Dienstag, 22.10.2019

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Nepal-Schicksale: Vater verunglückt, Haut verbrannt, erblindet

Persönliche Spendenübergabe-Tour des kleinen Vereins "Kinder von Nepal" - 07.10.2019 23:00 Uhr

Philipp von Vultejus (re.) ist der „Wunder-Westler“: Mit großer Herzlichkeit sprang er in Angpang wochenlang im Englischunterricht ein, wenn Lehrer ausfielen. © Foto: Thomas Knauber


Carlottas Begeisterung führte ihn für zwei Monate dorthin. Er kam, sah und siegte. "Es ist ein ganz besonderes Dorf", sagt er. "Ich hab' mich noch nie irgendwo so schnell so daheim gefühlt." Umgekehrt ist ganz Angpang begeistert von ihm, weil er so viel Gefühl habe, immer Witze mache und überall anpacke.

130 Euro für ein Jahr

Philipp ist von der Wanderung tief beeindruckt. Weil er zum ersten Mal erlebt, dass Spenden direkt ankommen. Denn der Motor von Angpang, Kul Dhoj – der immer verlässliche und kreative Verbindungsmann von KvN – hat das Geld im Rucksackdabei. In den Schulen von Angpang, Mude, Meranding, Maidane, Pattle und Bagam bittet er die Lehrer, alle armen Kinder und Waisen, die sie vorher als bedürftig empfohlen hatten, zusammenzuholen. Jedes bekommt 130 Euro fürs Jahr, für seinen Schulbedarf, für Essen und Kleidung.

Die Rektoren erzählten kurz von den Schicksalen der Kinder: Vater verunglückt, Haut bei einem Feuer verbrannt, Augenlicht verloren, viele Geschwister und kein Vater, Hand gelähmt. Und so sehen die zwei Deutschen plötzlich ein Stück hinter die nach außen so fröhlich wirkenden Gesichter der Mädchen und Jungen.

In die Schulen kommen immer auch die Frauen der Dörfer. Sie gehören Muttergruppen an, die auch von KvN unterstützt werden. Denn die Frauen schmeißen in Asien den Laden, wie man so sagt, während die Männer oft trinken und faulenzen. Aber die Frauen haben kaum Rechte. Ihnen fehlt zudem das Geld, um frei zu sein. Darum sollen sie mit KvN-Hilfe kleine Projekte beginnen können, zum Beispiel eine Ziegenzucht oder Gemüseanbau.

Von Vultejus hätte bei einer touristischen Wanderung nie all diese Frauen in ihren malerischen Trachten so geballt getroffen, weil sie weit verstreut in kleinen Bauernhäusern leben. Er hätte auch nie den Blick in die kargen Klassenzimmer gehabt, auf kalte Steinmauern und rohe Holzbänke. Es war als sehe er einen Millionstel Teil von Nepal ganz nah, beschreibt der 19-Jährige. Denn das Land hat Tausende solcher Minidörfer, abgeschieden auf Bergrücken, ohne jede Straße.

Wie abgeschieden, das machte eine Jeepfahrt nach Maidane deutlich. Der Wagen versank fast im Schlamm des Feldwegs. Die Insassen wurden nach links und rechts geschleudert. Dann saß das Gefährt auf. Aussteigen und 40 Zentimeter tief im Matsch versinken? Irgendwann packte der Allradantrieb doch und es ging weiter, dem Monsunregen zum Trotz. Dieser Regen treibt auch Blutegel auf die Büsche. Von dort springen sie auf Vorübergehende. Das kleine Wandertrio hatte deshalb stets seine Beine im Blick: Wo klebt wieder so ein Würmchen?

Tradition prallt auf Moderne

Zurück in Angpang, wo KvN auch die Hälfte der Lehrer bezahlt, gab es zwei wichtige Themen: Das Kollegium der Schule dort kommt nicht mit dem neuen Rektor zurecht, weil er zu traditionell unterrichtet. Die jungen Lehrer, alle schon mit Laptop unterwegs (vor fünf Jahren unvorstellbar), sind so sehr im Clinch mit ihm, dass Kul Dhoj nach 100 ergebnislosen Gesprächen verzweifelt.

Aber er erlebt auch Positives. Die von ihm angestoßene Dorfbank ist so erfolgreich, dass sich Banker in Kathmandu die Augen reiben: Wie schaffen es Bauern vom Fuß des Mount Everest, die kaum Ahnung von Computern haben, das Business so rasant von unten aufzurollen? Knauber wurde stolz zur Hauptversammlung eingeladen, die den über 600 Anteilseignern vermittelte: Wir sorgen für niedrige Kreditzinsen, damit ihr vor Ort bauen könnt und nicht nach Kathmandu oder ins Ausland müsst.

Dhoj zeigt ein weiteres Paradebeispiel für Dorfentwicklung, die neue Schreinerei seines ältesten Sohnes. Dieser hat in den Emiraten gearbeitet und das Wissen mitgebracht, wie man Polstermöbel herstellt. In einer Werkstatt aus Wellblech entstehen nun Sofas; durch die neue Straße können sie exportiert werden. Fünf Leute hat er schon angestellt. Die Dorfbank – einst von KvN mitfinanziert – gibt ihm nun Zusatzkredite. So gelingt Hilfe zur Selbsthilfe.

InfoWer "Kinder von Nepal" unterstützen möchte: Spendenkonto DE20 7735 01100038 0660 07 bei der Sparkasse

nn

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