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Nach Starkregen in Pegnitz: "Viele sind jetzt gefrustet"

Etliche Pegnitzer traf es zum zweiten Mal innerhalb von nur drei Tagen - Blitzeinschlag in der Burg Pottenstein - 12.06.2018 17:07 Uhr

Das Anwesen Asmus am Mühlweg in Pegnitz ist bereits 2013 nach einem Starkregen überschwemmt gewesen. Um so einen Fall zu verhindern, brachte die Feuerwehr Bindlach ihr mobiles Hochwasserschutzsystem „Beaver“ nach Pegnitz. © Ralf Münch


35 Einsätze hatte die Feuerwehr in Pegnitz am Montag zu stemmen. Vor allem voll gelaufene Keller und herausgehobene Kanaldeckel bescherten den Einsatzkräften einen arbeitsreichen Nachmittag und Abend. Dabei waren 130 Helfer vor Ort – auch von den Feuerwehren Bronn, Hainbronn, Troschenreuth, Betzenstein, Ottenhof und Bindlach. Letztere brachte das mobile Hochwasserschutzsystem "Beaver" mit. Dieses wurde vor dem Sägewerk Asmus am Mühlweg aufgebaut.

"Das war nur eine Vorsichtsmaßnahme, falls es in der Nacht noch weiter geregnet hätte", erklärte Kommandant Marco Neugebauer, der mit 23 Mann angerückt war. Die Vorsorge hatte einen konkreten Hintergrund: Das tief gelegene Anwesen am Zusammenfluss von Fichtenohe und Pegnitz war 2013 schon mal überschwemmt gewesen.

Mobiler Hochwasserschutz

Beaver gibt es nur einmal im Landkreis Bayreuth. Das System besteht aus Schläuchen aus hochfesten Planen, die mit Trinkwasser gefüllt werden und theoretisch endlos aneinander gereiht werden können. Das ginge viel schneller als Sandsäcke aufzuschlichten, erläuterte der Kommandant den Vorteil. Rund 400 Sandsäcke, die die Wehr Seybothenreuth lieferte, wurden aber an anderen Stellen im Stadtgebiet benötigt. Besonders von dem jüngsten Starkregen betroffen sei die Lohe-Siedlung und dort vor allem die Heinrich-Lersch- und die Ganghoferstraße gewesen sowie der Bereich um die frühere Post, den Bahnhof und Bellandvision, schilderte der hauptberufliche Gerätewart der Pegnitzer Wehr, Walter Steger.

Eine Priorisierung der Einsätze sei in einer solchen Situation immer sehr schwierig, so Steger weiter. "Manche rufen an, wenn das Wasser bei ihnen fünf Zentimeter hoch steht, bei anderen waren es bis zu 70 Zentimeter." Einige Betroffene hätten sich im Laufe des Tages auch gemeldet und gesagt, dass sie das Wasser selbst in den Griff bekommen hätten. "Das war natürlich super", resümierte Steger.

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Platzregen und starkes Unwetter suchten im Juni 2018 Pegnitz heim

Starke Unwetter haben am Montagnachmittag in Pegnitz zu voll gelaufenen Kellern und überschwemmten Straßen geführt. Vom Asphalt war in der Bahnhofstraße gar nichts mehr zu sehen, der Zugverkehr musste aufgrund der Witterung stellenweise eingestellt werden.


Besonders ältere und alleinstehende Leute hätten jedoch dringend die Hilfe der Einsatzkräfte gebraucht. Der Einsatztag sei schon außergewöhnlich gewesen, bilanzierte Steger, stellte aber auch klar: "Wir sind für solche Fälle gerüstet und haben unser Equipment wie Tauchpumpen und Wasserschieber. Aber viele Bürger sind jetzt verständlicherweise schon gefrustet, wenn es sie das zweite Mal innerhalb von nur drei Tagen getroffen hat."

Zur aktuellen Problematik trage unter anderem bei, dass die Regenrückhaltebecken in der Region bereits voll seien und keine weiteren Wassermassen mehr aufnehmen könnten, erläuterte Steger, der eine Verstärkung extremer Wetterereignisse beobachtet hat. Auch die Kanalisation sei vielerorts überlastet und könne die Wassermassen nicht mehr wegschaffen.

Straße voller Schotter

Waren um 22 Uhr in Pegnitz alle Einsätze beendet, ging es in Auerbach da erst los. "Mittags hat es zwar auch geregnet, aber wir hatten keine Einsätze", berichtete Kommandant Sven Zocher. Im Laufe der Nacht mussten 30 Ehrenamtliche dann siebenmal ausrücken: Im Industriegebiet und Am Siechen waren jeweils zwei Keller vollgelaufen. Im Stadtgebiet hatte es Gullis herausgedrückt und Straßen überflutet. Auf die Staatsstraße bei Gunzendorf hatte es von einer nahegelegenen Baustelle Schotter geschwemmt. "Wir haben die Fahrbahn mit Schaufel und Besen gereinigt, die Stadt hat mit dem Lader geholfen", schilderte Zocher. "Der letzte Einsatz war dann um 1:55 beendet, vor Gunzendorf war ein Hang abgerutscht."

Mit durch den Starkregen hochgedrückten Kanaldeckeln hatte auch die Feuerwehr Auerbach zu kämpfen. © Foto: Feuerwehr Auerbach


Während am Dienstag vielerorts das Aufräumen weiterging, hat die Burg Pottenstein noch mit ganz anderen Problemen zu kämpfen. Am vergangenen Samstagmittag hatte in eine Linde in der Oberburg der Blitz eingeschlagen und den gebäudehohen Baum in der Mitte gespalten. "Die Energie entlud sich dann wohl über den Boden und den Felsen hinein in die Burg", mutmaßt Hausherrin Margit Freifrau von Wintzigerode. "Die Besucher haben wir gleich nach unten geschickt, als sich das Unwetter ankündigte", berichtet von Wintzigerode. "Da sind wir immer sehr vorsichtig."

Doch der Lastenaufzug, die (Ab-)Wasserversorgung in der Oberburg, etliche elektronische Geräte vom TV bis zur Kaffeemaschine in der Unterburg und die Telefonleitung wurden dabei in Mitleidenschaft gezogen. Dies sei besonders ärgerlich, weil die Burgherrn seitdem nicht nur kein Festnetz, sondern auch keinen Zugang zum Internet und ihren Mails mehr haben. "Mein Mann ist ja Architekt und da bedeutet das auch einen Schaden fürs Geschäft", erklärt von Wintzigerode.

Die Telekom habe angekündigt, einen Bautrupp zur Behebung des Schadens zu schicken. Doch wann dieser komme und wie die Reparatur der oberirdisch laufenden Leitung in dem unzugänglichen Terrain zwischen Burg und Pfarrhaus aussehen soll, habe das Unternehmen nicht gesagt, sagt die Hausherrin, die auch eine oberhalb des Museums gelegene Ferienwohnung vermietet. Was ebenfalls nicht gehe, so lange technisch nicht alles wieder hergestellt sei.

"Man hört immer vom Klimawandel und dessen Folgen", resümiert Margit Freifrau von Wintzigerode. "Dazu gehören Starkregen und die starke Entladung bei Gewittern. Das haben wir jetzt zu spüren bekommen. Zum Glück ist dabei niemand verletzt worden und sind wir mit dem Schrecken und einem finanziellen Schaden davongekommen." Wie hoch dieser genau sei, könne sie derzeit noch nicht sagen, aber "es könnten leicht 10.000 Euro sein", schätzt sie.

ASTRID LÖFFLER

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