Neue Abfalleimer in der Pottensteiner Innenstadt

9.5.2021, 16:51 Uhr
Auch am Ende der Pegnitzer Straße hat der Vorsitzende des Heimatvereines, Karl-Heinz Peters, als Selbsthilfe eine seiner Mülltonnen aufgestellt.

Auch am Ende der Pegnitzer Straße hat der Vorsitzende des Heimatvereines, Karl-Heinz Peters, als Selbsthilfe eine seiner Mülltonnen aufgestellt. © Foto: Martin Burger

Er stinkt, schadet der Umwelt und sieht auch noch unschön aus: der Müll. Ein Problem, das offensichtlich nicht nur Stadträten schlaflose Nächte bereitet. Auch Karl-Heinz Peters hat sich seine Gedanken gemacht, wie er seiner Wahlheimatstadt helfen kann. Vor knapp vier Wochen stürmte eine Touristenflut die Straßen des kleinen Felsenstädtchens Pottenstein. Nach einem besonders wilden Wochenende zeigten sich die Stadtbewohner äußerst verärgert. Ein Grund, weshalb Stadtrat Norbert Hartmann das Thema aufgriff und in der vergangenen Haupt- und Finanzausschusssitzung ansprach. "Wir haben im Ortsbereich kaum Abfalleimer stehen. Wir bieten unseren Gästen eigentlich keine Möglichkeit, den Abfall zu entsorgen", mahnte Hartmann damals an. Auch Stadtrat Johannes Frosch bestätigte, dass die Touristen den Müll an Ort und Stelle fallen lassen, da sie keine Mülleimer finden und machte sogar Fotos von den überfüllten Abfalleimern.

Einsatz für die Kommune

Doch mehr Mülleimer wird es wohl erstmal nicht geben, ist sich Karl-Heinz Peters sicher. Der Vorsitzende des Heimatvereins ist jedoch niemand, der auf eine bessere Zukunft hofft, sondern jemand, der sofort anpackt. "Viele sollten sich mal fragen, ,was kann ich für die Stadt tun?’. Nicht immer nur ,was kann die Stadt für mich tun?’."

Peters lebt direkt in der Rosengasse, im Zentrum der Innenstadt. Ein weiterer Grund, weshalb ihm das Thema am Herzen liegt. Direkt vor seinem Anwesen ist ein städtischer Parkplatz, der gerne von Touristen genutzt wird. Im vergangenen Jahr vermüllten genau diesen Parkplatz immer wieder Touristen zu.

"Ich habe beobachtet, wie eine Familie ihrem Baby die Windeln wechseln musste und dann keinen Mülleimer fand. Letztendlich lag die Windel einfach auf dem Parkplatz und die Touristen waren fort", berichtet er. Da Peters als Unternehmer viel herumkommt und ebenso viele Menschen kennt, kam er in den Besitz von ausgedienten Tonnen.


Müll der Touristen verärgert Pottensteiner Stadträte


"Da haben wir sonst Streugut für den Winter gelagert. Aktuell habe ich drei für Pottenstein vorbereitet. Ich weiß noch nicht, wie viele ich aufstelle." Jeden Morgen macht sich Peters zu Fuß auf den Weg, die drei Mülltonnen aufzustellen – abends holt er sie wieder zurück und stellt sie bei sich unter. Zu Fuß, weil es einen Symbolcharakter haben soll, um den Leuten zu zeigen, dass etwas passiert. Aber auch, um weitere Bürger zu animieren, etwas zu tun.

Jeder Pensions- oder Hotelbesitzer, der Corona-bedingt geschlossen habe, sollte darüber nachdenken, ob es nicht sinnvoll wäre, trotz der Schließung einen Mülleimer vor die Türe zu stellen, fordert Peters.

"Der Bauhof tut, was er kann, das weiß ich. Aber es ist auch ein bisschen zu einfach, zu sagen, dass ich gar keine Mülleimer aufstelle, weil wenige Bürger ihren privaten Müll dort entsorgen", sagt Peters weiter. "Die so etwas entscheiden, leben ja nicht mal hier in Pottenstein."

Auf einem weißen Stück Papier, das an den Tonnen befestigt ist, bedankt sich der Heimatverein bei denjenigen, die ihren Müll nicht einfach auf den Boden werfen, sondern in die kleinen grauen Tonnen. "Ich weiß noch nicht, wie viele ich aufstelle. Ich erprobe das noch."

Egal, wo sich Peters aufhält, achtet er darauf, dass kein Müll hinterlassen wird. So nutze er den 1. Mai nicht zum Wandern, sondern nennt diesen liebevoll "Müllbeseitigungs-Wanderung". Auch wenn er einen Ausflug macht, sammelt er den Unrat anderer ein, damit die Natur nicht belastet wird. "Das ist einmal kurz bücken, aufheben und richtig entsorgen."

Er erklärt weiter: "Man muss ebenfalls bedenken: Eine einziger weggeworfener Zigarettenstummel kann 40 Liter Trinkwasser verunreinigen. Wir in Pottenstein haben doch unsere eigene Quelle. Sollen wir das aufs Spiel setzen?"

Private Entsorgung

Karl-Heinz Peters wird weiterhin seine Mülltonnen aufstellen und den Unrat der anderen privat entsorgen. Aus Überzeugung. "Ich verdiene ja nichts daran. Ich habe auch nichts vom Tourismus. Nicht einen Pfennig. Mir liegt die Natur am Herzen." Peters ganz grundsätzlich: "Heimat heißt, ich muss mich hier wohlfühlen können. Pottenstein ist so ein schöner Ort, der aktuell vermüllt wird."

Neben vielen Bürgern und einigen Stadträten befürwortet auch Bürgermeister Stefan Frühbeißer das Engagement von Peters. Er lobt die Aktion: "Es ist immer erfreulich, wenn aus der Bevölkerung und den Vereinen positive Unterstützung für die Belange unserer Gemeinde kommt."

In den kommenden Wochen wird das Wetter besser und die Touristen werden verstärkt in die Pottensteiner Innenstadt strömen. Drei weitere Mülleimer zum Entsorgen ihres mitgebrachten Unrats haben sie jedenfalls. Nun muss nur noch der Müll in die Tonne, wo er auch hingehört.

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