Freitag, 23.04.2021

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Mögliche Insolvenz beim Schützenverein Unter Uns Nitzlbuch?

Mitglieder stimmen gegen Verkauf des Schützenheims an den Schützenmeister - 29.09.2020 05:55 Uhr

Was wird aus dem Schützenheim von Unter Uns Nitzlbuch? Der Verkauf an Josef Geyer ist bei einer eigens einberufenen Mitgliederversammlung abgelehnt worden. Im Gebäude besteht dringender Investitionsbedarf.

28.09.2020 © Foto: Brigitte Grüner


Eigentlich war schon alles klar und abgestimmt. Bei einer Versammlung Ende Juli waren die Mitglieder mehrheitlich für den Verkauf an den ersten Schützenmeister. Inzwischen kamen neue Bedenken und Überlegungen auf den Tisch. Knapp zwei Stunden wurde am Sonntagnachmittag kontrovers diskutiert, bevor die 39 anwesenden Mitglieder zur schriftlichen Abstimmung aufgerufen wurden. 15 Personen waren am Ende für den vorgestellten Kaufvertrag, doch 24 und damit 61,5 Prozent der Stimmberechtigten waren dagegen. Um den Verkauf in trockene Tücher zu bekommen, wäre eine einfache Mehrheit nötig gewesen. Doch es sollte nicht sein.

Josef Geyer gab sich eingangs große Mühe, seine Mitglieder zu überzeugen. Er plane, die Anlage zukunftsfähig zu machen. Seit Jahren seien ein Verkauf oder eine Verpachtung schon versucht worden, doch die Interessenten beklagten entweder die zu kleine Küche oder die Tatsache, dass die aktiven Schützen durch das Lokal gehen müssen, um zur Schießanlage zu kommen. Geyers Konzept war daher wohl überlegt und sollte einem späteren Verkauf oder einer Verpachtung in ein paar Jahren gerecht werden.

Die Pläne sahen ein neues Schützen-Stüberl mit einem extra Eingang für die aktiven Vereinsmitglieder vor. Auch neue Toiletten inklusive Behinderten-WC wollte Geyer zwischen bestehender Gaststätte und Schützen-Stüberl bauen. Zudem sollte die Küche durch einen Anbau erweitert und auf diesen Anbau eine Pächterwohnung gesetzt werden. Der Kaufvertrag sah ein 20-jähriges Nutzungsrecht für Unter Uns vor. Dieses werde im Grundbuch mittels einer Dienstbarkeit gesichert und gelte auch für mögliche künftige Eigentümer.

Auch eine so genannte Sicherungszweckabrede sollte in den Vertrag aufgenommen werden. Diese besage laut Geyer, dass Darlehen, die durch eine Grundschuld auf der Flurnummer des Vereinsheimes abgesichert sind, nur für Investitionen auf diesem Grundstück verwendet werden dürfen.

Geyer will sich weiter kümmern

"Ich fühle mich dazu verpflichtet, das vor 30 Jahren von uns errichtete Gebäude für den Verein und das Dorf zu erhalten", sagt Geyer. Er sorge seit 30 Jahren dafür, dass im Schützenheim Sport betrieben werden kann und für Unterhaltung. "Dies werde ich auch in Zukunft tun", betonte der Schützenmeister.

Vereinsintern wurde in den vergangenen Wochen immer wieder über den Verkauf des Vereinsheims diskutiert. Josef Geyer hoffte vergeblich auf klare Luft nach dem reinigenden Gewitter. Bei der Diskussion waren vor allem kritische Stimmen zu hören. Der Vertrag sei nicht gut, meinte Manfred Schwemmer. Der Verein verliere sein Heim, und den neuen Eigentümer erreiche nur viel Arbeit und die Notwendigkeit zu investieren. "Mach halt einen Pächter", wandte sich Schwemmer an Geyer. Ansonsten fürchte er, dass der Verein und das Dorf gespalten werde. Josef Geyer klage immer über zu viel Arbeit und wolle sich nun noch mehr aufhalsen. Bei 65.000 Euro Verbindlichkeiten sei das Nachwuchsproblem des Vereins schwerwiegender als das finanzielle, so Schwemmer.

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Josef Schindler meinte, dass private Feiern Erlöse generiert haben und dies auch künftig möglich sein wird. Michael Eisend vermisste eine rechtzeitige Information der Mitglieder. Bei einer ersten Versammlung sei lediglich von "Investor" die Rede gewesen, aber kein Name genannt worden, bedauerte Monika Schindler.

Josef Geyer beklagte, dass nur wenige Mitglieder bei Veranstaltungen geholfen haben, Erlöse für den Schuldenabbau zu erwirtschaften. Gerhard Raß war der Auffassung, dass der jährliche Schuldendienst von 8400 Euro zu erwirtschaften wäre. Er schlug vor, dass nicht arbeitswillige Mitglieder einen Geldbetrag zahlen. Armin Griesbeck fragte sich, was in drei Jahren passiert, wenn das Schützenheim eventuell wieder verkauft wird.

Bei der ersten Abstimmung vor wenigen Wochen waren rund zwei Drittel der Anwesenden für den Verkauf. Einige bereuen dies offenbar inzwischen. Michael Eisend sprach von "Überrumpelungstaktik", da der Name des Investors erst kurzfristig bekannt wurde. Manfred Schwemmer zweifelte die vorgelegten Zahlen zur Wertermittlung an. Armin Griesbeck plädierte für einen externen, unabhängigen Gutachter, der den Wert des Gebäudes bestimmen solle. Ansonsten sei womöglich in zehn Jahren noch das "Gschmäckla der Vorteilsnahme" im Raum. Die Berechnung sei mit dem Finanzamt und der Steuerberaterin besprochen, erklärte Josef Geyer. Er wehrte sich gegen den Vorwurf, das Tafelsilber des Vereins zu veräußern. Ihm gehe es darum, dem Schießsport in Nitzlbuch eine Zukunft zu geben.

Stadt würde Lösung begrüßen

Zweiter Bürgermeister Norbert Gradl erklärte, dass Geyer die Schulden und die anstehenden Investitionen übernehmen wolle. Die Stadt würde die Lösung begrüßen, so Gradl, dem es als Leiter der geheimen Wahl vorbehalten war, das Abstimmungsergebnis bekannt zu geben.

Der Schützenmeister wies darauf hin, dass nun 1800 Euro Notarkosten für den Vertragsentwurf auf den Verein zukommen. Gleich am Montag habe er ein Gespräch bei der Sparkasse. Womöglich müsse er für den Schützenverein die Insolvenz beantragen. Sollte die marode Heizung ausfallen, müsse er das Schützenheim wohl zusperren.

Thomas Heberl kündigte seinen Rücktritt als zweiter Vorsitzender und Schießleiter an. Auch Jugendleiter Joachim Kugler will aufhören. "Wie es weitergeht, liegt in euren Händen", sagte Josef Geyer.

Manfred Guttenberger bat um eine baldige weitere Mitgliederversammlung. Wer mit Nein gestimmt habe, solle sich bis dahin überlegen, wie es für den Verein Unter Uns weitergehen soll.


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BRIGITTE GRÜNER

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