würden Teilnehmer aus ganz Bayern kommen", hofft er. Bei der Bezirksmeisterschaft Feldbogen vor zwei Jahren waren die Teilnehmer vollauf begeistert von der abwechslungsreichen Bronner Feldbogen-Parcoursanlage.


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Ärger gibt es hin und wieder auch einmal. Vor zehn Jahren wurde der erste Rasentraktor gestohlen. Auch der Ersatztraktor wurde aus der Gerätehalle mit Brecheisengewalt geklaut und fiel in die Hände von Einbrechern. "Die Diebe hatten die Scheiben eingeschlagen."

Schöne Johannisfeiern

Aber es gibt auch positive Höhepunkte. Der Motorradliebhaber Bachmann denkt an die schönen Johannisfeuer der letzten Jahre und an die Schneebar im Winter mit geselligen Geschichten. Corona lässt so einiges offen. Nun bleibt es abzuwarten, was kommt. Deshalb liegen dem Platzwart – der nebenbei auch noch in den anderen Bronner Vereinen Mitglied ist – auch die Jüngsten am Herzen. Er erinnert sich noch an seinen Einstieg. "Wenn es den Kindern Spaß macht, dann kommen sie wieder und bleiben im Verein. Einst haben Andere für mich ein Ehrenamt im Verein ausgeführt – nun mache ich das für die Jugend weiter. Ich sehe das als Vorbildfunktion", legt der 57-Jährige sein Engagement offen.

Raus zu anderen Leuten

Das lebenswichtige Sozialverhalten lernt man besonders in den Sportvereinen, ist sich der Platzwart sicher. "Die Kinder müssen weg vom Fernseher und Computer – raus zu anderen Leuten. Dazu versuche ich so viel als möglich selbst dazu beizutragen. Der SV ist eine größere Familie, die sich gegenseitig gut unterstützt und ergänzt", sagt er über den seit 1946 bestehenden Bronner Sportverein. "Das freundschaftliche Verhalten untereinander ist in einem Verein besser verankert. Die Kinder lernen im Austausch mit anderen Kindern so viel und können Sportfreundschaften knüpfen. Sport und Vereine sind dazu da, dass auch zwischenmenschliche Konflikte nicht eskalieren", sieht es Robert Bachmann als Zukunftsmodell zielführend für die Jugend. Derzeit gibt es um die 400 Mitglieder in dem spartenreichen Verein. "Eben gerade diese Unterstützung habe ich einst selbst erfahren. Nun bin ich da, zu helfen und mich einzubringen", ergänzt der Platzwart zufrieden.

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