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Mittelschule Gößweinstein: Mobbing übers Handy

Schüler schätzen Gefahren in sozialen Netzwerken oft falsch ein — Eltern müssen besser überwachen - 17.11.2015 12:27 Uhr

Mobbing übers Handy. Viele Schüler gehen zu unbedarft mit persönlichen Informationen um. © Ralf Münch


Die Kinder können oft nicht einschätzen, was sie preisgeben, sind zu offenherzig“, sagt Kohl, die seit September die Schule leitet. Passieren würde so etwas überall, es gebe wohl keine Schule, die noch nicht damit zu tun hatte. Trotzdem sei sie erschrocken, als sie davon erfahren habe.

Beide Fälle seien in oberen Jahrgangsstufen aufgetreten. Um was es genau ging, will sie aus Datenschutzgründen nicht sagen. Mitschüler hatten sich an die Klassenleitungen gewandt. Die Dunkelziffer sei aber sicher höher als nur die Fälle dieser beiden Kinder – bei insgesamt 145 Schülern. Man habe sofort Kontakt zum Jugendkontaktbeamten der Polizei aufgenommen, der schon in den beiden betroffenen Klassen war.

Veranstaltung für Eltern

„Für uns war das ein Anlass, sofort präventiv zu handeln“, so Kohl. Zeitnah soll auch in den unteren Jahrgangsstufen über die Gefahren des Internets informiert werden. Im vergangenen Jahr gab es dazu schon eine Veranstaltung für die Eltern. „Aber entweder war die Brisanz nicht vorhanden oder die falschen Eltern da“, so die Rektorin.

Man habe den betroffenen Schülern Hilfe angeboten, die Dinge aus dem Internet zu entfernen, aber das sei halt nicht immer möglich. Man wolle als Schule für das Thema sensibilisieren. Häufig habe das eine andere Wirkung bei den Kindern, wenn es von außen kommt. „Wir wollen das jetzt nicht an die große Glocke hängen, um es hochzupuschen“, sagt Kohl, aber Hauptsache sei einfach die Prävention.

Als großen Vorteil sieht sie, dass die Schule in einem Funkloch liegt und die Schüler so schon mal nicht während des Unterrichts ihre Handys nutzen können. „Da haben wir einen großen Vorteil anderen Schulen gegenüber“, sagt sie.

„Das ist ein sensibles Thema“, so auch Daniela Drummer, die das Thema im Gemeinderat angesprochen hatte. Sie war lange Lehrkraft an der Schule, ist jetzt Konrektorin in Igensdorf, aber immer noch Beratungslehrerin in Gößweinstein. Als Gemeinderätin dort fordert sie schon lange einen Sozialpädagogen an der Schule. „Dies wurde in der Vergangenheit aber politisch nicht mitgetragen. Zu teuer, hieß es immer“, sagt sie.

Nun hofft sie im neuen Gemeinderat auf eine positive Entscheidung. Viele Kinder könnten den Umgang mit Handy und Bildern nicht einschätzen und würden sich auch schämen, sich im Notfall an die Lehrer zu wenden. Ein Sozialpädagoge wäre hier ein guter Ansprechpartner, findet sie.

„Es gibt keine Schule ohne Cybermobbing, das ist ein latentes Problem“, sagt auch Bernd Zimmermann, Rektor der Pegnitzer Christian-Sammet-Schule. Man könne nur versuchen es einzudämmen, indem man mit den Schülern spricht. In den fünften Klassen habe es hierzu schon einen Workshop in medienpädagogischer Beratung gegeben. „Aber eigentlich dürften diese Kinder in dem Alter da noch gar nicht rein“, stellt Zimmermann fest. Das müsste von den Eltern besser überwacht werden.

„Mehr Kontrolle nötig“

Meist passiere es auch in der Freizeit, dass die Schüler falsche Sachen posten würden. „Da ist mehr Kontrolle nötig“, sagt er. Nach oben hin nehme das Problem ab, hat er festgestellt. Hauptbetroffen seien die Jahrgangsstufen sechs bis acht. „Den Neunt- und Zehntklässlern ist das dann zu blöd, die sind abgeklärter“, so der Rektor. Und trotz Handynutzungsverbot an der Schule komme es immer wieder vor, dass dagegen verstoßen werde.

In dem Fall würde das Handy abgenommen und die Eltern könnten es dann abholen. „Wir müssen am Thema Cybermobbing konstant dranbleiben“, appelliert er. Viele Eltern wüssten nicht, was ihre Kinder in der Freizeit machen.

„Mobbing hat es schon immer gegeben“, sagt Klaus Steinhübl, Jugendkontaktbeamter der Polizei Ebermannstadt, zuständig für die Gößweinsteiner Schule. Aber da sei ein fließender Übergang zwischen mobben und ärgern. Es komme immer darauf an, wie es der Empfänger empfindet. Seine Aufgabe sei es, Präventionsarbeit zu leisten, über die persönlichen und strafrechtlichen Konsequenzen aufzuklären. „Hauptsächlich sind die Eltern in der Pflicht, aber sie können ihre Kinder nicht komplett kontrollieren“, sagt er.

In Pegnitz gebe es nur selten Bedarf an den Schulen, dass die Polizei vorbeugend eingreife, sagt der Jugendkontaktbeamte der dortigen Polizei, Ludwig Strömsdörfer auf Anfrage der Redaktion. Wenn jemand auf sie zukomme, würde man aber reagieren und die Leistung „Aufklärung“ erbringen.

FRAUKE ENGELBRECHT

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