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Neuhaus zeigt Solidarität mit der Familie von Ashot

Helferkreis beteiligt sich an Demo gegen die Abschiebung des jungen Armeniers - 04.02.2018 14:55 Uhr

Rund 150 Teilnehmer kamen zur Demonstration auf den Markplatz in Lauf, bei der die gängige Abschiebepraxis des Staats heftig kritisiert wurde. Auch der Neuhauser Helferkreis zeigte sich solidarisch. © Renate Lendl


Organisiert wurde die überparteiliche Kundgebung von der "Bunten Liste" und den Parteien "Die Linke", "Piraten" sowie MUT. Ihre Sprecherin Christine Deutschmann fand deutliche Worte zum Thema Abschiebepraxis. Auf dem Laufer Marktplatz hatten sich Vertreter mehrerer Asylhelferkreise, Hilfs- und Flüchtlingsorganisationen eingefunden. Auch vom Helferkreis Neuhaus waren Mitglieder dabei, um ihre Solidarität mit der Familie des 18-Jährigen zu bekunden.

Ashot war abgeschoben worden, obwohl er als Betreuer für seine schwerstkranke Mutter eingesetzt war. Bei der Demo waren unter anderem auch Mitbewohner aus der Unterkunft in der Neuhauser Postheimstraße (früher Gasthaus Wolfsberg) sowie in Deutschland lebende Bekannte der Familie aus Armenien.

Zeichen der Anteilnahme

"Es ist für uns und die Familie selbst ein großes sichtbares Zeichen der Anteilnahme am Familienschicksal. Aber zugleich auch ein öffentliches Zeichen des Unmutes gegen die bayerische Abschiebepraxis ungeachtet der Einzelschicksale", sagte Ingrid Buchfelder aus Krottensee im Namen des Neuhauser Helferkreises. Ausdrücklich nahm sie in ihrer Kritik das Laufer Landratsamt aus: Von Landrat Armin Kroder (FW) und auch dem örtlichen Landtagsabgeordneten Norbert Dünkel (CSU) erhoffe man sich in den kommenden Tagen Unterstützung, ebenso durch eine von der Landessynode der Evangelischen Kirche Bayern eingereichte Unterschriftenliste, die von 800 Unterstützern getragen wird.

Buchfelder informierte die Zuhörer über das Leben der armenischen Familie in Neuhaus und über die Gründe, warum der Sohn als Betreuer eingesetzt worden war. Die kranken Eltern seien aus humanitären Gründen in Deutschland geduldet. Der einzige Sohn, der sich um Arzttermine und Behördengänge, Einkäufe und vieles mehr kümmerte, wurde am 16. Januar morgens um vier Uhr aus dem Bett geholt und zum Flughafen gebracht.

Ingrid Buchfelder vom Neuhauser Helferkreis hielt auf dem Laufer Marktplatz eine flammende Rede für mehr Gerechtigkeit. © Renate Lendl


"Was für ein Abschied? Eine Familientragödie, die man selber lieber nicht erleben möchte", betonte Buchfelder. Für den Helferkreis war das Vorgehen unfassbar, da die Gruppe aufgrund der Aussage des Rechtsanwaltes hinsichtlich der Betreuung für seine todkranke Mutter und die Verlängerung der Duldung am 22. Dezember 2017 keinerlei Besorgnis hatte.

Der Helferkreis kümmert sich jetzt mit Unterstützung von Hausärztin und Pflegedienst um die Versorgung der todkranken Mutter und die anfallenden Formalitäten. Ihre Schwester ist eigens aus Moskau angereist, wird aber am 11. Februar wieder zurückfliegen. Der Ehemann ist selbst krank und kann die Pflege nicht alleine stemmen. Nach wie vor stehe Ashot von Armenien aus zu fast jeder Tages- und Nachtzeit für Übersetzerdienste über WhatsApp zur Verfügung: für Ärzte, Jobcenter und weitere Behörden, den Pflegedienst, die Asylsozialberatung, den Rechtsanwalt und für den Helferkreis. "Er hat kaum Zeit das Trauma der Abschiebung zu verarbeiten." Gesucht wird aktuell auch ein Betreuer vor Ort.

"Wir hoffen, dass wir durch eine gute Versorgung der Eltern ein klein wenig wieder gut machen können, was unser Staat der Familie angetan hat", erklärte die Krottenseerin.

Trotz aller Rückschläge – die nächste Abschiebung in Neuhaus stehe bevor – appellierte Buchfelder an die ehrenamtlichen Helfer: "Lasst uns weitermachen und kämpfen für mehr Recht und Gerechtigkeit gegenüber menschenrechtsverletzenden Strömungen in unserer Gesellschaft aus der Kraft unserer christlichen Überzeugung heraus.

Für viele aus dem Helferkreis sei das allein der Motor, das Unrecht zu ertragen, den hohen zeitlichen Aufwand zu erbringen und mit Toleranz, Geduld und Barmherzigkeit dieses Ehrenamt auszuüben.

BRIGITTE GRÜNER

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