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Samstag, 22.02.2020

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Nach Hochwasser: Ungewöhnliche Tierrettung bei Nasnitz

Auf überschwemmten Pegnitz-Wiesen startete ein Horlacher Ehepaar eine Rettungsaktion von Maulwurfhügeln. - 06.02.2020 14:55 Uhr

Bei der spontanen Rettungsaktion trägt Nancy Färber je einen Hamster (re.) und eine Maus (li.) aus der Gefahrenzone, der überfluteten Pegnitz-Wiese zwischen Nasnitz und Weidlwang. © Foto: privat


Ziel des nachmittäglichen Kurzausfluges waren die überfluteten Pegnitz-Wiesen zwischen Nasnitz und Weidlwang. "Wir hatten schon vorher festgestellt, dass diese überschwemmt sind", erklärt Nancy Färber freimütig.

Da Hündin Holly das "Herumtollen im Wasser" liebe, stand das Ziel des Nachmittagsspazierganges bereits fest. Besonderes Highlight für den Familienhund: "Auf der überfluteten Wiese nach dem Ball jagen."

Für Freizeitspaß dieser Art war an diesem Nachmittag reichlich Gelegenheit. Vor den Augen der überraschten Horlacher bahnte sich aber auch eine mittlere Tierkatastrophe an. Die Wiese war mit Maulwurfhügeln übersät. Auf all diesen Dutzenden Erdhügeln und auf Grasbüschen saßen verängstige Mäuse und Feldhamster.

Wegen dem aus dem Flussbett entwichenen Pegnitz-Wasser war einer Vielzahl von Tieren der Rückweg ans rettende Ufer, respektive zur Wiesenböschung abgeschnitten.

Krankenschwester Nancy Färber erinnert sich mit Sachkunde: "Wir haben auch etliche tote Tiere gesehen, die hatten keinerlei äußeren Verletzungen und waren bestimmt ertrunken."

Auf dem Gummistiefel von Michael Färber erreichte diese nasse Maus das rettende Ufer. © Foto: privat


 Direkt vor ihren Augen stürzte oder sprang eine Feldmaus von einem dieser Wasserhügel ins kühle Pegnitz-Nass. "Wir haben die Maus dann gleich aus dem Wasser gefischt."

Eigentlich könnten Kleintiere wie Mäuse oder Hamster ja schwimmen. Gegen die selbst auf der Wiese vorhandene starke Strömung hätten die Tiere aber "keine Chance", glaubt sie.

Ihre spontan eingeleitete Rettungsaktion war auch für Hündin Holly eine willkommene Abwechslung. "Sie spürte die Mäuse auf."

Sobald Holly einen "Fund" machte, stellte sie ihre Ohren auf und neigte den Kopf schief — schon wussten die Hundehalter Bescheid, dass ihr Eingreifen erforderlich war. Eigentlich war das Wasser nicht besonders tief. "Das dürften etwa zehn Zentimeter gewesen sein." Um nicht ihr Schuhwerk zu ruinieren und klatschnasse Füße zu riskieren, hatten die Färbers vorsorglich ihre Gummistiefel angezogen. Dennoch riskierten sie bei der Tierrettung sogar die eigene Gesundheit. Gerade, als Nancy Färber in der einen Hand eine Maus und in der anderen einen Feldhamster hielt, wollte ihr Ehepartner zu Hilfe eilen.

Der verängstigte Hamster widersetzte sich aber der rettenden Hand von Michael Färber und biss vorsichtshalber einmal kräftig zu. Diese Bissspuren waren selbst am Tag danach noch an Michael Färbers Finger genau erkennbar.

In der Konsequenz (und aus schierem Eigenschutz) setzte Michael Färber den Hamster- und Mäusetransport aufs Trockene auf der Oberfläche seiner blauen Gummistiefel fort.

Wie viele Tiere sie tatsächlich gerettet haben, das wissen Michael und Nancy Färber gar nicht genau. "Das waren schon einige", sagt Nancy Färber am Tag danach.

Ihren (Hunde-)Spaziergang im Überschwemmungsgebiet wollten sie sich durch solcherlei Erfahrungen nicht vermiesen lassen und brachen auch am Tag darauf wieder ins selbe "Wasserrevier" auf. Sie sind täglich zwei Stunden mit Holly unterwegs, um Frischluft zu tanken.

Tätige Tierhilfe wie diese ist für Krankenschwester Nancy nichts Außergewöhnliches. "Als Autofahrerin bremse ich auch für Frösche und trage sie anschließend über die Straße", erklärt diese auf Reporter-Nachfrage.

FRANK HEIDLER

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