Michelfeld: Wie aus einem Sportlerfasching Prunksitzungen wurden

16.2.2021, 12:55 Uhr
Momentaufnahme aus dem Jahr 2003: Der Michelfelder Manfred Kohl spielt hervorragend die Rolle des schwulen Friseurs Jean Jaques, der alle hochrangigen Politiker als Kunden hatte.

Momentaufnahme aus dem Jahr 2003: Der Michelfelder Manfred Kohl spielt hervorragend die Rolle des schwulen Friseurs Jean Jaques, der alle hochrangigen Politiker als Kunden hatte. © Foto: Archiv/Irene Lenk

Herr Kohl, fühlt man sich da alt, wenn man daran zurückdenkt?

Kohl: Wenn ich an den Fasching in Michelfeld und insbesondere an die seit 1988 statt findenden Prunksitzungen denke, fühle ich mich nicht alt. Im Gegenteil. Ich fühle mich jung, wenn ich mich an die vielen schönen Momente und Erlebnisse in und mit unserer Narrengemeinschaft erinnere. Ich bin froh, dass ich da von Beginn an dabei sein durfte. Aber Leiter der Faschingsabteilung im ASV bin ich erst später geworden. Da hat man dann dem närrischen Treiben eine formelle Struktur gegeben.

 

Sportler machen plötzlich Fasching. War das nicht ungewöhnlich?

Kohl: Dass Sportler Fasching machen, war nicht ungewöhnlich. Früher gab es in Michelfeld nicht nur beim ASV als Sportverein sondern zum Beispiel auch beim Schützenverein und der Feuerwehr Faschingsveranstaltungen. Sicher nicht alltäglich ist aber, dass aus dem ASV-Sportlerfasching in den 80-er Jahren die Michelfelder Prunksitzungen entstanden sind.

 

Was gab den Ausschlag dazu?

Kohl: Die Idee zur ersten Prunksitzung im Jahr 1988 hatte Karl Merkl. Hermann Stauber führte als Sitzungspräsident durch den Abend. Die Fußballer nutzten die Zeit der Winterpause und hielten sich beim Männerballett fit. Als Sportverein waren wir auch in der glücklichen Lage, dass wir von Beginn an eine Garde hatten. Neben der aktiven ASV-Sportlerfamilie waren damals auch schon weitere Faschingsbegeisterte mit auf der Bühne. So trat der unvergessene und später als Sitzungspräsident agierende Josef Höllerl bei der ersten Sitzung als "Bayerischer Sepp" auf. Von Beginn an wurden die Fußballer auch von musikalischen Faschingsfreunden unterstützt. Die "Kreuzbaumsänger" mit Horst Schmirler, Erwin Rühr und Fred Wolf sind genauso unvergessen wie die "Los Hirschgweihos" mit Hermann Stauber, Werner Nürnberger, Günter Neuber, Franz und Ludwig Riedhammer.

 

War es schwer, den organisierten Fasching zum Laufen zu bringen?

Kohl: Die erste Prunksitzung im Jahr 1988 war gleich ein voller Erfolg. Der Zuspruch war so groß, dass kurzerhand eine zweite Sitzung organisiert wurde. Mit dieser Begeisterung hat man dann gleich für das nächste Jahr geplant. Und da der ASV mit seiner Garde, dem Männer- und Frauenballett sowie "sketchenden" Fußballern weiterhin auf befreundete Närrinnen und Narren wie beispielsweise Melanie Stauber, Susi Deiml, Christine Nürnberger, Günter König und Georg Gsell zählen konnte, war es möglich, bei den Prunksitzungen in den folgenden Jahren eine unterhaltsame Mischung aus Tanz, Sketch, Büttenrede und Musik anzubieten. Ja, und so läuft es nun seit 33 Jahren.

 

Sagen Sie spontan drei Nummern, die in der Zeit des Michelfelder Faschings bis heute "legendär" waren.

Kohl: Spontan fallen mir zwei Nummern ein: Der Sketch "Kitchen climbing" und der Auftritt der "Los Hirschgweihos" mit der Michelfelder Narrenhymne "Wir wern a Groaßstodt". Daneben gibt es viele weitere Nummern, die für mich herausragend waren. Und wie schon gesagt ist uns bei dem etwa fünfstündigen Prunksitzungsprogramm immer wichtig, mit einer guten Mischung aus Tanz, Sketch, Büttenrede und Musik einen abwechslungsreichen Abend zu gestalten. Eine "legendäre" Nummer kann man sowieso nicht planen.

 

Gehen einem nicht mal die Ideen aus?

Kohl: Da wir bis jetzt immer fündig geworden sind, hoffe ich, dass das auch so bleiben wird. Von Vorteil ist da sicherlich, dass wir in Michelfeld unsere Prunksitzungen im Zwei-Jahres Rhythmus veranstalten.

 

Welche Aufgaben haben Sie als Abteilungsleiter?

Kohl: Ich vertrete die Narren in der ASV-Verwaltung. Termine, Finanzen und die Vorbereitung von Veranstaltungen müssen im Gesamtverein koordiniert und abgestimmt werden. Die Geschicke in der Faschingsgesellschaft leiten zudem Elke Haberberger, sowie Daniela und Manfred Rupprecht. Und für die Prunksitzungen haben wir zum Glück ein großes eingespieltes Team, mit dem schon die Vorbereitung Spaß macht.

 

War Fasching 1988 anders als heute? Was war anders?

Kohl: Die Begeisterung, mit der jeder einzelne beim Fasching und der Prunksitzung dabei ist, und die unvergesslichen Momente in der Narrengemeinschaft bei und nach einem gelungenen Abend sind das gleiche geblieben. Anders ist auf jeden Fall der Aufwand für Ton- und Lichttechnik. Wir hatten Glück, dass wir mit Werner Steger in den ersten Jahren einen versierten Spezialisten im Verein hatten, der die Technik mit einem eigenen Mischpult im Griff hatte. Durch den Einsatz von Headsets, Funkmikros sowie einer digitalen Ton- und Lichtanlage benötigen wir jetzt professionelle Unterstützung. Bei Ernst Sieber sind wir da sehr gut aufgehoben.

Für uns als ASV ist wichtig, dass mittlerweile neben der Aktivengarde auch die Juniorengarde, die "Michelfelder Frösche" und die Tanzmariechen im Verein eingebunden sind. Bei den Trainerinnen, die das super machen, möchte ich mich ausdrücklich bedanken. Ja und dann ist da noch eine Sache, die seit 2001 anders war als 1988. Die letzten 20 Jahre durften wir im Saal des Gasthauses Schenk unsere Prunksitzungen veranstalten. Die erste Prunksitzung im Jahr 1988 fand im Pfarrsaal St. Otto statt. Und dahin werden wir, sobald es die Corona-Pandemie erlaubt, zurückkehren. Wir hoffen sehr, dass es nächstes Jahr im dann sanierten Saal des Sport- und Kulturzentrums St. Otto heißt "Michelfeld – Helau again".

 

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