Naturpark Fränkische Schweiz bereitet sich auf Besucheransturm vor

19.4.2021, 14:55 Uhr
Die Trockenhänge Pottensteins sind ein Naturschutzgebiet und zugleich teil des Naturparks Fränkische Schweiz – Frankenjura. Dieser ist mit einer Fläche von mehr als 2300 Quadratkilometern einer der größten Naturparks in Deutschland.

Die Trockenhänge Pottensteins sind ein Naturschutzgebiet und zugleich teil des Naturparks Fränkische Schweiz – Frankenjura. Dieser ist mit einer Fläche von mehr als 2300 Quadratkilometern einer der größten Naturparks in Deutschland. © Foto: Melanie Christe

"Urlaub daheim ist das klare Motto in Corona-Zeiten", hat Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber (FW) bereits im vergangenen Jahr gesagt. Die Bevölkerung scheint mit ihrem Freizeitverhalten diese Aussage zu untermauern und strömt in die beliebten Urlaubsregionen Deutschlands. Besucher seien selbstverständlich auch im Naturpark Fränkische Schweiz – Frankenjura herzlich willkommen, wie Geschäftsführer Hurnik betont.

Damit man die Natur jedoch genießen könne, müsse man auch gut darauf achtgeben, was leider nicht jedem Gast automatisch klar sei. Genau dafür sind die Ranger im Naturpark im Einsatz, die sich aktuell fast ausschließlich um die Besucherlenkung kümmern müssten.

Knackpunkt Beschilderung

Gemeinsam mit der höheren Naturschutzbehörde der Regierung von Oberfranken, der unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Bayreuth und der Stadt Pottenstein arbeiten die Ranger derzeit an einem Lenkungskonzept für das Naturschutzgebiet "Trockenhänge um Pottenstein". "Es haben sich inzwischen Trampelpfade etabliert, die so nicht in Ordnung sind", mahnt Hurnik. "Es hapert aber auch an der Beschilderung und das ist eben die Voraussetzung Nummer eins." Diese Schilder seien bereits fest eingeplant, um mittels Piktogrammen deutlich zu machen, welche Verhaltensregeln gelten. Der Vorteil: "Dazu muss man letztendlich keine Sprache können."

Der wichtigste Punkt ist stets, dass die markierten Pfade, die durch Naturschutzgebiete lotsen, keinesfalls verlassen werden dürfen. Diese leiten absichtlich nur durch eine bestimmte Gegend und führen dabei trotzdem durch anmutige Täler, idyllische Dörfer und bizarre Felslandschaften, weiß Hurnik. "Es ist wichtig, dass man die Natur Natur sein lässt, keine Pflanzen ausreißt und vor allem den Müll mitnimmt", betont er. Gerade jetzt, wo die Gasthäuser geschlossen sind, gebe es ein Riesenproblem mit Verkotung – egal, ob auf Parkplätzen oder Wanderwegen. In dieser Sache arbeitet das Team an einem Pilotprojekt. So sollen am Walberla vorerst Toilettenkabinen aufgestellt werden. Diese seien zwar nicht besonders ansehnlich, aber irgendwie müsse man schnell darauf reagieren, da das wilde Darmentleeren Nährstoffe und Krankheitserreger in den Boden brächte, die dort nicht hingehörten.

"Die Nährstoffe sind nicht unbedingt das Schlimmste, da wachsen dann eben Brennnesseln. Schlimmer ist, dass der Karstgrund wenig Filterfunktion hat und Keime somit leicht in das Grundwasser gelangen", erklärt Hurnik. Er ist zudem von der Dreistigkeit einiger "Naturgenießer" überrascht. Die Notdurft werde nicht hinter irgendeinem Busch erledigt, sondern mitten auf dem Weg oder gar auf einem Parkplatz.

