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Neues Trockauer Feuerwehrauto für 7000 Euro politisch nicht vertretbar?

Rosi Thiem

23.5.2022, 18:22 Uhr
Florian Schedler (2. v. l.) und Vorsitzender Christopher Schüssel (hinten Mitte) zeigten und erklären den Stadträten den neuen Einsatzleitwagen der Trockauer Feuerwehr.

© Foto: Rosi Thiem Florian Schedler (2. v. l.) und Vorsitzender Christopher Schüssel (hinten Mitte) zeigten und erklären den Stadträten den neuen Einsatzleitwagen der Trockauer Feuerwehr.

Allein vom 3. September vergangenen Jahres bis jetzt zählte Kommandant Florian Schedler bei der Jahresversammlung am Wochenende 55 Einsätze. "Darunter waren 34 technische Hilfeleistungen, 13 Brände, drei sonstige Tätigkeiten und fünf ABC-Einsätze", zählte er vor den zahlreichen Mitgliedern auf.

Dass es nicht immer nur "einfache Hilfeleistungen" sind, sondern sich die ehrenamtlichen Einsätze oft als zeitaufwendig, kräftezehrend, gefährlich und belastend herausstellen, schilderte Schedler an aktuellen Hilfeleistungen, bei denen es sich um schwere Unfälle auf der Autobahn mit Todesopfern handelte. In einem Fall gestaltete sich die Bergung derart schwierig, dass die Einsatzkräfte erst nach acht Stunden wieder zum Standort zurückkehren konnten.

Bei den vergangenen 55 Einsätzen wurden insgesamt 1377 Einsatzstunden geleistet und 4100 Kilometer zurückgelegt, legte der Kommandant offen. An seine Feuerwehrleute appellierte er, zahlreich an den Übungen teilzunehmen, da jede Übung maßgeblich wichtig für die dann eintreffende Realität bei den Einsätzen sei.

"Der derzeitige Personalstand der Aktiven beläuft sich auf 84 Personen von insgesamt 203 Mitgliedern. Wir sind auch heuer wieder in der glücklichen Lage, junge Menschen für den aktiven Dienst in unseren Reihen aufzunehmen", zeigte sich Schedler zufrieden und begrüßte zusammen mit dem Vorsitzenden Christopher Schüssel und dem Jugendwart Thomas Held die acht Neuaufnahmen.

Dass die Feuerwehr Markt Trockau stets bemüht um ein Weiterkommen sei, zeigte sich an den Berichten des Jugendwartes Thomas Held und des Atemschutzgerätewartes Martin Gebhardt. Letzterer begrüßte die Einsatzübungen im PEP, was der Schlagkraft (28 Atemschutzgeräteträger – Tendenz steigend) der Wehr zugute kam. Die Nachbereitung von Einsätzen nehme viel Zeit in Anspruch.

2023 Feier zum 150-jähriugen Bestehen

Vorsitzender Christopher Schüssel machte schon Lust auf das 150-jährige Jubiläum im nächsten Jahr. Geplant ist eine Feier vom 8. bis 11. Juni 2023 in Verbindung mit dem Stadtfeuerwehrtag. Dabei sein wird die Feuerwehrkapelle Markt Trockau. Ein Festgremium wird – egal wie die Neuwahlen im kommenden Jahr ausfallen – bestimmt und bis zum Fest konstant bestehen bleiben, so der Vorsitzende.

Zweite Bürgermeisterin Sandra Huber schaute sich mit den anwesenden Stadträten im Nachgang den neuen, bereits ausgelieferten Einsatzleitwagen ELW 1 an (hier unterstützte die Trockauer Wehr selbst mit 12 000 Euro) und lobte bei ihrer Rede das Engagement der Trockauer Wehr, stets dafür zu sorgen, die Kosten gering zu halten.

Der Auslieferungstermin für das HLF 20 soll jetzt im Juni sein. "Diese beiden Fahrzeuge werden heuer noch geweiht", versprach der Kommandant und bedankte sich dafür bei der Stadt Pegnitz.

Führung ist enttäuscht

Allerdings machte der Kommandant der zweitgrößten Wehr der Stadt auch keinen Hehl aus seiner aktuellen Enttäuschung: "Es gibt allerdings noch eine Beschaffung, über die wir uns Gedanken gemacht haben, aber der Verlauf mehr als fragwürdig ist. Wir planen die Beschaffung eines Mannschafttransportwagen MTW – hier können bis zu acht Personen transportiert werden.

Nachdem ich Angebote eingeholt und alles vorbereitet habe, kam plötzlich die Aussage mehrerer Autohäuser, dass alle Fahrzeugauslieferungen gestoppt werden und man auf nächstes Jahr warten müsse. Was die Preisentwicklungen angehe, müssten wir Alternativen suchen, um den Preis nicht nach oben zu treiben", schilderte er.

"Diese Alternativen haben wir gefunden", so Schedler. "Wir fanden ein Fahrzeug, das genau auf uns zugeschnitten und sofort abholbereit war. Ich wandte mich an die Stadt und die Landkreisführung, da wir die Förderung ausschöpfen wollen. Mit einem Eigenanteil unserer Wehr von 12 000 Euro wäre dieses Fahrzeug – im Vergleich mit dem Verkaufswert des LF 8 – für die Stadt Pegnitz auf rund 7000 Euro gekommen. Wir reden hier von einem Neuwagen Ford Custum", ergänzte er.

"Nach langem hin und her hat der Bürgermeister folgende Aussage mit Absprache der Landkreisführung getroffen: Es sei politisch nicht vertretbar. Und er nimmt in Kauf, dass dieses Fahrzeug dann in drei bis vier Jahren ein Drittel mehr kostet für den Steuerzahler und ich darf das auch so weitergeben", schüttelte Schedler den Kopf.

"Für 7000 Euro ein Fahrzeug zu beschaffen, sei nicht vertretbar? Aber für rund 180 000 Euro eine Drehleiter im Stadtrat durchzuwinken, die im letzten Jahr noch beim 90 000 Euro Eigenanteil der Stadt Pegnitz war? Mir scheint so, als wolle man an diesem Standort dieses Fahrzeug nicht", bedauerte er.

Die Trockauer Wehr sei bekannt dafür, selbst viele Eigenleistungen mit einzubringen. Allein 440 ehrenamtliche Stunden seien geleistet worden für die Renovierung der beiden WC-Anlagen im Altbau und die Reparatur der Grube. Schedler: "Hier hat die Stadt Pegnitz hochgerechnet 22 000 Euro alleine bei den drei Baustellen durch unsere Eigenleistung gespart. Und für 7000 Euro können wir aus politischen Gründen keinen MTW beschaffen?", fragte er traurig und enttäuscht.

"Es hat sich wieder nichts getan"

Des Weiteren erinnerte er die anwesenden Vertreter der Stadt an den Außenbereich. "Mir wurde letztes Jahr vom Ersten Bürgermeister versprochen, dass für die Insel im Einfahrtsbereich eine Lösung noch im Jahr 2021 kommt. Wie wir alle sehen, hat sich wieder nichts getan. Weiter erinnere ich die Stadt Pegnitz daran, dass die Verantwortlichen persönlich in der Haftung stehen, sollte durch die von mir schriftlich angesprochenen Mängel ein Schaden entstehen", so Schedler wörtlich.

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