Geburten

Mehr Babys in der Oberpfalz

8.10.2021, 06:00 Uhr
Gleich mehrere Kliniken in der Region vermelden leicht steigende Geburtenzahlen. Den vielzitierten Corona-Boom sehen die Geburtenstationen aber noch nicht.

Gleich mehrere Kliniken in der Region vermelden leicht steigende Geburtenzahlen. Den vielzitierten Corona-Boom sehen die Geburtenstationen aber noch nicht. © Foto: Waltraud Grubitzsch/dpa

Am vergangenen Samstag kam dort frühmorgens um 2.12 Uhr mit dem kleinen Myles Moody das 500. Baby des Jahres 2021 zur Welt. Der kleine Junge war damit noch zwei Wochen früher dran als das 500. Baby des Jahres 2020, als in Sulzbach-Rosenberg ebenfalls schon eine Rekordzahl an Geburten verzeichnet wurde. Genau 599 Kinder erblickten vergangenes Jahr im St. Anna Krankenhaus das Licht der Welt, nach 592 im Jahr 2019.

Auf der Geburtenstation des Klinikums St. Marien in Amberg sind die Zahlen sogar noch höher. Rund 1460 Babys pro Jahr kamen dort 2019 und 2020 auf die Welt. In diesem Jahr wird es wohl ähnlich aussehen – wie schon in den Vorjahren wurde im September das 1000. Kind geboren.

Station geschlossen

Darunter sind nun auch viele Kinder aus Auerbach und Pegnitz. Nach dem plötzlichen Tod des Gynäkologen Dr. Florian Heirler wurde die Weiterführung der Geburtenstation an der Sana Klinik in Pegnitz nur kurzfristig durch Honorarärzte gesichert. Am 28. Februar 2020 wurde diese vorerst stillgelegt. Trotz langer Suche konnte keine neue Leitung gefunden werden. "Es ist enttäuschend, dass keine Bewerbungen eingegangen sind – nicht einmal eine lose Anfrage", erklärte die Geschäftsführerin Petra-Marié Rinsche-Förstel, als im Oktober 2020 die dauerhafte Schließung bekannt gegeben wurde.

Die Auerbacher Mütter müssen sich damit schon zum zweiten Mal umorientieren. Bereits 1997 war die Geburtenstation vor Ort geschlossen worden, als die Umstrukturierung der Sankt-Johannes-Klinik in eine Fachklinik für internistische Medizin und Geriatrie erfolgte. In fast 40 Jahren waren dort etwa 5000 Kinder zur Welt gekommen. Ende der 1990er waren es aber nur noch um die 30 bis 40 Geburten pro Jahr. Zunächst konnten die werdenden Mütter damals die Geburtenstation von Pegnitz aufsuchen, nun steht eine längere Fahrt an.

So bestätigt Rebecca Heindl, Oberärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe in Sulzbach-Rosenberg, "dass ein Zuwachs an werdenden Müttern aus dem Raum Auerbach und Pegnitz deutlich zu erkennen ist." Immerhin wurden im Einzugsgebiet der Sana Klinik von Auerbach über Pegnitz bis Creußen 2018 315 Kinder geboren, 2019 immer noch knapp 300. Diese Zahl verteilt sich nun neben Bayreuth und Lauf auch auf die Geburtenstationen in Sulzbach-Rosenberg und Amberg. Am Amberger Klinikum äußert man sich dazu aber zurückhaltend: "Wir haben in den letzten Jahren ansteigende Geburtenzahlen verzeichnet und betreuen auch immer wieder Patientinnen aus dem Raum Pegnitz", erklärt Dr. Thomas Papathemelis, Chefarzt der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, dies sei aber unabhängig von der Situation der Pegnitzer Geburtenstation.

Ebenso wenig glaubt er an einen Corona-Boom, der in den vergangenen Monaten immer wieder beschworen wurde. "Die Zahl der Geburten am Klinikum Amberg schwankt jedes Jahr in einem bestimmten Ausmaß. Eine Kausalität zu Corona kann nicht hergestellt werden", meint Papathemelis. Darüber ist er sich mit seiner Kollegin von St. Anna einig. Zwar rechnet Heindl mit einem neuen Geburtenrekord, doch ob dies mit Corona zusammenhängt, könne sie nicht beurteilen. Immerhin ist die Tendenz bei den Geburtenzahlen am Klinikum schon seit längerem steigend. Seit 2005 seien diese um 62 Prozent gestiegen, erklärt Marie Ehras, die für die Öffentlichkeitsarbeit des Klinikums zuständig ist.

Corona sorgt für Zweisamkeit

Deutlich mehr Einfluss hat die Pandemie dagegen auf den Ablauf der Geburten im Klinikum, für die strenge Regeln zum Infektionsschutz gelten. Gerade im Hinblick auf die Besucherbeschränkung sei eine deutliche Verunsicherung der Eltern zu spüren, berichtet Oberärztin Heindl. So sind Besuche nur durch den Kindsvater und mögliche Geschwisterkinder möglich, nicht aber durch Großeltern oder andere Verwandte und Freunde.

Auch die früher üblichen Vorbereitungstermine, Geburtsinformationsabende und Führungen durch den Kreißsaal sind durch die Pandemie stark eingeschränkt. In Amberg hat man diese Veranstaltungen komplett ins Virtuelle verlegt. In Sulzbach-Rosenberg findet mittlerweile wieder ein kostenloser Säuglingspflegekurs für werdende Eltern statt, allerdings mit strengen Hygienevorschriften und begrenzter Teilnehmerzahl.

"Mittlerweile hat sich alles eingespielt und die Eltern haben auch Verständnis für bestimmte Maßnahmen, die am Ende ja nur dem bestmöglichen Schutz von ihnen selbst, ihrem neugeborenen Kind und natürlich von uns dienen", meint Chefarzt Papathemelis dazu.

Auch die Familie Moody fühlte sich im Kreißsaal und auf der Station sehr gut aufgehoben. Man garantiere ein Höchstmaß an Sicherheit, so Dr. Sascha Vietoris, Chefarzt der Gynäkologie in Sulzbach-Rosenberg.

Tatsächlich, meint Papathemelis, sei an den veränderten Regeln nicht alles schlecht. "Wir haben die Erfahrung gemacht, dass viele Eltern die Zeit zu zweit zusammen mit ihrem Neugeborenen genießen. Die derzeitige Besuchssituation kann Müttern auch gut tun."

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