12°

Samstag, 10.04.2021

|

Nach Fund von gerissenen Tieren: Riegelsteiner Wildgehege wolfssicher

Freiwillige Helfer haben dem geschädigten Nebenerwerbslandwirt geholfen, einen Zaun zu errichten - 03.03.2021 08:55 Uhr

Willi Reinbold, Wolfbeauftragter des Landesbundes für Vogelschutz ist von Eichstätt angereist, um die Familie Leißner bei Riegelstein beim Zaunbau zu unterstützen.

02.03.2021 © Foto: Klaus Trenz


Noch am Samstag bekam Leißner Unterstützung von acht Freiwilligen, die über das Netzwerk Wikiwolves für eine Nachtwache zusammengetrommelt wurden. Von Sonntag auf Montag wurde ebenfalls gewacht. Am Montagmorgen standen dann noch vier weitere Helfer zur Verfügung, dazu zwei Mitarbeiter des Bayerischen Landesamts für Umweltschutz (LfU) sowie Wildtiermanager Karsten Gees von der Regierung von Oberfranken, um einen mobilen Elektrozaun um das rund 3,5 Hektar große Gelände zu ziehen. Die Helfer kamen zum Teil aus ganz Bayern angereist, darunter auch der Wolfbeauftragte des Landesbunds für Vogelschutz Willi Reinbold aus Eichstätt. Über das LfU und entsprechende Netzwerke griff man Leißner unter die Arme. "Nicht, um etwas für den Wolf zu tun, sondern für den betroffenen Landwirt", wie Reinbold betont. Er arbeitet daran, die Koexistenz von Mensch und Wolf zu ermöglichen.

Bilderstrecke zum Thema

Lebensraum, Beute, Gesetze: Das sollten Sie über Wölfe wissen

Wölfe sind in Nordbayern längst keine Ausnahmeerscheinung mehr: Immer wieder werden die Raubtiere in der Region gesichtet oder hinterlassen eindeutige Spuren wie gerissenes Wild. Hier gibt's Fragen und Antworten zum Reizthema Wolf.


Mit diesem Zaun sei das Gehege zunächst einmal geschützt. Er werde so lange stehen bleiben, bis sich Leißner dazu entschließt, einen festen, wolfssicheren Zaun um das Gelände zu ziehen, erklärt Gees. Kosten hat Leißner damit keine, denn sowohl der mobile, als auch ein fester Zaun werden zu 100 Prozent vom LfU gefördert. "Schäden, die Nutztierhaltern durch Wolfsrisse entstehen, können durch den Freistaat Bayern kompensiert werden. Wenn, wie im vorliegenden Fall, ein Wolfsgebiet im Sinne des Schadensausgleichs ausgewiesen wurde, haben Nutztierhalter ein Jahr Zeit, einen Herdenschutz zu errichten, um nach Ablauf der Frist weiterhin einen Schadensausgleich gewährt zu bekommen", teilt das LfU mit. In dem betreffenden Wolfsgebiet im Bereich des Veldensteiner Forsts laufe diese Frist bis 30. April.

Reinbold hätte gerne noch ein bisschen mehr Unterstützung, da die Arbeitszeit für das Aufstellen eines festen Zauns nicht gefördert werde. Allerdings könne sich Leißner eventuell wieder auf Freiwillige berufen, die helfen. Der mobile Weidezaun ist nur 90 Zentimeter hoch und wird unter Strom gesetzt. Das wird den Wolf – Reinbold ist sich sicher, dass es sich um einen Wolf gehandelt hat – mit hoher Wahrscheinlichkeit abhalten, erneut auf das Gehege zu kommen, wenn er denn wieder auftauchen sollte. "Unsere Wölfe springen nicht, das haben sie nicht gelernt", so Reinbold. Die Höhe eines Zauns sei nicht entscheidend. Wichtig sei vielmehr die Position der Stromlitze, die etwa 20 Zentimeter über dem Boden gesetzt wird. Ein Wolf, der in das Gehege eindringen will und den Zaun untergraben möchte, bekommt so einen Stromschlag und lässt von seinem Vorhaben ab. Wichtig sei aber auch, dass Gras oder Buschwerk entlang des Zauns regelmäßig abgemäht werden.


War es ein Wolf? Familie aus der Fränkischen Schweiz entsetzt über Blutlache in Gehege


Lang gewachsenes, feuchtes Gras kann den Strom ableiten. Hätte Leißner dazu einen gut ausgebildeten und geprüften Herdenhund, könne man einen 99-prozentigen Schutz vor dem Wolf erreichen. Bei dem Bau eines festen Zauns sei entscheidend, dass er entweder tief genug in die Erde reicht oder in L-Form gebaut wird; also ein Teil des Zauns über den Boden gelegt wird. In beiden Fällen habe der Wolf kaum eine Chance, darunter hindurch zu kommen. 

"So sprachlos wie ich über den Riss war, so sprachlos war ich über die Hilfe", sagt Leißner. "Ich rechne das den freiwilligen Helfern hoch an". Manche von den Helfern hätten bis zu 300 Kilometer Anfahrt auf sich genommen. Neun Tiere sind von den einst 26 Tieren im Gehege übrig geblieben, weil der Wolf sieben riss und zehn über den Zaun springen und fliehen konnten. Über ein Weitermachen mit dem Halten von Wildtieren, das der Vater 1999 als Hobby begonnen hat, sei noch keine Entscheidung gefallen: "Die Nerven liegen immer noch blank".

INFO: Fördermöglichkeiten für Nutztierhalter: www.stmelf.bayern.de/agrarpolitik/foerderung/244077/index.php. Über das Netzwerk Wikiwolves informiert www.wikiwolves.org

KLAUS TRENZ

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Riegelstein