Donnerstag, 27.02.2020

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Mit Niedriglohn in die Armutsfalle

Trotz Teilzeit-oder Minijob: Großteil der Geringverdiener im Landkreis von Armut betroffen. - 16.10.2019 13:55 Uhr

Herr Grundl, welche Beschäftigten sind besonders vom Armutsrisiko bedroht?

Grundl: Das größte Armutsrisiko ist neben der Erwerbslosigkeit tendenziell weiblich. Frauen, die in der Teilzeitfalle mit niedrigerer Entlohnung stecken, noch dazu wenn sie alleinerziehend sind, sind in Deutschland überdurchschnittlich von Armut betroffen. Wenn weitere Merkmale wie un- und angelernt oder ein Migrationshintergrund dazu kommen, wird es schnell noch prekärer. Dazu kommen mit überdurchschnittlichen Armutsrisiken Leiharbeitsbeschäftigte und sachgrundlos Befristete.

 

Können Tarifverträge das Armutsrisiko verringern?

Grundl: Nur wenn die Tarifverträge gut in der Fläche wirken, sprich die Arbeitgeber sich daran halten, und wenn Gewerkschaften in den Branchen mit vielen Mitgliedern auch handlungsfähig sind. Das ist leider nicht überall so. Bestimmte Branchen haben Einstiegslöhne, die nur sehr knapp über dem Mindestlohn liegen, wie die Systemgastronomie. Es ist bekannt, dass der derzeitige Mindestlohn selbst bei 45 Versicherungsjahren in Vollzeit nur zu einer Armutsrente reichen würde. Bei McDonalds, Burger King und Co. fordert die Gewerkschaft NGG deshalb in der aktuellen Tarifrunde die Abschaffung der untersten Tarifgruppe. Eine Schichtführerin in den ersten zwölf Monaten dieser Tätigkeit bekommt mit einer 30-Stundenwoche brutto 1377,69 Euro.

 

Sind "nur" Alleinerziehende betroffen?

Grundl: Alleinerziehende sind überproportional betroffen, aber es trifft auch andere. Dies kann sogar gut qualifizierten Beschäftigten passieren, wenn wie im Hotel- und Gastgewerbe es immer wieder zu Verstößen gegen das Mindestlohngesetz kommt. Oder die Preise für Wohnen ins Unermessliche steigen. Besonders gefährdet sind Alleinerziehende, Beschäftigte im Niedriglohnsektor, Frauen im Rentenalter sowie Familien mit mehr als zwei Kindern.

 

Welche Hilfen gibt es vom Staat?

Grundl: Hartz IV erhalten sechs Millionen Menschen, 44 Prozent von ihnen bereits seit vier Jahren oder länger. Es ist aus unserer Sicht unaushaltbar, dass immer noch über eine Million Beschäftigte in Deutschland trotz Erwerbsarbeit mit Hartz IV und seinem Sanktionsregiment aufstocken müssen. Nichtstaatliche Initiativen wie die Tafeln sind völlig überlaufen.

 

INTERVIEW: FRANK HEIDLER

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