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Montag, 27.05.2019

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Mehr Austritte aus der Kirche und mehr Sterbefälle

Mit "nachgehender Seelsorge" reagiert das evangelische Dekanat auf den erneuten Rückgang bei den Gläubigen. - 09.05.2019 09:00 Uhr

Weihnachtsgottesdienste wie hier in der Pegnitzer Bartholomäuskirche gehören beim Kirchgang der Gläubigen regelmäßig zu den Spitzenreitern. In Pegnitz besuchten 2018 über 2000 evangelische Gläubige einen der Festgottesdienste an Heiligabend.


Entscheidend für diese Entwicklung waren die 205 Sterbefälle gegenüber nur 142 Taufen. Außerdem kehrten 71 Gläubige der Kirche den Rücken und nur 14 traten ein. Häufige Begründungen von Austrittswilligen seien: "Ich kann auch ohne Kirche an Gott glauben" sowie der Verweis auf die ungeliebte Kirchensteuer.

Schoenauer bedauert die sich fortsetzenden Kirchenaustritte. "Wir schreiben alle an, die ausgetreten sind." In immerhin 80 Prozent der Fälle werde geantwortet. Trotz dieser ernüchternden Zahlen wäre die Lage im Dekanat aber immer noch besser als der Durchschnitt in der bayerischen Landeskirche. In diesem Zusammenhang verweist er auch auf jüngste Spiegel-Umfragen. So würden aktuell nur 55 Prozent der Bürger an Gott glauben. Im Jahr 2005 waren es noch 66 Prozent. Unter den Protestanten würden heutzutage 67 Prozent an Gott glauben (2005: 79 Prozent).

"Seltene Ausnahmen"

Einziger Trost für den langjährigen Seelsorger: "Nur in ganz seltenen Ausnahmen hat sich jemand über unsere Kirchengemeinde geärgert."

Er ist überzeugt: Wichtig für die Bindung an die Kirche sei die örtliche Gemeinde. Diese sei eine wichtige "Drehscheibe". Der Pfarrer ruft dazu auf, die "Beziehungsarbeit" zu verstärken. "Nachgehende Seelsorge" sei das Schlüsselwort für alle Hauptamtlichen im Kirchendienst.

Für Pfarrer bedeute das: Noch mehr Besuche in ihrem Terminkalender unterzubringen. Die "Gegenbesuche im Gottesdienst" sind die positive Quittung einer solchen Zusatzanstrengung. Der Dekan sieht es deshalb "sehr kritisch", wenn Pfarrstellen gestrichen werden sollen. Genau das sei aber, was die Landeskirche in Zukunft vorhabe. Nach wie vor sei hier aber trotz aller Kirchenaustritts-szenarien der Gottesdienstbesuch gut. Jährliche Spitzenreiter beim Gottesdienstbesuch sind die Weihnachtsgottesdienste. 2018 besuchten an Heiligabend weit über 2000 Gläubige einen der Festgottesdienste.

Schoenauer weiß aber auch: "Das bröckelt." Immer wieder passiere deshalb, dass "Stammplätze in den Kirchenbänken" leer blieben, weil die entsprechenden Kirchgänger verstorben seien. Ungeachtet dessen führen Schoenauer und seine Kolleginnen oft auch Gespräche mit Interessierten zum (Wieder) Eintritt in die Kirche. Er erinnert sich noch an eine Osternacht, in der zehn Russlanddeutsche getauft worden waren. Und jetzt vollzieht eine angehende Konfirmandin diesen nicht nur für die Kirchenstatistik, sondern für das eigene Leben wichtigen Schritt.

Wer noch nicht getauft sei, müsse vor dem Kircheneintritt Taufunterricht erhalten und anschließend zum Eintritt einen Gottesdienst mit Abendmahl besuchen. Bei einem Übertritt aus einer anderen christlichen Gemeinschaft werde natürlich nicht erneut getauft.

In jedem Fall führe der Pfarrer mit künftigen Neumitgliedern ein oder mehrere Gespräche. Trotz aller düsteren Prognosen gebe es hier in Pegnitz "ganz viele Ehrenamtliche, die das kirchliche Leben am Laufen halten."

Auch das Spendenaufkommen in seiner Kirchengemeinde bleibe auf hohem Niveau, freut sich der Kirchenmann.

Es betrug für die kirchliche Hilfsaktion "Brot für die Welt" wie im Jahr zuvor über 46 000 Euro. Schoenauer wörtlich: "Wir schauen nicht nur auf uns."

Die Kirche und ihre Vertreter hätten die Aufgabe, als "Anwalt der Schwachen" die Ungerechtigkeiten zu benennen.

Deshalb dürfe Kirche auch nicht unpolitisch sein und müsse sich für Frieden und die Bewahrung der Schöpfung einsetzen. Zur Verwirklichung dieser Ziele habe man "Partner in allen Parteien". 

VON FRANK HEIDLER

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