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Mittwoch, 16.10.2019

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Mit historischer Ehrfurcht zum modernen Rathaus

Auerbach: Aus einem 600 Jahre alten Gebäude wurde mit großem Aufwand ein Zentrum für Dienstleistungen - 30.03.2019 01:14 Uhr

Gebannt folgten die Gäste der Rathauseinweihung dem Baurückblick von Bürgermeister Joachim Neuß (links) und später Architekt Urban Meiller, der von einem „klasse Bauherren“ sprach. © Fotos: Brigitte Grüner


Der Bürgermeister sprach von einem Mosaikstein innerhalb der umfassenden und grundlegenden Erneuerung der Innenstadt, die Auerbach seit bald 20 Jahren konsequent betreibt und in der auch die örtliche Kirchenstiftung "ebenso zielgerichtet" gefolgt ist. Vor Vertretern der Kirchen und Firmen, Stadträten und Mitarbeitern ging Neuß im vollen – ehrwürdigen – Sitzungssaal auf die Baugeschichte ein. "Wenn man so will, glich dieses Vorhaben schon etwas der eierlegenden Wollmilchsau", scherzte Neuß. Er erinnerte in seinem ausführlichen aber durchaus auch unterhaltsamen Rückblick an die Anfänge der Planungen, als von einer Stahltreppe als Fluchtweg am Gebäude die Rede war. Oder von einem Innendachstuhl, um die Schäden in den Griff zu bekommen, die die jahrzehntelange Ablage von Ordnern auf dem Dachboden hinterlassen hatte.

Von links Herbert Lehner, Helga von Niedner, Markus Flasinski und Joachim Neuß.


In vielerlei Hinsicht sei der Sanierungsbedarf offensichtlich gewesen. Das Rathaus "hat immer noch eine gewisse historische Ehrfurcht ausgestrahlt, aber funktional war es längst nicht mehr", so der Bürgermeister. Zunächst sei überlegt worden, nach dem Einwohnermeldeamt die weiteren Geschosse Zug um Zug zu erneuern. Neuß: "Über fünf bis sieben Jahre hätte dies gedauert, in dieser Zeit ständigen Lärm und Schmutz im Haus verursacht, ein regelmäßiges Umziehen bedeutet, Doppelarbeiten erfordert und Mehrkosten von über einer halben Million ergeben." Ausziehen sei die einzige Möglichkeit gewesen. Die Lösung war der Einzug in das frühere Hotel Goldner Löwe im Juli 2017.

Immer mehr Mängel

Der Entschluss zur Generalsanierung sei gefallen, als immer mehr statische Mängel zum Vorschein kamen. "Das sah der Stadtrat in gleicher Weise", so Neuß. Nach der Entscheidung im Oktober 2016 folgte "ein langer Entwicklungs-, Sondierungs- und Klärungsprozess, zu dem nach geltender Rechtslage selbstverständlich auch eine europaweite Ausschreibung gehörte", so der Bürgermeister. Er ließ in seiner Rede durchblicken, dass er in dieser Phase gerne schneller vorangekommen wäre. "Viel Arbeit und Kosten wurden allein dadurch produziert und Monate vergingen, bis alle Verwaltungsformalien abgearbeitet waren."

Überraschungen blieben beim Umbau bekanntlich nicht aus. Deckenbalken lagen im ersten Stockwerk nur noch auf dem Putz und nicht auf dem Mauerwerk, im Erdgeschoss brach ein Radbagger mit einem Reifen in den Boden ein, weil Stahlträger bereits zur Hälfte abgerostet waren. Neuß: "Spätestens da wurde jedem klar, dass diese Sanierung eigentlich längst überfällig war."

Großer Beifall

Mit einer Kostenberechnung von knapp unter 3,1 Millionen Euro sei die Stadt in dieses Projekt gegangen. Weitere knapp 400 000 Euro hat der Stadtrat für den Sitzungssaal samt Möblierung und Medientechnik oder für Dinge beschlossen, die erst in der Bauphase erkennbar wurden. "Wir liegen bei Gesamtkosten von etwa 3,6 Millionen Euro, damit um lediglich 5,1 Prozent über dem vorher geplanten Etat." Die Förderung lag bei gut 900 000 Euro. Die Kostendisziplin wertete der Bürgermeister als bemerkenswerte Leistung des Planungsteams und nannte namentlich Architekt Urban Meiller und Bauamtsleiterin Margit Ebner. Spontan brach langanhaltender Beifall los. Neuß wünschte auf Dauer jedem, der im neuen Rathaus weilt, "dass er stets ein Klima von Respekt, Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft aber auch Verbindlichkeit erlebt. Dann haben wir nicht nur mit der Sanierung sehr viel richtig gemacht!"

Meiller hatte viele seiner Zettel gar nicht erst ausgepackt, meinte er scherzhaft. "Als ich erfahren habe, dass ich nach Herrn Neuß mit meiner Rede an der Reihe bin." Aber was er dann in leidenschaftlich lässiger Art erzählte, dem lauschte das Auditorium höchst interessiert. "Gschafft is", begann Meiller kurz und knapp und sprach von einem schönen Moment. Die 21 Monate Generalsanierung fasste er kurz und bündig zusammen: Aufräumen, bereinigen und aufrüsten. Nur kurz brach sein Erstaunen über die Statik der "Brettelwirtschaft" durch. "Das war schon ein Wunder, dass das alles so gehalten hat." Und er sprach der Verwaltung und dem Stadtrat ungewöhnliches Lob aus: "Sie waren klasse Bauherren, das sage ich jetzt nicht aus Schmiererei." Den Segen erteilten abschließend Pfarrerin Helga von Niedner und Dekan Markus Flasinski. In einfachem Rahmen, dem das Umfeld aber ungewöhnliche Würde verlieh.

MICHAEL GRÜNER

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