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Nach Messerangriff: Behörden sind in Alarmbereitschaft

Pegnitzer Behörden wollen wehrhaft sein, denn die Attacke im Bayreuther Jobcenter ging Mitarbeitern nahe. - 23.08.2019 10:00 Uhr

Nach der Messerattacke im Bayreuther Jobcenter im März haben auch die Pegnitzer Außenstellen der Agentur für Arbeit ihr Sicherheitskonzept angepasst, zumal bei den Mitarbeitern eine gewisse Unsicherheit zu spüren war. Inzwischen ist man aber wieder beim Normalbetrieb angelangt. © Foto: NN


Nachdem ein 38-Jähriger im März in Bayreuth in einem Jobcenter drei Mitarbeiter mit einem Messerangriff, sind die Behörden in Alarmbereitschaft. 

"Von dem Angriff waren wir selbst nicht betroffen", sagt Andreas Karl. Er ist Geschäftsführer des Jobcenters im Landkreis Bayreuth. Für die Stadt Bayreuth, wo der Angriff im Frühjahr stattfand, ist er nicht zuständig. Betroffenheit habe es auch in seiner Behörde gegeben: "Wir sind ja nur 500 Meter entfernt. Klar waren da Mitarbeiter beunruhigt." Inzwischen sei man wieder beim Normalbetrieb angelangt. "Wir wissen, dass hier nicht jeden Tag etwas passiert. Solche Zwischenfälle sind Einzelfälle. Unsere Leute gehen nicht mit Angst auf die Arbeit."


Drei Verletzte bei Messerattacke in Bayreuther Jobcenter


"Sonst war das immer weit weg"

"Wenn so etwas passiert, dann ist das immer intensiv ein Thema", ergänzt Stefan Niefanger, Teamleiter Arbeitsvermittlung bei der Bundesagentur für Arbeit Bayreuth. Zusammen sind die beiden Pegnitzer Behörden für rund 800 Kunden zuständig. Inzwischen sei man auch in der Arbeitsagentur wieder zum Tagesgeschäft übergegangen. "Wir wollen den Kunden ja nichts Böses, und die uns im Normalfall auch nicht. Normalerweise kommt keiner mit dem Vorsatz, Ärger zu machen."

Auch er erkennt an, dass der Vorfall in Bayreuth die Mitarbeiter bewegt: "Sonst war das immer weit weg. Durch die Nähe ist das was ganz anderes." Man kenne die Leute, die angegriffen wurden. Wenn etwas Ähnliches etwa in Frankfurt am Main passiere, habe man nicht den persönlichen Bezug wie zu Bayreuth.

Mitarbeiter haben über Vorfall gesprochen

In Pegnitz habe es solche gewalttätigen Zwischenfälle noch nicht gegeben, betont Karl. "Dass mal einer laut wird, kommt immer mal wieder vor. Auch Beleidigungen oder Drohungen sind dabei." Wenn es zu solchen strafrechtlich relevanten Zusammenstößen komme, schalte man in jedem Fall die Polizei ein. "Das ist auch zum Schutz der Mitarbeiter wichtig, dass sie erkennen, dass wir uns darum kümmern." In heftigen Fällen haben die Behörden in Pegnitz auch schon Hausverbote ausgesprochen, allerdings werde das eher selten notwendig, so Andreas Karl.

Nach dem Bayreuther Zwischenfall habe man sich mit den Mitarbeitern in Pegnitz zusammengesetzt und über das Ereignis gesprochen, erzählt Karl. "Wir wollten ein Forum bieten, auf dem wir die Leute informieren und den Austausch suchen." Die Mitarbeiter hätten unterschiedlich reagiert, so Niefanger. Einige seien entspannt damit umgegangen, andere etwas ängstlicher gewesen. "Wir haben auch psychologische Hilfe angeboten. Außerdem haben wir psychologische Ersthelfer, die von den Mitarbeitern in Anspruch genommen wurden", sagt Andreas Karl.

Schulung für Konfliktsituationen

Laut Agentur-Teamleiter Niefanger werden die Mitarbeiter für Konfliktsituationen gezielt geschult. "Die Maßnahmen zielen auf Deeskalation." Allerdings, ergänzt Andreas Karl, seien auch Selbstverteidigungskurse nötig geworden. "Die gab es im vergangenen Jahr für alle Mitarbeiter, allerdings schon vor dem Fall in Bayreuth", erklärt der Geschäftsführer. Zum Sicherheitskonzept gehöre zudem ein Sicherheitsbeauftragter, der jährlich die Räumlichkeiten überprüft. Ihm zur Seite steht dabei ein technischer Berater.

Nach Bayreuth habe es einige Änderungen im Sicherheitssystem gegeben. Davon am sichtbarsten ist wohl der Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes, der in den Räumen der Agentur und des Jobcenters präsent ist. "Unser Konzept haben wir schon länger, aber die Security ist neu", sagt Stefan Niefanger. Außerdem, ergänzt Andreas Karl, achte man darauf, dass niemand alleine im Gebäude arbeite. "Wir fühlen uns wohl mit unserem derzeitigen Sicherheitskonzept, sonst müssten wir es ergänzen."

Wichtig ist dem Geschäftsführer, dass das Konzept lebendig ist und anpassbar. "Wir wollen ja eine offene Behörde sein, die nicht jeden intensiv kontrollieren muss", so Karl. Man wolle niemandem unterstellen, dass er in den Räumen der Behörden gewalttätig werde. "Aber im Ernstfall", sagt Andreas Karl, "wollen wir gewappnet sein." 

Julian Seiferth

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