Alarmierung

Nach Flutwelle: Forderungen nach Warnsirenen werden lauter

23.7.2021, 14:57 Uhr
Es gibt sie zwar noch, die guten, alten Sirenen auf den Dächern, aber es sind nur Feuersirenen, keine für den Katastrophenfall oder Zivilschutz geeignete Alarmierungsgeräte. Diese wurden nach Ende des Kalten Krieges in den 1970er Jahren abgebaut.

Es gibt sie zwar noch, die guten, alten Sirenen auf den Dächern, aber es sind nur Feuersirenen, keine für den Katastrophenfall oder Zivilschutz geeignete Alarmierungsgeräte. Diese wurden nach Ende des Kalten Krieges in den 1970er Jahren abgebaut. © Foto: Jens Büttner/dpa

Im September vergangenen Jahres waren für den ersten bundesweiten Probealarm lautstarkes Sirenengeheul und aufploppende Warnmeldungen angekündigt. Doch dann tat sich nicht viel. Der Warntag hat deutliche Lücken bei der Alarmierung der Bevölkerung offenbart. Zum einen wurde deutlich, dass es vielerorts gar keine Sirenen mehr gibt, zum anderen kam die Meldung der Warn-Apps Nina und Katwarn erst mit einer guten halben Stunde Verspätung auf den Smartphones an.

Im Ergebnis: Wäre es ein Ernstfall gewesen, hätten viele Bürger nichts mitbekommen. Das Bundesinnenministerium bezeichnete den Probealarm denn auch offen als "fehlgeschlagen". Grund sei ein technisches Problem gewesen.

Sirenen im Landkreis Bayreuth abgebaut

Eine weitere Schwierigkeit: In weiten Teilen des Landes, so auch im Landkreis Bayreuth, gibt es überhaupt keine Sirenen zur Bevölkerungswarnung zum Beispiel im Katastrophen- oder Zivilschutzfall mehr. "Die wurden ausnahmslos in den 1970er und 1980er Jahren abgebaut", sagt Martin Fiedler, stellvertretender Leiter der Integrierten Leitstelle Bayreuth/Kulmbach. Die einzelnen Städte und Gemeinden haben nur noch Sirenen für die Feuerwehralarmierung. "Und die müssten erst nachgerüstet werden, sollen sie auch für Katastrophen genutzt werden." Erst dann könne die Leitstelle die erforderlichen Signale übertragen.

Die digitale Alarmierung durch die Integrierte Leitstelle soll ab Herbst starten. "Von unserer Seite aus ist das jetzt schon möglich, aber ob bis dahin alle Sirenen ertüchtigt sind?", zweifelt Fiedler. Alarmierungen im Katastrophenfall durch die Leitstelle seien jetzt schon möglich. Man sende die Warnungen per SMS oder App auf die Handys. "Aber so lange die Sirenen nicht umgerüstet sind, sind unsere Möglichkeiten leider sehr begrenzt."

Wie sieht es in den Städten und Gemeinden der Region aus? Gibt es überhaupt noch Sirenen, wie oft und zu welchem Ereignis werden sie gestartet und wäre das überhaupt sinnvoll? Skeptisch sieht Auerbachs Feuerwehrkommandant Sven Zocher die Idee, die Bevölkerung vermehrt mit der Sirene zu warnen. "Die sagt nichts aus. Die meisten Leute wissen ja gar nicht, was die verschiedenen Töne bedeuten." Die Stadt und die zugehörigen Ortsteile seien komplett mit Sirenen abgedeckt. Und die warnen bei zwei Ereignissen: Beim regelmäßigen Probealarm einmal im Monat und bei Personengefahr, erklärt Zocher. "Das heißt, wenn ein Haus brennt oder eine größere technische Hilfeleistung erforderlich ist."

Weil die sogenannte stille Alarmierung der Kameraden mit Funkweckern wegen des schlechten Funknetzes in und um Auerbach öfter nicht reibungslos funktioniere, gebe es im Jahr immerhin zwischen 25 und 30 Sirenenalarmierungen. Zocher verweist auch darauf, dass in Auerbach Überflutungen nicht sehr wahrscheinlich seien. "Da haben wir Glück, dass bei uns kein Bach zum reißenden Fluss werden kann."

Einsatz eigentlich nur bei Probealarm

Auch Roland Zahn, Kommandant der Pegnitzer Feuerwehr, sieht keinen dringenden Handlungsbedarf in dieser Sache. Sirenen seien zwar besser als überhaupt keine Warnung, "aber die wenigsten Leute kennen sich wirklich aus, was die unterschiedlichen Töne bedeuten". In Pegnitz gebe es eine Sirene, doch die werde meist nur zum Probealarm in Gang gesetzt.

Die Feuerwehraktiven werden still alarmiert. Etwas anders sehe es in einigen Ortsteilen aus, wo die Sirene bei einem Brand schon noch heule. Wenn die Sirenen häufiger eingesetzt werden sollten, müsste man das öfter üben. "Die Bevölkerung muss sofort wissen, worum es sich handelt."

Gut mit Sirenen ausgestattet ist man in der Verwaltungsgemeinschaft Betzenstein, berichtet Werner Otto, Kreisbrandmeister im Unterkreis 10. Warngeräte gibt es in Betzenstein, Plech, Ottenhof, Spies, Leupoldstein, Stierberg und Weidensees. Fünf dieser acht Sirenen alarmieren auch die Feuerwehrkräfte bei Einsätzen, der Rest werde still benachrichtigt.

Apps sind gut, wenn das Netz hält

Otto sieht als entscheidendes Kriterium bei häufigeren Sireneneinsätzen, dass die Bevölkerung zwischen den einzelnen Signaltönen unterscheiden können müsste. "Das ist bisher definitiv nicht der Fall." Die Leitstelle habe aber jetzt schon die Möglichkeit, die Menschen über Nachrichten per Digitalradio zu warnen. "Das ist aber auch nichts Neues, das gibt’s schon lange", weiß Werner Otto.

Optimal sei eine zweigleisige Alarmierung: mit Radio-Durchsagen und per App. "Die Warn-Apps sind eine gute Sache – wenn nicht das Netz zusammenbricht, wie wir es ja kürzlich im Westen erleben mussten."

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