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Michelfeld: Finden die Prunksitzungen der Faschingsgesellschaft statt?

Eigentlich steht im kommenden Jahr ein zweifaches Jubiläum in Michelfeld an. - 19.05.2020 16:39 Uhr

Ein internationaler Mix mit Melodien aus Italien, Russland und brasilianischem Samba, dargestellt von der Aktivengarde — so sah der Fasching in Michelfeld 2019 aus. Wie er kommendes Jahr aussehen wird, kann noch niemand sagen. © Foto: Brigitte Grüner


Die Prunksitzungen der Faschingsgesellschaft (FG) des ASV Michelfeld sind seit mehr als drei Jahrzehnten ein Zuschauermagnet und Event-Highlight in der nördlichen Oberpfalz. Doch daran ist in der Coronazeit nicht zu denken.

Im kommenden Jahr steht eigentlich ein zweifaches Jubiläum im Auerbacher Stadtteil an. Von 1988 bis 2000 fanden die ASV-Punksitzungen im Pfarrzentrum St. Otto statt. Der Umzug in den Saal des Vereinslokals Schenk erfolgte 2001, wo die beliebten Faschings-Veranstaltungen, im zweijährigen Rhythmus, nun bis 2019 durchgeführt wurden. Bei einer Kapazität von 188 Sitzplätzen und sechs ausverkauften Terminen konnten jedes Mal 1128 Personen live dabei sein. Ab 2021 wollen die Michelfelder Narren wieder an ihre Wirkungsstätte der ersten Stunde zurückkehren. "33 Jahre" ist in Faschingskreisen ein Anlass zu Jubiläumsfeierlichkeiten.

Der ASV Michelfeld (rund 600 Mitglieder in drei Abteilungen) wurde 1946 gegründet und will demnach 2021 sein 75-jähriges Bestehen feiern. Am Neujahrsempfang im Januar diesen Jahres wurde verkündet, dass im kommenden Jahr mehrere einzelne Veranstaltungen — kein großes Fest — durchgeführt werden sollen. Präsidentin Elke Haberberger und den Abteilungsleiter Manfred Kohl getrennt voneinander befragt.

 

Frau Haberberger, Herr Kohl, normalerweise findet seitens der Faschingsgesellschaft des ASV Michelfeld im Frühjahr eine "Kreativwanderung" als inhaltliches Brainstorming für die anstehenden Prunksitzungen im Folgejahr statt. Gab es die Wanderung und wie groß sind die Hoffnungen, dass die sechs geplanten Veranstaltungen vom 22. Januar bis 6. Februar 2021 stattfinden können?

Manfred Kohl war in jüngeren Jahren Torjäger der ASV-Fußballer. In der Abteilung Faschingsgesellschaft (FG) zeigt der 53-Jährige seit einigen Jahren nicht nur als Abteilungsleiter sein organisatorisches Geschick, sondern brilliert auch als Aktiver auf der Bühne – vor allem bei treffenden Büttenreden mit einem gewissen Feingeist.


Elke Haberberger: Die Kreativwanderung fand noch vor Beginn der Krise statt. Sie führte uns ins Brotzeitstüberl am Sand und wie der Name schon sagt, waren wir wie immer sehr kreativ und haben auch schon ein Motto und viele Ideen drumherum gefunden. Alle anderen Termine, die bereits gesetzt waren, zum Beispiel Treffen wegen Technik, Vorbereitungen und organisatorischen Punkte fielen wegen der Krise bis jetzt aus.

Manfred Kohl: Man kann ja schon mal soviel verraten, dass das Motto auch einen Bezug zum närrischen Jubiläum hat. Nachdem die erste Prunksitzung der FG des ASV im Jahr 1988 im Pfarrzentrum war, kehren wir nach 33 Jahren dorthin zurück. Wenn die Prunksitzungen wegen Corona nicht wie geplant Ende Januar und Anfang Februar 2021 stattfinden können, müssen wir vielleicht auch wegen der Terminfindung im Jubiläumsjahr kreativ werden.

