Donnerstag, 25.02.2021

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Michael Brütting aus Kosbrunn beim Bundeswettbewerb vorn

Jungbauer behauptete sich gegen Elite seines Berufsstands - Ziel: Elterlichen Betrieb übernehmen - 07.06.2019 10:00 Uhr

Michael Brütting schiebt Futter für die Kühe. Der Junglandwirt, der bei einem bundesweiten Wettbewerb einen der vorderen Plätze belegt hat, will einmal den Hof seiner Eltern in Kosbrunn übernehmen.

06.06.2019


Der Weg zum Bundesentscheid begann in Bayreuth. Bei der landkreisweiten Entscheidung wurden die Auszubildenden der Landwirtschaft im Kreis Bayreuth geprüft. Von dort wurde Michael Brütting weiter zum Bezirksentscheid Oberfranken geschickt. Den gewann er ebenso wie den nachfolgenden bayerischen Landesentscheid.

"Im Bundesentscheid in Herrsching bin ich dann Neunter geworden", sagt der 19-Jährige aus Kosbrunn. Diese waren vorher aus knapp 10  000 jungen Landwirten ausgewählt worden. "Das war eindeutig die Elite."

In Herrsching mussten die Jungbauern dann Ausbildungstypische Aufgaben erledigen: Ställe nach Tierwohl und –komfort bewerten, einen Getreideschlag mit Blick auf Entwicklung, Ertrag, Krankheit und Schädlingsbefall beurteilen. "Genauso haben wir eine Geschicklichkeitsaufgabe mit einem Feldhäcksler gehabt, theoretische Fragen, Allgemeinwissen, Berufstheorie und eine Präsentation", so Brütting. Gerade die praktischen Aufgaben seien realistisch gewesen. "Wenn man das beherrscht, dann kann man das auch im eigenen Betrieb umsetzen. Getreide zu beurteilen gehört für uns zum täglichen Leben."

Betrieb einmal übernehmen

Der 19-Jährige sitzt auf der Terrasse vor seinem Elternhaus. Er blickt auf den Bauernhof seiner Familie. Er fühlt sich wohl hier, wie er sagt: "Ich habe vor, den Betrieb eines Tages zu übernehmen."

Menschen, die in die Landwirtschaft wollen, gibt er einen Rat: "Ein guter junger Landwirt muss den Willen haben, etwas zu tun und zu arbeiten – jeden Tag. Es muss klar sein, dass dieser Beruf eine 70- bis 80-Stunden-Woche mit sich bringt. Da führt kein Weg dran vorbei." Auch die Liebe zur Natur und zu Tieren sei wichtig. "Man braucht natürlich eine gewisse körperliche Ausdauer aber die kann man sich erarbeiten. Ohne den Willen geht da nichts."

Recht klassische Tugenden also, aber gerade vom Willen kommt Michael Brütting nicht los: "Es gibt sicher leichtere Jobs. Auch aus der Bevölkerung ist deutlich mehr Skepsis vorhanden." Gerade in den Medien stünden Landwirte nicht immer gut da. "Wenn man das Volksbegehren Artenvielfalt sieht, das sich ja explizit an uns Landwirten abarbeitet, dann nimmt man das als Gegenwind wahr. Man muss sich zwei Mal überlegen, ob man sich dem aussetzt. Das muss man wollen."

Früher sei die Wertschätzung deutlich höher gewesen, so der Jungbauer. "Damals waren noch deutlich mehr Leute in der Landwirtschaft beschäftigt. So wird das für die Leute immer abstrakter." Auch die Tatsache, dass es immer weniger kleine Familienbetriebe gebe, stattdessen mehr Großbetriebe, trage dazu bei.

Und nicht nur das Bild der Landwirtschaft hat sich gewandelt – auch der technologische Fortschritt ist angekommen. Der Melkroboter sei immer mehr im Kommen, so Brütting. "Traktoren werden immer elektronischer, alles wird vernetzter. Das war vor 30 Jahren noch nicht so." Dazu kämen immer mehr Management und Bürokratie. "Man hat als Bauer heute fast mehr im Büro als draußen auf dem Feld zu tun." Eine Entlastung sei das nicht, im Gegenteil: Die Bürokratie sei deutlich mehr geworden, während sich bei der körperlichen Arbeit wenig geändert habe.

Hat die Landwirtschaft eine Zukunft? Michael Brütting ist vorsichtig optimistisch: "Die Landwirtschaft ist so vielfältig, dass man darauf nie wird verzichten können." Lebensmittel würden nirgends so gut produziert wie in Deutschland – und das unter der Prämisse von Umwelt- und Artenschutz. "Die Landwirtschaft ist eine Zukunftsbranche. Regional produzierte Produkte werden immer besser sein als irgendwo eingekaufte."

JULIAN SEIFERTH

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