Mittwoch, 26.02.2020

|

Mit nur 19 Jahren in den Pegnitzer Stadtrat?

Fünf Bürgermeisterkandidaten und sieben Listen – die Wähler in Pegnitz haben bei der Kommunalwahl die große Wahl. Und die politische Jugend hat überwiegend sehr konkrete Vorstellungen von Plänen und Wünschen. - 15.02.2020 06:55 Uhr

Die Pegnitzer politische Jugend hat konkrete Vorstellungen von Plänen und Wünschen. © Wolfram Kastl/ dpa


Carsten Grädler (SPD) will „in Pegnitz mitwirken“. © Foto: privat


Carsten Grädler tritt mit 29 Jahren als jüngster Kandidat auf der SPD-Liste an. "Ich will in Pegnitz mitwirken", sagt der Industriemeister, "neue Ideen einbringen."

Vieles, wie zum Beispiel die Skaterbahn, die Radwege und dass wieder ein Kinderarzt kommt, sei schon gut. Aber beim ehemaligen Peka- und K+P-Gelände müssten die Konzepte endlich ausgearbeitet werden. Grädler könnte sich auf dem Gelände bezahlbaren Wohnraum vorstellen. Er weiß selber, wie schwierig es in Pegnitz ist, hier etwas Geeignetes zu finden. Und auch beim Eisstadion würde er sich für etwas Neues einsetzen, entweder ein Neubau oder eine Modernisierung. "Was eben rentabel ist und die Stadt stemmen kann, ohne andere Vereine gleichzeitig dabei zu benachteiligen."

Und eine neue Krippe oder einen Kindergarten kann sich Grädler dort vorstellen. "Naja, und dann ist da halt das Cabriosol", sagt er. Hier müssten die Reparaturen endlich fertiggestellt werden. Ein Thema vor allem in den Außenorten seien der Radwegebau und der Breitbandausbau. Lösungen wünscht sich Grädler noch im öffentlichen Personennahverkehr, besonders für junge Leute und spricht die Einführung des 365-Euro-Tickets an. Insgesamt wünscht er sich, dass der Stadtrat zusammen an Ergebnissen arbeitet und nicht so viel streitet.

Florian Tobuschat (PEG) will Wohnraumpolitik verbessern. © Foto: privat


"Ich bin mit Pegnitz eng verbunden", betont Florian Tobuschat. Darum kandidiert der 30-jährige IT-Manager auf der Liste der Pegnitzer Gemeinschaft (PEG). Er ist seit den Anfängen der Gruppierung dabei, die mit Wolfgang Nierhoff auch einen der fünf Bürgermeisterkandidaten stellt. Es werde jeder gehört, jeder könne sich mit seinen Ideen einbringen, es gebe keine Hierarchien. Tobuschat finde es optimal, in Pegnitz zu wohnen, weil die Infrastruktur gut sei. Trotzdem müsse die Wohnraumpolitik verbessert und neue Bauplätze geschaffen werden.

Potenzial bei Digitalisierung

Einsetzen würde er sich für die Digitalisierung der Stadt, zum Beispiel auf dem Gebiet der Dienstleistungen. "Da ist noch Potenzial", sagt Tobuschat. Gut findet er das spürbare Interesse der Bürger an der Mitgestaltung und nennt hier die Veranstaltungen zum Integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzept (Isek). Hier könne viel Kreatives umgesetzt werden, müsse endlich umgesetzt werden.

Felix Reinfelder (FWG) ist Erstwähler. © Foto: privat


Erstwähler bei einer Kommunalwahl ist Felix Reinfelder. Der 23-Jährige tritt für die FWG Pegnitz als jüngster Kandidat an. "Ich trete aus reinem persönlichen politischen Interesse an", sagt er, weil er an Veränderungen in Pegnitz mitwirken wolle. Er war in der vergangenen Stadtratssitzung zu Gast und habe dort "kaum ein Miteinander" feststellen können. Er wünsche sich auch mehr Teamgeist, um so eine konstruktive Diskussion führen zu können.

Ein wesentliches Ziel für seine Arbeit im Stadtrat sei, so Felix Reinfelder, dass die Stadt wieder handlungsfähiger werde und die freien Mittel für Investitionen deutlich mehr werden. "Nur so kann etwas bewegt werden", sagt Reinfelder. Und er will auch der jungen Generation eine Stimme geben, sich für ihre Interessen einsetzen. Reinfelder selber war bis 2015 schon im Jugendrat der Stadt als stellvertretender Vorsitzender. "Wir müssen durch Taten überzeugen", sagt er. Allerdings sei man da an die Konsolidierung gebunden. Grundsätzlich findet es der 23-Jährige gut, dass sich bei der diesjährigen Kommunalwahl bei allen Gruppierungen relativ viele junge Leute als Kandidaten zur Verfügung stellen.

Michael Weber (FW) „kennt sich aus“. © Foto: privat


Etwas jünger ist Michael Weber, der auf der Liste der Freien Wähler antritt. Der 19-jährige Auszubildende zum Industriemechaniker bei KSB war von der FWG gefragt worden, ob er antreten würde, es würden gerade junge Kandidaten gesucht. "Ich bin in mehreren Pegnitzer Vereinen vertreten, kenne mich aus und kann gerade die jüngere Generation gut vertreten", sagt Weber, der beim MTV, beim THW und im Waldstockverein ehrenamtlich aktiv ist.