 

Fällt ihrer Einschätzung nach der Fasching 2020/2021 als gesellschaftliches Ereignis komplett aus oder lässt sich trotzdem nächstes Jahr irgendwie und irgendwann feiern?

Haberberger: Noch haben wir ja etwas Zeit und ich habe die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben, dass unsere Prunksitzungen stattfinden können. Man muss jetzt abwarten, wie sich die Krise entwickelt, wenn jetzt Biergärten, Gaststätten und so weiter öffnen und welches Ergebnis die Lockerungen bringen. Hier schon für Januar oder Februar eine Voraussage zu machen, ist meiner Meinung nach zu früh. Ich bin der Meinung, wir sollten die Entwicklung im Sommer über beobachten und im August oder September dann eine Entscheidung treffen. Bis dahin kann man durchaus Szenarien durchspielen, wie es gehen könnte. Sollte die Abstandsregel beibehalten werden, haben wir aber räumlich gesehen ein großes Problem, das nicht einfach zu lösen ist. Da bräuchten wir ein 2000-Mann-Bierzelt, um die übliche Anzahl Publikum und Aktive zu einer Prunksitzung zusammenfinden zu lassen. Schau'n mer mal, sagt der Beckenbauer.

Kohl: Der Fasching in Michelfeld — aber nicht nur da — ist ein Gemeinschaftserlebnis und genau dieses wäre mit den Vorgaben bezüglich der Kontaktbeschränkungen nicht möglich. Solange man zum Beispiel Abstand halten und einen Nasen- und Mundschutz benutzen muss, hat die Gesundheit Vorrang. Wir sind zwar Narren, aber nicht so narrisch, dass wir eine Veranstaltung vor halb vollem Saal oder gar eine Geisterprunksitzung abhalten werden. Bei den Aktiven auf der Bühne und auch beim Publikum wird nach der gebotenen Wartezeit die Freude auf eine Veranstaltung umso größer sein, bei der man wieder ungezwungen feiern darf.

 

Elke Haberberger übernahm 2006 nach dem plötzlichen Tod von Josef Höllerl, der seit 1999 an der ASV-Faschings-Spitze fungierte hatte, das Amt der FG-Präsidentin. Die 57-Jährige bildete mit ihrem Ehemann Richard in den Jahren 2005 und 2006 in zweijähriger Regentschaft das Prinzenpaar der Michelfelder.


In Deutschland werden seit einigen Wochen schrittweise Lockerungen der Corona-Einschränkungen erlaubt und umgesetzt. Im Fasching geht es eh "locker" zu. Was fällt Ihnen in diesem Zusammenhang ein?

Haberberger: Ja, die Lockerheit im Fasching hilft einem ja bei vielem, aber bei Corona hat gerade Heinsberg gezeigt, dass solche Veranstaltungen sehr gefährlich sind und die Ansteckungsgefahr sehr groß ist. Ich hoffe auf einen Impfstoff, der uns dann wieder zu mehr Freiheiten führen könnte.

Kohl: Wenn man derzeit trotz der Lockerungen die Demonstrationen gegen die Corona-Beschränkungen sieht, würde ich dem ein oder anderen Teilnehmer gerne mal raten, locker zu bleiben.

 

Noch eine persönliche Frage: Die ASV-Tanzgarden halten sich derzeit individuell und mit Workouts fit, da die Indoor-Sportstätten noch geschlossen sind. Welche Sportarten betreiben Sie selbst regelmäßig?

Haberberger: Leider bin ich sportlich gesehen eine totale Niete. Ich habe beim ASV immer bei Gymnastik 50 plus mitgemacht. Leider wird momentan der Kurs nicht angeboten. Ein anderes Angebot kann ich aus zeitlichen Gründen leider nicht in Anspruch nehmen. Das muss dann bis zur Rente warten.

Kohl: Da ich nicht bis zur Rente warten will, versuche ich mich in unserer wunderschönen Gegend mit Wandern, Walking und Radfahrer fit zu halten. Und wenn jetzt noch das Freibad geöffnet werden würde, wäre es fast wie im Urlaub.

 

INTERVIEW: RALPH STROBL

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