Samstag, 28.11.2020

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Naturschützer aus der Region setzen Zeichen gegen EU-Agrarpolitik

Morgen Abend findet eine Aktion der Ortsgruppen des Bund Naturschutz statt - 02.11.2020 18:58 Uhr

Den Naturschützern geht es konkret um die Verteilung landwirtschaftlicher Subventionen und deren mangelnde Bindung an ökologische Regelungen.

01.07.2013 © dpa


Naturschützer in der Fränkischen Schweiz stellen sich gegen die Europäische Mondlandung. Allerdings handelt es sich dabei um keine Weltraummission, sondern den gerne als solches bezeichneten "Green Deal" der EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Konkret geht es den Naturschützern um die Verteilung landwirtschaftlicher Subventionen und deren mangelnde Bindung an ökologische Regelungen.

Mit der Aktion "Langsam geht das Licht aus" wollen einige Ortsgruppen des Bund Naturschutz (BN) ihren Unmut ausdrücken. Ideengeber ist der zweite Vorsitzende der BN-Ortsgruppe Pottenstein, Dieter Hoch. Weitere Unterstützer der Aktion waren die Ortsgruppe Pegnitz sowie Vertreter aus Ebermannstadt und Gößweinstein. In einer gemeinsamen Presseerklärung begründen die Vertreter die symbolische Protest-Aktion gegen die Pläne der EU-Agrarpolitik.

Symbolisch gegen Symbolpolitik

Die Aktion sei simpel. Alle können dabei mitmachen, egal ob "Landwirte, Naturschützer, Freunde, Geschäftsleute, Bäcker, Metzger, Politiker und alle umweltbewussten Menschen, die sich um die Zukunft unserer Kinder und Enkelkinder sorgen", heißt es in der Presseerklärung.

In den kommenden Wochen wird jeden Dienstag, exakt um 20.20 Uhr für sieben Minuten das Licht ausgeschaltet. Die genaue Uhrzeit sowie die sieben Minuten spielen eben auf den kritisierten Sieben-Jahre-Plan der EU (2020 bis 2027) an. "Natürlich darf man auch ein kleines Licht anlassen, sodass man nicht komplett im Dunklen sitzt", sagt der Vorsitzende der Ortsgruppe Pegnitz, Thomas Knauber, scherzend. "Mit der Aktion des langsamen Lichtausschaltens sollen die Leute daran erinnert werden, dass es durch den fortschreitenden Klimawandel langsam aber sicher düster um uns herum wird", erklärt Knauber.

Auslöser des Ganzen war ein kürzlich erschienener Bericht im Nachrichtenmagazin Der Spiegel von Markus Becker. In der Pressemitteilung berufen sich die Ortsgruppen-Vertreter auf konkrete Passagen daraus.

387 Milliarden Euro Subvention

Becker setzt in dem Artikel den Sieben-Jahre-Plan mit einem Systemversagen gleich. Hauptkritikpunkt ist unter anderem die ungleiche Subventionsverteilung in der Landwirtschaft. Die insgesamt 387 Milliarden Euro Subventionen sollen nicht nach Bedürftigkeit oder Umwelteinsatz an die Bauern verteilt werden, sondern nach Fläche. Davon profitieren dann nicht die Landwirte, die sich um eine ökologische und nachhaltige Landwirtschaft bemühen, sondern vor allem Großbauern oder Unternehmer, die "nebenbei" Bauern sind. Als Beispiel wird in diesem Kontext der Brillen-Unternehmer Günther Fielmann genannt, der im Vorjahr 630 000 Euro an Agrarsubventionen erhalten hat.

Ein Punkt, den auch Thomas Knauber aufgreift: "Die Aktion richtet sich eben gegen so eine Geschäftemacherei mit den Subventionen. Dass sich jetzt auf einmal große Firmen Land kaufen können, sich als Landwirte ausgeben und daraus Profit schlagen."

Schutz von Tieren und Pflanzen

Neben der Kritik am Lobbyismus besinnen sich die fränkischen Ortsgruppen jedoch auch auf ihr Kernthema, dem Schutz verschiedener Tier- und Pflanzenarten. Von den 387 Milliarden Euro sollen lediglich 20 Prozent ökologischen Regelungen zugute kommen, schreibt Der Spiegel. Für den Großteil der Subventionen gelten lediglich grundlegende Umwelt- und Klimaschutzregeln.

Diese geringe Bindung von Subventionen an ökologische Vorgaben sei zu wenig finden die Ortsgruppen. Vor allem wenn man beachtet, dass in einer Eurobarometer-Umfrage aus dem vergangenen März 94 Prozent der Befragten für mehr Umweltschutz ausgesprochen hatten. Mit der Aktion "Langsam geht das Licht aus" sollen daher in den nächsten Wochen immer mehr Leute auf diese Missstände in der EU-Agrarpolitik aufmerksam gemacht werden. So lange, bis die Lichter in den Häusern nicht mehr ausgehen, sondern immer mehr Verantwortlichen ein Licht aufgeht.

OLIVER HAAS

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