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"Mit 68 Jahren kann man Platz machen für Jüngere"

Nach vielen Jahren im Dienst der Bürger traten viele Stadt- und Gemeinderäte nicht mehr an - 17.04.2020 18:46 Uhr

Die Aufgabe des Feueranschürens für das berühmte Pottensteiner Lichterfest am 6. Januar zum Ende der Ewigen Anbetung wird Josef Ringler weiterhin gerne übernehmen.

15.04.2020 © Foto: Archiv Kerstin Freiberger


"Ich werde bald 68 Jahre alt, da kann man schon mal Platz machen für jüngere Bewerber", kommentiert Josef Ringler seinen Verzicht auf eine weitere Kandidatur, um die er mehrfach gebeten wurde.

Er wäre womöglich ohnehin nicht mehr gewählt worden, meint der Mandlauer. Seine Stammwähler seien schon immer betagte Bürger gewesen, die vielleicht gar nicht mehr wählen gehen.

Er verabschiede sich mit einem lachenden und einem weinenden Auge aus dem Stadtrat. "Ich bin einerseits froh: Ich habe eine Last weniger." Aber es habe auch immer Spaß gemacht, und er habe gerne mit den Bürgern im Wirtshaus oder bei anderen Anlässen über die aktuellen Themen im Stadtrat diskutiert. Er sei froh, dass mit Klaus Thiem aus Hohenmirsberg ab Mai wenigstens wieder ein Landwirt im Gremium vertreten sein wird.

Ringler erlebte in seiner Zeit als Stadtrat drei Bürgermeister mit. Er war erstmals von 1984 bis 1990 unter Hans Körber im Stadtrat. Damals noch als Mitglied der Jungen Liste. In den folgenden Amtsperioden hatte der Mandlauer aus privaten Gründen nicht kandidiert. 2002 bewarb er sich auf der CSU-Liste und wurde erster Nachrücker.

Ab Dezember 2005 war er CSU-Stadtrat, bis 2008 unter Bürgermeister Dieter Bauernschmitt. 2008 und 2014 stand Ringler auf der Liste der Christlichen Wählerunion (CWU) und wurde jeweils in das Gremium gewählt. Er finde, dass im Stadtrat die Partei oder die Liste ohnehin nicht so wichtig ist. "Gewählt werden Namen, keine Parteien."

Vor der Zeit im Stadtrat war Josef Ringler bereits Ortsführer in Mandlau. Er kümmert sich im 35-Einwohner-Dorf um das Aushängen der Bekanntmachungen der Stadtverwaltung. "Diese Aufgabe mache ich wohl noch weiter, bis ich einen passenden Nachfolger gefunden habe." Engagiert ist der 67-Jährige auch im Pfarrgemeinderat und als örtlicher Obmann des Bauernverbands. 40 Jahre war er zudem Vorsitzender der Feuerwehr Haßlach.

Als amtierender Stadtrat habe er leider nicht alle Abendtermine wahrnehmen können, da sie oft mit der Stallarbeit zusammenfielen, erklärt der Landwirt. Mitgearbeitet habe er seit einigen Jahren im Haushaltsausschuss. In diesem Gremium gibt es im April voraussichtlich nochmals eine Sitzung, um den Haushaltsplan 2020 vorzubereiten. Im Durchschnitt sei er wohl zwei bis drei Stunden pro Woche für die Kommunalpolitik unterwegs gewesen, erzählt er.

Ein paar Erlebnisse aus den Jahren als Stadtrat sind ihm besonders im Gedächtnis geblieben. Dazu gehöre die hochinteressante Fahrt zum Thema "Stadtsanierung", die in der Zeit von Bürgermeister Körber unternommen wurde. Ebenso gerne erinnert sich Ringler an die Infofahrt zum Breitbandausbau in den mittelfränkischen Raum.

Schnelles Internet ist wichtig

Schnelles Internet sei auch am Land sehr wichtig, das weiß der Mandlauer aus eigener Erfahrung. Früher habe das Internet am Abend oder Wochenende, wenn viele Menschen zugreifen, oft gar nicht mehr funktioniert. Seit 18. März sei sein Anwesen an das Breitband angeschlossen, die Installationsarbeiten in der Fertigstellungsphase.

Ein Thema, das sich durch seine gesamte Zeit als Stadtrat gezogen habe, sei die Abwasserbeseitigung. "Das ging schon los, als ich noch in der Schule war", lacht er. Mit Ausnahme der früheren Gemeinden Püttlach und Tüchersfeld, die andere Lösungen haben, seien bald alle Ortsteile an die Kläranlage in Pottenstein angeschlossen. Der letzte Bauabschnitt stehe in Weidenhüll und Leienfels an. Gut erinnert sich Ringler noch an den November 1987 und an den Sprengstoffanschlag auf das Wohn- und Geschäftshaus von Bürgermeister Hans Körber. Die Wasserdiskussion in den achtziger Jahren – Körber war Befürworter einer Großraum-Wasserversorgung – hatte wohl dazu geführt.

Wenn Josef Ringler Ende April aus dem Stadtrat ausscheidet, wird es ihm voraussichtlich nicht langweilig. Als Ortsführer und im Pfarrgemeinderat gibt es immer wieder etwas zu tun, ebenso in der Landwirtschaft auf dem eigenen Hof.

Als Stadtführer in Pottenstein werde er bei Bedarf weiterhin zur Verfügung stehen. Und jedes Jahr Anfang Januar gehört der Ruhestands-Politiker aus Mandlau zu den fleißigen Vorbereitern des gut besuchten Lichterfestes zum Ende der Ewigen Anbetung in Pottenstein. "Das mache ich seit rund 20 Jahren, gerne auch noch länger."

BRIGITTE GRÜNER

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