Nach Ammoniak-Alarm im Cabriosol: Sauna fing Feuer

23.10.2018, 09:33 Uhr
Nach dem Austritt von Ammoniak ist das Pegnitzer Ganzjahresbad Cabriosol evakuiert worden.

Nach dem Austritt von Ammoniak ist das Pegnitzer Ganzjahresbad Cabriosol evakuiert worden. © Hans-Jochen Schauer

Kurz vor 14 Uhr ertönte am Montag der erste Alarm. "Wir sind erst von einem Brand ausgegangen", so Roland Zahn der Kommandant der Feuerwehr Pegnitz, bei dem vor Ort als Einsatzleiter die Fäden zusammenliefen. Als das Löschfahrzeug und der Kommandowagen der Pegnitzer Wehr am Eisstadion angekommen waren, stellte sich schnell heraus, dass es sich um kein Feuer handelt: "Beim Aussteigen hatten wir schon den stechenden Geruch in der Nase", sagte Zahn. Das gasförmige Ammoniak trat aus einer Flasche aus.

In dem mit dem Eisstadion verbundenen Ganzjahresbad Cabriosol herrschte zu dieser Zeit emsige Geschäftigkeit. Denn sofort nachdem der automatische Gasalarm ausgelöst hatte, wurde der ganze Komplex evakuiert. 35 Gäste befanden sich zu diesem Zeitpunkt im Cabriosol, darunter gut die Hälfte im Saunabereich. Alles musste nun schnell gehen; die Schwimmmeister verließen noch in kurzen Hosen und Badelatschen das Bad. Auch die Beschäftigten im Dänischen Bettenlager und vom Reha Team Pegnitz mussten aus Sicherheitsgründen ihre Arbeitsplätze räumen. 

Sebastian Poppek, Projektleiter bei der Firma GMF, die für das Eisstadion und das Cabriosol zuständig ist, erklärte, dass die Kühlanlage für das Eisstadion vor zwei Wochen gewartet worden sei. Nachdem am zweiten Verdichter ein Defekt festgestellt worden war, sei dieser außer Betrieb genommen worden.

"Beim anderen Verdichter, der weiterlief, sei eine Welle am Verdichter gebrochen. Daraufhin ist Ammoniak ausgetreten", so Poppek. Ein hinzugezogener Techniker der Wartungsfirma aus Amberg sagte, der Schaden sei "überhaupt keine große Sache". Er könne an einem Tag behoben werden.

Gelände abgesperrt

Doch am Montag ging es vor allem darum, Menschen vor dem äußerst gefährlichen Gas zu schützen. Deshalb sperrte die Feuerwehr das Gelände einschließlich der Parkplätze großräumig ab. Auch die Bundesstraße 2 war mehrere Stunden davon betroffen. Da der Wind aus Nordosten kam, bezog die Einsatzzentrale - darunter Kreisbrandrat Hermann Schreck - zwischen Cabriosol und den Tennisplätze von Schwarz-Weiß Pegnitz ihre Stellung. Drei Badegäste und zwei Feuerwehrleute litten unter leichten Atembeschwerden.

Auf der Bundesstraße reihten sich die Fahrzeuge der Feuerwehren aus Pegnitz, Speichersdorf und Creußen mit Rettungsfahrzeugen auf, auch die KSB-Werksfeuerwehr und die Wehr Hainbronn waren zur Verkehrsabsicherung im Einsatz. Ein Notarzt war ebenfalls zur Stelle. Auf der Bundesstraße war eine Waschanlage zur Dekontamination der Schutzanzüge aufgebaut. Das Wasser wurde nach dem Einsatz in einem Spezialbehälter nach Bamberg gebracht. Immer wieder drangen Feuerwehrleute mit ihren Schutzanzügen und Atemschutzmasken in das Gebäude ein. Zwei Geräte wurde aufgebaut, um das Freizeitbad zu entlüften.

Poppek ging am Montag davon aus, dass am Dienstag der Betrieb im Cabriosol wieder regulär läuft. Der 2. Bürgermeister Wolfgang Nierhoff - er vertritt derzeit den in China weilenden Bürgermeister Uwe Raab - war zusammen mit Kämmerer Wolfgang Hempfling zum Ort des Geschehens geeilt. Dort informierte er sich über den Ablauf des Einsatzes. "Ich bin froh, dass nichts Großes passiert ist", sagte Nierhoff. Sein Dank galt allen Rettungskräften, die an dem Einsatz beteiligt waren.

Erneuter Alarm dann am Abend

Am Abend kurz vor 19 Uhr dann erneut Blaulicht und Martinshorn rund um das Ganzjahresbad: Die Kelo-Sauna war aus bislang noch ungeklärter Ursache in Brand geraten. Die Feuerwehr Pegnitz, diesmal unterstützt von Wehren aus Goldkronach und Nemmersdorf bekämpfte auch von der Drehleiter aus das Feuer, betreten konnten die Feuerwehrkräfte das Bad nur mit schwerem Atemschutzgerät. Die Löscharbeiten gestalteten sich schwierig und dauerten bis etwa 22 Uhr an. Zur Ermittlung der Brandursache hat der Kriminaldauerdienst aus Bayreuth die Ermittlungen aufgenommen, Verletzte gab es nach Auskunft des Polizeipräsidiums Oberfranken nicht.

Die Kelo-Sauna ist im Saunabereich nur von der Terrasse aus zugänglich. Der 2. Bürgermeister Nierhoff war gleich nach der Alarmierung am Cabriosol und schüttelte den Kopf über die Unglücksserie: "So was gibt‘s doch nicht." Die Brandursache ist derzeit noch nicht bekannt, der Sachschaden wird nach ersten Schätzungen im sechsstelligen Eurobereich liegen.

Dieser Artikel wurde mehrfach aktualisiert, zuletzt am 23. Oktober um 9.33 Uhr.


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