Mittwoch, 28.10.2020

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Nachfrage nach Grippe-Impfstoff steigt

Wegen der Corona-Pandemie lassen sich in dieser Grippe-Saison mehr Menschen gegen Influenza impfen - 19.10.2020 08:55 Uhr

Die KVB erwartet für die Grippe-Saison 2020/21 einen Anstieg der Grippe-Impfungen. Auch in den Auerbacher Artzpraxen und Apotheken ist eine stärkere Nachfrage zu spüren.

© Foto: Sebastian Gollnow


Nicht nur das RKI empfiehlt auf seiner Internetseite die Influenza-Impfung. Auch die Kassenärztliche Vereinigung Bayern (KVB) spricht sich dafür aus. Allerdings vor allem für bestimmte Personengruppen, etwa solche ab dem 60. Lebensjahr, chronisch kranke und immungeschwächte Menschen.

Ein erstes Stimmungsbild, ob diese Empfehlung bei den Auerbachern ankommt, bieten die lokalen Apotheken und Arztpraxen. Die Marien-Apotheke ist zunächst wie in den vergangen Jahren vorgegangen. "Wir haben im April bei den Arztpraxen für eine Sammelbestellung angefragt. Im September haben wir dann eine große Sendung an die Arztpraxen ausgeliefert", erklärt die Inhaberin Sabine Supp das Vorgehen.

Mehr Dosen bestellt

Tatsächlich seien bereits Anfragen von Ärzten auf Nachlieferungen eingegangen. "Einfach ad hoc bekommt man den Impfstoff derzeit jedoch nicht, aber die Hersteller haben uns weitere Lieferungen versprochen", so die Apothekerin. Auch Privatpatienten, die ihren Impfstoff als einzelne Ampullen in der Apotheke bestellen, müssen derzeit warten. "Es ist jetzt nicht so, dass ich heute bestelle, und morgen bekomme ich es", sagt Supp. Die Lieferzeiten seien im Vergleich zum Vorjahr bislang nicht gestiegen und gleich geblieben. Auch in den vergangenen Jahren habe man zwischen Angebot und Nachfrage jonglieren müssen, erklärt die Apothekerin.

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Eine höhere Nachfrage nach Grippe-Impfungen im Vergleich zum Vorjahr stellt Hausarzt Dr. Ulrich Jung in seiner Praxis fest. "Tendenziell sind es etwas mehr Impfungen vor dem Hintergrund Corona natürlich. Aber es ist noch überschaubar", berichtet Jung. "Was Kassenpatienten betrifft, haben wir noch Vorräte, da sind es ja 20 Spritzen in einer Verpackung. Bei den einzelnen Spritzen, die Privatpatienten brauchen, sind die Lieferungen hin und wieder etwas stockend", erläutert der Allgemeinmediziner.

Im Hausarztzentrum Auerbach sei die Nachfrage in diesem Jahr stark gestiegen. "Wir haben Anfang Oktober mit den Impfungen begonnen. Die Nachfrage heuer ist doch recht groß. Auch bei manchen, die sich das erste Mal gegen Grippe impfen lassen", berichtet die medizinische Fachangestellte Tanja Brittinger. "Allein in den vergangenen 14 Tagen haben wir 500 Impfungen durchgeführt", so die Arzthelferin. Für die Grippe-Saison 2020/21 habe man zunächst 600 Impfdosen regulär bestellt, die nun aufgebraucht sind. Aufgrund der starken Nachfrage hat die Praxis bereits 600 weitere Dosen nachbestellt. Wie lange die Wartezeit für den Nachschub sein wird, konnte Brittinger am Freitag allerdings nicht sagen.

Wer will, wird geimpft

Impf-Wartelisten, wie es Leser aus dem Neumarkter Raum berichten, gebe es in den Auerbacher Praxen nicht. Das bekräftigen sowohl Jung, als auch Brittinger. Ebenso wenig würden Risiko-Patienten bevorzugt geimpft. "Jeder Patient, der wegen einer Impfung kommt, bekommt die Spritze", sagt Jung nüchtern und empfiehlt auch jedem eine Grippeimpfung.

Bei der KVB weiß man aus Gesprächen mit allen großen Impfherstellern, dass diese noch genug Impfstoffe für die saisonal übliche Grippeimpfung vorrätig haben. Die Rückmeldungen aus der Ärzteschaft, über die Verfügbarkeit des Impfstoffs sei aber regional unterschiedlich, heißt es in einer schriftlichen Mitteilung des stellvertretenden Pressesprechers Dr. Axel Heise.

Ob die Impfempfehlungen bei den Menschen ankommen, lässt sich derzeit noch nicht exakt feststellen. Heise verweist darauf, dass man ein komplettes Bild der Saison immer erst im Frühjahr bekomme. In der Stellungnahme heißt es: "Erst anhand der tatsächlich verordneten Menge an Impfdosen, die wir monatsweise etwa fünf Wochen nach Monatsende durch das Zentralinstitut für die Kassenärztliche Versorgung erhalten, bekommen wir diese Information. Die Abrechnungsdaten der Ärzte über die durchgeführten Impfleistungen liegen uns frühestens drei bis vier Monate nach Quartalsende vor." In der vergangenen Saison seien so insgesamt 1,7 Millionen Impfdosen an die KVB gemeldet worden.

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In Auerbach bereiten sich die Apotheken und Arztpraxen zumindest auf eine weiter steigende Nachfrage vor. "Bis jetzt klappt es noch mit den Bestellungen, aber es dauert ein bisschen", gibt die Apothekerin Sabine Supp zu. Wie lange noch etwas nachkommen kann, weiß sie allerdings nicht. Die Zeit für Grippeimpfungen dauert regulär von Oktober bis November.

OLIVER HAAS

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