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Freitag, 27.11.2020

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Mit 14 Jahren die erste Messe begleitet

"Mit Leib und Seele dabei": Pfarrgemeinde Volsbach ehrt Organisten Anton Brendel - 07.10.2020 09:55 Uhr

Während des Erntedankgottesdienstes im Pfarrzentrum wurde Organist Anton Brendel (3.v.li.) aus Körzendorf geehrt. Unter anderem Pfarrer Mathew Anyanwu (vorne v. li.), Klaus Langosch vom Pfarrgemeinderat und Mesner Jörg Neubauer dankten dem Jubilar, der seit fünf Jahrzehnten die Gemeinde unterstützt.

06.10.2020 © Foto: Rosi Thiem


Neben Klaus Langosch von der Pfarrgemeinde und Mesner Jörg Neubauer für die Kirchenverwaltung dankte Pfarrer Mathew Anyanwu: "Weit über die Grenzen von unserer Pfarrkirche Mariä Geburt ist unser Toni bekannt. Sonntag für Sonntag begegnen wir ihm, und er begleitet uns mit der Orgel und dem Gesang."

Der Seelsorger stellte den fünf jahrzehntelangen Dienst des Organisten heraus und lobte: "Einfühlsam begleitet er uns und wir spüren dies. Er ist mit Leib und Seele dabei und wir schätzen seine Gespräche vor und nach dem Gottesdienst." Der Pfarrer sagte, dass Brendels Orgeldienst kein Selbstläufer sei, sondern er sich stets mit viel Zeit und Kraft einsetze.

Spontaner Beifall

Prompt dankten die zahlreich erschienenen Gottesdienstbesucher mit Applaus. Aufgrund der Innenrenovierung der Pfarrkirche fand der Gottesdienst im Pfarrzentrum statt. Die großen Glastüren waren weit geöffnet und eine geschickte Bestuhlung im Freien spendete Platz für die coronabedingten Abstände.

Entdeckt hatte Brendels Geschick 1966 der einstige Volsbacher Pfarrer Karl Lang. Bei Anton Brendels Versuch, das Akkordeon seines Bruders zu spielen, stutzte der Geistliche und motivierte ihn: "Du kannst Orgelspielen lernen." Das hörte auch die Mutter gerne und unterstützte bei diesem Weg.

Von 1966 bis 1968 bekam Brendel Orgelunterricht bei Thomas Sniehotta und weitere zwei Jahre bei Peter Zeilmann, dem Gründer der Ahorntaler Blasmusik. Am 1. Oktober 1970 war es dann soweit: Brendel spielte mit 14 Jahren das erste Mal allein bei einer Heiligen Messe. Das war damals in der Marienkapelle in Körzendorf. "Vor und während des Gottesdienstes habe ich ganz schön geflattert", erinnert er sich heute noch. "Als ich damals die Kapelle verlassen hatte, fiel von mir der ganze Druck."

Vater und Mutter waren stolz auf ihn. Ab 1971/72 spielte Brendel auch als Jugendlicher die Orgeln in Glashütten und Eckersdorf. "7.15 Uhr in Volsbach, 8.45 in Glashütten und 10.30 Uhr in Eckersdorf, alles an einem Sonntag", zählt der heute 64-Jährige auf. Das war sportlich – gefahren hatte ihn sein Bruder, weil Anton Brendel noch nicht volljährig war.

"Man erwischt schon mal einen falschen Ton, doch das ist ja nicht weiter schlimm – und mit Sicherheit von den wenigsten bemerkt", gesteht er. Er würde sich freuen, wenn junge Menschen sich für den Orgeldienst interessieren würden, so wie er damals.

"Meiner Ehefrau Anna gilt der größte Dank", sagt der ehemalige Orthopädietechniker heute, weil sie ihm den Rücken freihielt. "Es sind ja nicht nur die Gottesdienste zu spielen, sondern es kommen ja auch noch die Übungszeiten dazu", gibt der verheiratete Vater von zwei Töchtern zu bedenken. "Wenn die Familie nicht dahintersteht, kann man das gar nicht machen."

Anton Brendel, der nun in Rente ist, hatte auch Glück mit seinem früheren Arbeitgeber, der ihn voll unterstützte. Aus der Kirchenmusik heraus entwickelte sich seit 1975 auch die Chorleitertätigkeit beim Männergesangverein Körzendorf. Einen besonderen tiefen und persönlichen Schicksalsschlag musste und muss der Organist mit seiner Familie verkraften: Heuer starb plötzlich und unerwartet eine seiner Töchter.

"Ein Gottesgeschenk"

Auf diesem schmerzhaften Trauerweg verstummte die Orgel für ihn. "Es hat Zeit gebraucht, wieder an die Orgel zu gehen", beschreibt er seine schwere Trauerarbeit. Pfarrer Mathew Anyanwu und die gesamte Kirchengemeinde sind jedenfalls froh, ihn wieder zu haben: "Dein Orgelspiel ist ein Gottesgeschenk, dafür sind wir heute dankbar. Wir hoffen, dass du das noch lange tust."

ROSI THIEM

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