Sollte er in den Stadtrat gewählt werden, würde er sich für eine breitere Ausfahrt beim THW am Dianafelsen einsetzen. Aus eigener Erfahrung wisse er, dass diese zu eng ist und es gerade bei Einsätzen schwierig sei, dort herauszukommen. Grundsätzlich fände er es gut, wenn die Gruppierungen im Stadtrat mehr miteinander und nicht gegeneinander arbeiten würden. "Hier werden oft Entscheidungen aus persönlichem Interesse getroffen", hat er festgestellt. Dabei gehe es doch um die Bürger.

Die Landwirtschaft wieder mehr in die Öffentlichkeit bringen, das war für Michael Brütting ein wichtiger Grund, als Stadtrat zu kandidieren. Der 19-jährige Auszubildende zum Landwirt steht auf der CSU-Liste. "Ich will die moderne Landwirtschaft wieder positiv in die Diskussion bringen, das ist schließlich die Zukunftsbranche", sagt er. Deshalb wäre es aus seiner Sicht gut, wenn wieder ein Landwirt im Gremium sitzen würde.

Es werde viel über Klimaschutz diskutiert und Pegnitz sei Fairtrade-Town, "aber was hilft es, den Leuten in Südafrika zu helfen und den eigenen Landwirten vor der Tür nicht?" Ein anderer wichtiger Punkt für Michael Brütting, an dem er den Hebel ansetzen möchte, ist der Umgang mit Finanzen: "Das ist eine Katastrophe." Einsparungen wären seiner Ansicht nach möglich, wenn die Stadt mehr Führung und Verantwortung übernähme und nicht immer gleich einen Berater einstellen würde.

Gut in Pegnitz findet er den Ausbau von regenerativen Energien und lobt hier insbesondere die Windräder. "Wir müssen weg von Kohle- und Atomstrom."

Lukas Brütting (Grüne) fordert Teamgeist ein. © Foto: privat


"Die Jugendarbeit im Stadtrat muss optimiert werden", meint der 25-jährige Lukas Brütting, der für die Grünen kandidiert. So müsse es endlich von der Stadt getragene Jugendräume geben und das ganze Thema nicht auf die Vereine abgewälzt werden. Er erwarte da auch vom Jugendpfleger ein ordentliches Konzept.

Einsetzen will sich der Physiotherapeut auch für eine bessere Verkehrsanbindung der Ortsteile. "Man könnte das 50:50-Taxi noch ausweiten zu einem Schüler-Taxi", sagt er. Auch die Fuß- und Radwege sollten ausgebaut werden, falls insbesondere Jugendliche aus den Außenorten doch aufs Rad zurückgreifen müssten. Gut findet Brütting, dass bislang im Stadtrat jede Gruppierung vertreten, es bunt gemischt ist. Als negativ empfindet er die Zusammenarbeit im Gremium. Es sollte nicht um persönliche Ansichten gehen, sondern um gemeinsame Sachen. "Menschlicher und nicht gegeneinander."

Schließlich nennt der Kandidat auch noch das Thema "Barrierefreiheit". Hier gebe es besonders in den Ortsteilen Handlungsbedarf. Häufig seien zum Beispiel die Gehwege für Rollstuhlfahrer, Rollatoren- und Kinderwagen deutlich zu eng. Auch die Innenstadt sei noch verbesserungswürdig.

Zukunft der Stadt mitgestalten

Felix Ludwig (Zukunft Pegnitz) will ein 365-Euro-Ticket. © Foto: privat


Felix Ludwig wirft seinen Hut für Zukunft Pegnitz in den Ring. Der 20-jährige Auszubildende zum Bankkaufmann tritt an, weil er will, dass mehr Jüngere im Stadtrat vertreten sind und die Zukunft der Stadt mitgestalten. Ludwig ist für die katholische Kirche auch ein Vertreter im Jugendrat und sähe hier eine Brücke zum Stadtrat. "Die Zusammenarbeit von beiden Gremien müsste ausgebaut werden." Gut an Pegnitz findet Ludwig, dass es Veranstaltungen wie Waldstock, viele Schulen, die Justizakademie, mit KSB und Beka viele Arbeitgeber und eine gute Anbindung zur Autobahn und mit dem Zug gibt. "Pegnitz ist eine familienfreundliche Stadt."

Was ihm fehlt, ist ein größeres Angebot und mehr Anreize im Cabriosol und dass die dort bestehenden Schäden endlich behoben werden. Ludwig wünscht sich im Stadtrat eine bessere Zusammenarbeit mit dem Bürgermeister, häufig werde gegen ihn gearbeitet. "Da braucht es mehr Miteinander." Ein wesentliches Ziel, dass er als Stadtrat verfolgen würde, wäre ein zentraler Treffpunkt für die Jugend und ein verbessertes ÖPNV-Angebot.

Auch Ludwig nennt hier das 365-Euro-Ticket. Es würde eindeutig zur Klimaverbesserung beitragen, wenn nicht mehr jeder mit dem Auto fahren müsste.

FRAUKE ENGELBRECHT

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Pegnitz