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Freitag, 26.04.2019

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"Meistermacher" Michael Graß‘ nächste Vision

Pegnitzer trainiert D-Jugend der SG Auerbach/Pegnitz und will mit ihnen in sechs Jahren in der Junioren-Bundesliga spielen - 26.01.2019 16:57 Uhr

„Ich lerne bei jeder Trainingseinheit mehr von ihnen als sie von mir“, sagt Trainer Michael Graß über die D-Junioren der SG Auerbach/Pegnitz. Erstmalig trainiert der Pegnitz eine Kindermannschaft. © Ralf Münch


Hoch und in die lange Ecke. Die Anweisung des Trainers ist so kurz wie unmissverständlich und wird von den jungen Handballern in der Christian-Sammet-Halle sofort umgesetzt. Zwei Minuten später heißt es, sie sollen dem Torwart flach auf die Beine zielen. Wieder gehorchen die Kleinen, Kinder können so artig sein. So läuft das zweimal pro Woche für jeweils anderthalb Stunden beim Training der D-Jugend. "Die Kinder brauchen die permanente Ansprache, da muss man wie ein Puppenspieler sein", sagt Michael Graß. Nach etwa sieben Jahren Pause vom Handball ist er seit September wieder Anweiser, erstmalig einer Kindermannschaft. Was er in knapp über drei Monaten mit den Kleinen erlebt hat, macht ihn hoffnungsfroh: "Sie bringen eine super Arbeitseinstellung mit. Sie können es alle zu etwas bringen."

Als Graß anfing, waren es zehn junge Handballer, nun sind es schon 20. Erst vergangene Woche kamen zwei neue Spieler dazu. "Sie haben die WM im Fernsehen gesehen und meinten, dass sie diesen Sport auch machen wollen", sagt Graß, "ob die WM zu einem Boom führen wird, weiß ich nicht, aber alleine diese zwei Neuzugänge sind eine Auswirkung." Andere aus der Mannschaft spielen schon seit zwei Jahren Handball. Egal ob Anfänger oder Fortgeschrittener — dass es dieses Team seiner Meinung nach in sechs Jahren in die Junioren-Bundesliga schaffen kann, hat Graß den Kindern verraten. "Wenn man einen dicken Fisch fangen möchte, muss man einen dicken Köder auswerfen."

Graß orientiert sich gerne am Maximum. Es ist nicht das erste Mal, dass er eine Vision hat. "Als ich zum ersten Mal die Bayreuther B-Jugend trainiert habe, war mir klar: Diese Jungs können um die deutsche Meisterschaft mitspielen." Vier Jahre später schaffte es Haspos A-Jugend ins Halbfinale. "Als ich in Auerbach anfing, habe ich gesagt: Wer in der Jugend bayerischer Meister wird, schafft das auch im Herrenbereich." Graß stieg mit Auerbach als Landesliga-Meister in die Bayernliga auf. Als er die Mannschaft übergab, wurde das Team wenige Monate später auch in dieser Klasse Erster.

Die Auerbacher Handballer stiegen mit Trainer Michael Graß einst in die Bayernliga auf. © Irene Lenk


Doch selbst der 58-Jährige hat manchmal Visionen, die nicht Realität werden: "Ich dachte, dass die Haspo-Herren in der Bundesliga spielen können. Das hat nicht geklappt." Ob er bei den D-Junioren Recht behält, ist natürlich nicht abzusehen, stellt Graß klar. Aktuell spielt die SG Auerbach/ Pegnitz in der niedrigsten Klasse des Bezirks Ostbayern. "In ihrem Alter sind die Kinder noch sehr formbar. Der Fleiß ist entscheidend." Und das Wichtigste sei momentan, "dass die Jungs mit Spaß im Spiel sind. Die Freude steht im Vordergrund."

Einer der Spieler ist Graß‘ Sohn Fabian, gleichzeitig der Grund, warum der Vater jetzt wieder Trainer ist. "Durch den Handball muss ich nun nicht mehr Zeit von der Familie wegnehmen, sondern verbringe sie mit meinem Sohn." Fabian ist erst zehn Jahre alt, darf aber schon bei den Zwölfjährigen, also bei der D-Jugend, mitspielen.

So soll es in Zukunft auch für die Teamkollegen laufen. "Wir wollen, dass die Jungs immer in einem Jahrgang weiter höher spielen, damit sie sich an die Körperlichkeit gewöhnen. Sie lernen jetzt schon das ballorientierte Verteidigen." Das seien für die Kinder die kleinen Schritte, "damit sie irgendwann leistungsorientiert denken können." Trainer Graß tut das schon jetzt. 

MARCEL STAUDT

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