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Dienstag, 01.12.2020

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Mehrheit gegen Krankenhaus-Neubau an Hoher Warte

Mammutsitzung der Klinik-Gremien: Oberbürgermeister "bedauert" Entscheidung, der Landrat ist "erleichtert". - 19.11.2020 10:07 Uhr

Der CSU-Vorschlag, den Standort Hohe Warte (Bild) zu einem neuen großen Gesamtkrankenhaus für Bayreuth auszubauen, kam nicht gut an. In einer Sitzung der Klinik-Gremien war eine deutliche Mehrheit dagegen. Stattdessen soll der Umbau des Hauptstandorts an der Preuschwitzer Straße fortgesetzt werden.

17.11.2020 © Foto: Archiv/Andreas Harbach


Die Christsozialen hatten vergangene Woche vorgeschlagen, die Bauarbeiten am Hauptstandort des Klinikums an der Preuschwitzer Straße zurückzufahren und stattdessen den Teilstandort Klinik Hohe Warte zu einem neuen Gesamtklinikum auszubauen (wir berichteten). Dafür hätte das dortige Schwesternwohnheim abgerissen werden sollen. Zudem wären wohl weitere Flächen bebaut worden – teilweise im Besitz der Stadt, teilweise nicht.

Die CSU sah mehrere Vorteile gegenüber dem bereits begonnenen abschnittsweisen Umbau des aktuellen Klinikums. Unter anderem hätte ein neues Gebäude komplett nach neuesten Standards konzipiert werden können. Laut CSU hätte sich dann auch das vielzitierte Problem der langen Wege erledigt; ebenso die Debatte um vorhandene Krankenhauskeime. Zudem wäre die Verteilung auf zwei Standorte beendet worden, wodurch derzeit doppelte Anschaffungen und Pendelwege nötig sind.

"Neubau hätte zu viele Hürden nehmen müssen"

Landrat Florian Wiedemann (FW) positionierte sich allerdings gegen diese Pläne. "Wir bekennen uns zum jetzigen Standort", sagte er nach der Mammutsitzung im Rathaus, die um 9 Uhr begann und bis in den Nachmittag dauerte. "Ein Neubau hätte zu viele Unwägbarkeiten bedeutet und hätte zu viele Hürden nehmen müssen", findet Wiedemann. Insbesondere hätten der gesamte Planungsprozess und die Wirtschaftlichkeitsberechnung neu gestartet werden müssen. "Und zwar mit offenem und unsicherem Ausgang", befürchtet Wiedemann. Der Ministerrat der Bayerischen Staatsregierung hätte, so sagt der Landrat, erst nach Abschluss der Planungen über eine Förderzusage entschieden.

Beschlossen wurde der Umbau, der in sieben Bauabschnitten stattfinden soll, unter Ex-Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe (BG) und Ex-Landrat Hermann Hübner (CSU) an der Spitze des Aufsichtsrats. Die Bagger rollen schon seit geraumer Zeit. Nach der Kommunalwahl wurden die Karten in den Gremien aber neu gemischt – nicht nur auf den Posten der Vorsitzenden. Die Sitze der Stadt- und Kreisräte verteilen sich nach den Mehrheitsverhältnissen in Stadtrat und Kreistag. Im Gegensatz zu vielen anderen Krankenhäusern ist die Bayreuther Klinik nicht privatisiert. Sie gehört Stadt und Kreis.

Mit ihrem gemeinsamen Antrag wollten die CSU-Fraktionen in Stadt und Land das bereits vor einigen Jahren diskutierte Thema Neubau neu aufrollen. Durch die Pläne für die Hohe Warte lag erstmals ein konkreter Vorschlag für einen Standort auf dem Tisch. Vorher waren andere Ideen inoffiziell durch Bayreuth gegeistert. Etwa ein Neubau bei Aichig oder nahe der A 9-Ausfahrt Bayreuth-Süd. Dies hätte jeweils einen Komplettneubau auf der grünen Wiese bedeutet, während nun ein Teilstandort integriert werden sollte.

Ergebnis unbekannt

Das genaue Abstimmungsergebnis der Mammutsitzung der Gremien war noch nicht zu erfahren. Laut Informationen ging es bei den getrennten Abstimmungen des Aufsichtsrats und der Zweckverbandsversammlung jedoch nicht knapp zu. Im Vorfeld hatten sich die Freien Wähler im Kreis und deren Stadt-Pendant BG gegen einen Neubau ausgesprochen. Auch die Grünen waren dagegen; SPD-Vertreter skeptisch. "Ich bin froh, dass die Diskussion beendet ist", sagte Wiedemann. Die Gremien-Mehrheit habe sich nicht nur gegen den Neubau, sondern explizit für den Umbau des Hauptstandorts ausgesprochen. "Jetzt können wir den eingeschlagenen Weg weitergehen", zeigte sich der Landrat "erleichtert".

Komplett anders

Oberbürgermeister Thomas Ebersberger (CSU) bewertet das Abstimmungsergebnis komplett anders. "Ich bedauere die Entscheidung zutiefst", sagte er zur Redaktion. Er sei absolut überzeugt, dass die Zusammenlegung der Standorte an der Hohen Warte viele Probleme des Klinikums langfristig gelöst hätte. "Und damit wäre eine höchste medizinische Versorgung in kommunaler Hand langfristig gesichert worden." Ausführlicher will sich Ebersberger bei einer Pressekonferenz äußern, die eigens zu diesem Thema angesetzt wurde.

ANDREAS SCHMITT

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