Hurnik versteht, dass im größten Notfall kein anderer Ausweg bleibt, dann solle aber wenigstens darauf geachtet werden, dass ein "geeigneter" Platz aufgesucht und die Hinterlassenschaften vergraben werden. "Aber im Veldensteiner Forst mitten auf die Parkplätze, das geht gar nicht", unterstreicht der Geschäftsführer. Natürlich weiß er, dass es immer schwieriger wird, geeignete Toiletten zu finden. Dazu tragen das Wirtshaussterben bei sowie die Corona-Krise. Genau aus diesem Grund spricht sich Hurnik für mehr öffentliche Toiletten aus. Diese seien zwar mit Kosten verbunden. Jedoch verursache das "wilde Kacken" ebenso Kosten – wie die Müll- und Kotbeseitigung. Zudem sähe das Ganze sehr unschön aus und vertreibe andere Tagestouristen, die sofort wieder umdrehten.

Probleme durch Falschparker

Als weiteres Problem haben Hurnik und seine Mitarbeiter die schlecht zu findenden Parkplätze ausgemacht. Oft parken Ortsfremde, weil ein Parkplatz voll ist, auf einer Wiese oder gar an der Straße, was die Verkehrssicherheit gefährdet. Nun arbeitet das Team an einem Ratgeber und Informationsblatt, das die vielen Parkplätze genau aufzeigt und darlegt, welche Attraktionen sich in der unmittelbaren Umgebung befinden.

Oftmals müssen die Mitarbeiter des Naturparks benutzte Kotbeutel oder anderen Unrat aufsammeln und entsorgen.

Oftmals müssen die Mitarbeiter des Naturparks benutzte Kotbeutel oder anderen Unrat aufsammeln und entsorgen. © Foto: Melanie Christe

"So können wir die Besucher abermals besser lenken und steuern. So müssen sich Kletterer nicht erst umsehen und einen geeigneten Parkplatz in der Nähe eines Felsens suchen", sagt Hurnik. "So was kann frustrierend sein." Um auf das Falschparken bereits jetzt reagieren zu können, kleben die Ranger vor Ort kleine Zettelchen auf die Autos. Diese seien natürlich keine echten Strafzettel und hätten keine weiteren Folgen. Jedoch möchte man dadurch den Hinweis geben, dass das Parken dort eben nicht erlaubt sei und liefert gleichzeitig die Information mit, wo sich in der Nähe bessere Abstellplätze befinden.

Neben den zusätzlichen Projekten, die das Naturpark-Team dieses Jahr angeht, gibt es das normale Jahresprogramm. Dazu zählen die Landschaftspflege, wie Entbuschungsmaßnahmen und ähnliches. "Wir haben aktuell ein ganz großes Thema, das wir noch in diesem Jahr abschließen werden: Der Promenadenweg im Ahorntal wird instandgesetzt. Das ist das größte Projekt des Naturpark-Arbeitstrupps für dieses Jahr", verrät Christoph Hurnik.

Auf die Frage, ob er schon gespannt sei auf die großen Besucheranstürme oder gar Angst davor habe, antwortet der Geschäftsführer: "Angst würde ich es nicht nennen, aber es ist natürlich unsere Aufgabe, zwischen Natur und Mensch zu vermitteln, um die Interessen aller zu vertreten und ein friedliches Nebeneinander zu ermöglichen."

Kein Freibrief

Viele Tagestouristen gingen davon aus, dass die Gestattung zum Betreten der freien Landschaft sowie ungenutzter Grundflächen für alle (Bundesnaturschutzgesetz Paragraph 59) uneingeschränkt gelte, berichtet Hurnik. Viele würden dies als Freibrief nehmen, um zu tun, was ihnen gerade beliebt. Doch ganz so sei es eben nicht: Ist etwa die wirtschaftliche Nutzung (Feld, Wald) durch die Grundstückseigentümer oder der Schutz der Natur durch unsachgemäße Begehung nicht mehr gewährleistet, dürfen in bestimmten Fällen zum Beispiel Kletterfelsen, Wald- und Feldbereiche gesperrt werden. Dann könne niemand mehr diese Bereiche betreten – auch diejenigen nicht, die sich an die Regeln halten. "Es gibt Einschränkungen und das aus gutem Grund", betont Hurnik.

Bei Fragen oder Unsicherheit sollten die Touristen oder Ausflügler die Ranger vor Ort ansprechen. "Die sind in ihrer Uniform gut zu erkennen und klären gerne auf. Das sind nette Ansprechpartner. Wir wollen nicht nur verbieten und tadeln, sondern eben auch erklären, weshalb es diese Schutzzonen und Regeln gibt."

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