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"Mendel`s Schorsch" genießt heute noch legendären Ruf

Früherer Sparkassendirektor hätte jetzt 100. Geburtstag feiern können - Sein Wort hat viel gegolten - 21.03.2020 18:58 Uhr

Der frühere Sparkassendirektor Georg Mendel im Gespräch mit der ebenfalls legendären Pegnitzer Journalistin Ruth Sommer. © NN-Bildarchiv


Mendel hat seine Vaterstadt über alles geliebt und ist ihr bis zu seinem Tod im Jahr 2005 treu geblieben. So lange es seine Gesundheit erlaubte, ist er auch im hohen Alter regelmäßig durch Pegnitz spaziert, um nach dem Rechten zu sehen. Mitunter musste er dabei auch leiden, etwa als das alte Sparkassengebäude, sein Lebenswerk, dem Erdboden gleichgemacht wurde.

Als langjähriger Direktor der Sparkasse Pegnitz und später der fusionierten Kreissparkasse Bayreuth-Pegnitz hat er die Belange vieler Unternehmen, aber auch die der Bürger gekannt. Immer war ihm daran gelegen, auch in schwierigen Zeiten seinen Kunden Mut zu machen. Stets hat er für seine Sparkasse in Pegnitz gekämpft und so ist es ihm zu verdanken, dass Pegnitz wenigstens als Hauptstelle erhalten geblieben ist.

Sparkassendirektor Georg Mendel (l.) und Landrat Dr. Heinrich Dittrich waren wesentlich beteiligt an der Ansiedlung der Firma Neuschnell im ehemaligen Bergwerksgelände. © NN-Bildarchiv


Vor allem der Anfang seiner beruflichen Laufbahn war für ihn aber alles andere als leicht: 1938 als Lehrling eingetreten, wurde er nach dem Krieg 1947 zunächst kommissarischer Leiter der Sparkasse, 1957 ihr „Boss“. Dank seines Sachverstands setzte er sich durch und firmierte ab 1977 als Vorsitzender des vierköpfigen Vorstands der fusionierten Kreissparkasse. Ihm war es zu verdanken, dass Pegnitz nicht zur Filiale „degradiert“ worden ist.

Ein stolzer Tag war es für Georg Mendel, als er 1966 in neue Räume einziehen konnte. Unter Direktor Mendel wurde auch das Zweigstellennetz von sechs auf 18 erweitert. Die Stadt- und Kreissparkasse wollte damit ihren vielen Kunden im Landkreis entgegenkommen. 

Manch schlaflose Nacht

Kredite von 500 Mark waren nach der Währungsreform üblich. keine Beträge im Vergleich zu heute. Und trotzdem bereiteten sie dem kommissarischen Leiter der Sparkasse oft schlaflose Nächte, fehlten doch oft die entsprechenden Sicherheiten. Wenn es trotzdem so gut wie keinen Reinfall gab, so dank des Fingerspitzengefühls und vor allem wegen der ausgezeichneten Menschenkenntnis, die Mendel während seiner ganzen Amtszeit immer wieder unter Beweis gestellt hat. Heute noch rühmen die Kunden sein Engagement: „Das Wort vom Mendel-Schorsch“ hat was gegolten.“

Mendel machte seine Aufgabe Spaß, er selbst stellte sich stets in den Hintergrund. So verzichtete er auch auf eine große Verabschiedung. Für ihn war wichtig, dass er ein gut funktionierendes Institut übergeben hatte. Umso härter traf es ihn deshalb, dass sich später die politische Entwicklung gegen Pegnitz gewandt hat. Dies habe er bis zu seinem Tod nicht überwunden, erzählen seine Angehörigen.

Erinnerungen an ein Pegnitzer Original

Der „Mendel´s Schorsch“ war ein Original im Pegnitzer Stadtbild und so verwundert es nicht, dass er vom früheren Stadtrat Gottfried Ebenhöh in dessen „Stern-Geschichten“-Erinnerungen rund um das Gasthaus „Goldener Stern“ verewigt worden ist: „In wirtschaftlich schwierigen Zeiten fand er immer gute Wege und Lösungen, um meine Eltern vor finanziellen Malaisen zu bewahren. Meinem Vater war er recht freundschaftlich verbunden. Für mich war er die Erscheinung des seriösen Bankiers; etwas, das gerade heutzutage selten geworden dünkt. Er war, wie man sich eine Führungsgestalt in der Wirtschaft vorstellen will: gutaussehend, passende Körpergröße, stets in feinen Zwirn gekleidet, souverän im Auftreten - nie nachlässig - zum guten Tuch immer auch ein guter Duft. 

Dabei hatte er es als „Sparkasserer“ in der oberfränkischen Provinz durchaus mit hantigen und ungeschliffenen Zeitgenossen oder Kunden zu tun. Und wohl deshalb hatte er sich auch ein robustes, volkstümliches Naturell bewahrt. Wenn es die Sache erforderte, sich derber Angriffe zu erwehren, belegte er sein Gegenüber auch mal mit jener Bezeichnung, mit der anderenfalls eine Körperöffnung gemeint sein kann. Das klang aus seinem Mund eigen, aber doch nicht direkt ungehobelt oder verletzend; genauso wie das manchmal verwendete Götz-Zitat.“ 

Besonders gut in Erinnerung ist ebenhöh eine persönliche Begebenheit: „1974 begann ich als Medizinalassistent am Klinikum in Nürnberg meine ärztliche Laufbahn. Für die regelmäßigen Fahrten zwischen Nürnberg und Pegnitz musste ein Auto her. Etwa die Hälfte des Anschaffungspreises hatte ich auf dem Sparbuch, die andere Hälfte wollte ich mir kurzfristig leihen. Also sprach ich beim befreundeten Sparkassendirektor vor. 

Hübsche Gattin als Sicherheit

Aus einer gewissen Eingebung heraus bat ich meine jüngst angetraute Ehefrau, mich zu begleiten. Ein Darlehen willst Du haben? Hast Du überhaupt schon was geleistet?“ meinte also der Mendel´s Schorsch nach meinem Vortrag über eine benötigte Summe von etwa 2500 Mark. „Was kannst Du uns bieten, hast Du überhaupt Sicherheiten?“ Das brachte mich zunächst aus dem Konzept, dann kam mir der etwas platte Einfall: „Hier, meine Frau, Beamtin, Lehrerin, sicheres Einkommen ...“. Der Sparkassenchef betrachtete nun meine hübsche Gattin eingehend und mit einem Schmunzeln. „Wird angenommen“, sagte er dann mit fortdauerndem Blick auf meine Frau, “für so eine Bürgschaft kriegst´ das Geld. 

RICHARD REINL

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