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Neue Umlandlinie ab November

Leuchtturm-Projekt: Die Stadt Pegnitz und ihr Bahnhof haben für Landrat Florian Wiedemann eine zentrale Bedeutung. - 15.09.2020 08:55 Uhr

Landrat Florian Wiedemann (Mitte) traf sich in Willenreuth mit allen Beteiligten rund um das Thema Pegomobil. So auch mit Elfriede Püttner (von links), Bürgermeister Wolfgang Nierhoff, Daniel Mannschedel, Detlev Schmidt vom Landratsamt Bayreuth, Georg Mannschedel, Jürgen Kreuzer vom Landratsamt, Jörg Püttner, Stefan Krieg und Florian Krieg.

© Foto: Martin Burger


Im Mai 2014 startete das ALT-Projekt Pegomobil. Damit wurde konzeptionell Neuland in der Nahverkehrsplanung für dünn besiedelte Räume betreten. Mit den heimischen Verkehrsunternehmen Krieg, Mannschedel und Püttner wurden vier Verkehrskorridore eingerichtet.

Direkt zum Wochenstart trafen sich alle Beteiligten rund um das Thema Anruf-Linien-Taxi in Willenreuth. "Ich weiß noch, dass wir uns 2015 in Troschenreuth getroffen haben, damit dieses Projekt gut anläuft. Ich glaube, das ist uns gelungen", sagte Detlev Schmidt, Chef der Regionalen Entwicklungsagentur im Landratsamt, über das ALT. Für die vier Linien, die aktuell angeboten werden, wurde extra ein Logo entworfen: Ein vierblättriges Kleeblatt. Schmidt sei zufrieden mit dem System und es habe sich bewährt, dennoch müsse man weiterdenken. "Wir sind nun an einem Punkt angelangt, an dem wir uns Gedanken machen wollen, wie wir das Ganze weiterentwickeln."

Ein großer Schritt werde ab November mit einer fünften Umlandlinie Richtung Hohenmirsberg/Körbeldorf gemacht. Diese soll vor allem die zentralörtliche Funktion von Pegnitz aufwerten. In diesem neuen Korridor werden sich unter anderem Orte wie Kosbrunn, Püttlach, Pullendorf, Bodendorf, Haßlach, Adlitz und Steifling befinden. "Wir versuchen mit dieser Linie den Pottensteiner Raum noch weiter zu aktivieren", erklärte Schmidt. Und weiter: "Dass das System so gut funktioniert und wir über so etwas nachdenken können, liegt auch an den drei Verkehrsunternehmen Krieg, Püttner und Mannschedel, die partnerschaftlich dieses System bewältigen und maßgeblich gestalten."

Das ALT erhalte durchweg positiven Zuspruch bei den Bürgern. Und auch die Zahlen würden für einen Erfolg des Systems sprechen. So habe das Anruf-Linien-Taxi eine Aktivierung der Bedarfsfahrten von 37 Prozent. Im Umkehrschluss bedeute dies, dass 63 Prozent nicht angenommen, aber angeboten werden. "Im Vergleich zu einer festen Linie, die immer fährt, auch wenn der Bus leer ist, sparen wir uns allein auf einer Linie 3300 Euro im Monat", berichtete Schmidt, "Auf alle Linien hochgerechnet haben wir an dieser Stelle ein hohes Einsparungspotenzial, bei gleichzeitig hoher Attraktivität des Systems."

So hätten die vier Linien zusammen über 9000 Beförderungsanfragen im Jahr. "Das ist eine stolze Zahl." Dennoch gebe es weiterhin Luft nach oben. So sei es wichtig, dass das Angebot ausgeweitet werde. "Pottenstein als fünftes Kleeblatt ist da ein wichtiger Anfang. Doch wir sind schon weit und haben ein Zeichen gesetzt. Es gibt kaum Gebiete, die so gut aufgestellt sind", weiß Schmidt aus Erfahrung.

Auch der Pegnitzer Bürgermeister Wolfgang Nierhoff ist sich sicher, dass das System gut angenommen wird. Die Stadt arbeite auch daran, dass noch mehr Gebiete abgedeckt werden, sodass den Bürgern ein größtmöglicher Nutzen entstehe. "Es muss aber auch in alle Pegnitzer Köpfe, dass es das ALT in Pegnitz gibt. Alle wollen, dass wir immer ökologischer werden und ökonomischer handeln. Mit dem System sind wir doch auf einem sehr guten Weg", sagte Nierhoff und bedankte sich gleichzeitig bei den Unternehmen für ihren Einsatz. Lediglich bei der Vermarktung sehe Nierhoff Potenzial und so möchte er das Projekt besser bewerben.

"Dem stimme ich zu", bestätigte Landrat Florian Wiedemann, "Die Angebote, die wir im Landkreis haben, müssen wir besser vermarkten. Das muss unser Ziel sein." Aus verschiedenen Rückmeldungen habe Wiedemann erfahren, dass hauptsächlich ältere Menschen die Busse nutzen würden. Es freue ihn, dass das Angebot wahrgenommen werde. Trotzdem habe er den Anspruch, dass sämtliche Bevölkerungsgruppen die Busse nutzen. "Das ist ein Angebot für alle. Doch wir können noch besser in der Zukunft. Wir müssen vor allem unseren Blick auf den Bahnhof Pegnitz richten und ihn als Leuchtturm-Projekt sehen." Die Stadt habe für den Landrat eine zentrale Bedeutung, gerade im Hinblick auf die Mobilität. Sein Appell: "Lasst uns den Bahnhof nutzen und um ihn herum weitere Angebote stricken."

Zum Ende des Treffens wollte Wiedemann noch Feedback von den drei Omnibusbetrieben, die das ganze Angebot abdecken. So bestätigte Georg Mannschedel, dass bei seinen Fahrten überwiegend ältere Menschen in die Busse einsteigen würden und man in Sachen Werbung gerade Eltern ansprechen sollte. "Wir müssen in das Bewusstsein der Jüngeren rücken und das beginnt bei den Eltern. Fast jeder besitzt heutzutage ein Auto. Die haben sich an das Autofahren gewöhnt", ist Mannschedels Meinung.

Taxi "zum Pizza essen"

Ein gegenteiliges Beispiel konnte Stefan Krieg nennen. Erst am Wochenende hätten vier junge Damen das ALT genutzt, um von Betzenstein nach Pegnitz zu fahren. "Zum Pizza essen", berichtet er. "Wir müssen hier Pionierarbeit leisten. Die Erfahrung zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind."

Ein weiteres Anliegen hatte der Dritte im Bunde, Jörg Püttner: "Das Krankenhaus wird eher schwach angefahren. Vielleicht können wir hier eine Express-Linie anbieten." Diesen Vorschlag empfand Detlev Schmidt als sinnvoll und versprach, dass darüber nachgedacht werde. "Wir saugen das auf und hören zu. Es gibt eben auch finanzielle Zwänge. So was kostet Geld, dennoch halte ich es für wichtig."

Für die neue Linie werde es bald auch neue Fahrpläne geben, versprach Schmidt. Das Kleeblattlogo erhalte ein fünftes Blatt und werde auf den neuesten Stand gebracht. "Unsere Fahrpläne sind sehr kompakt und werden von der Bevölkerung gut angenommen. Wir haben ein gutes Fundament und werden mit den Anregungen dieses System noch verbessern und ausbauen."

 

MARTIN BURGER

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