Freitag, 07.05.2021

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Neuhauser Bürgermeister Josef Springer überzeugt: Thema Wolf wird langwierige Angelegenheit

Josef Springer nahm am virtuellen "runden Tisch" mit dem Umweltminister und dem Landrat teil - 15.03.2021 11:55 Uhr

Josef Springer: Schutz der Menschen hat Priorität.

14.03.2021 © Foto: Archiv/Brigitte Grüner


Hintergrund war unter anderem der Wolf, der Mitte Januar bei Tageslicht durch den Neuhauser Ortsteil Höfen gelaufen war (wir berichteten). Springer hatte sich damals an Umweltminister Thorsten Glauber (FW) gewandt. Nun kam der "runde Tisch" per Videokonferenz zustande. Das Gespräch sei bezüglich der Teilnehmer sowohl von der politischen als auch der fachlichen Seite hoch angesiedelt worden, so der Rathauschef.

Neben dem Umweltminister waren der mittelfränkische Regierungspräsident Dr. Thomas Bauer, Landrat Armin Kroder (FW) sowie Vertreter des Landesamtes für Umwelt und der Höheren Naturschutzbehörde dabei. Aus Neuhaus waren neben dem Bürgermeister die Gemeinderäte Stephan Ertl und Florian Kastner – beide aus Höfen – geladen. Rund 75 Minuten ging es absolut konzentriert zur Sache, berichtete Springer. Allein die Dauer zeige, dass das Thema intensiv erörtert worden sei. 

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Umweltminister Glauber betonte danach: "Es war ein gutes und offenes Gespräch. Beim Umgang mit dem Wolf ist klar: Die Sicherheit der Menschen steht an erster Stelle. Wir müssen in der Region den Blick aber auch auf die Weidetierhaltung richten. Wir lassen die Verantwortlichen und die Bevölkerung in der Region Veldensteiner Forst nicht alleine. Wir kümmern uns um die Belange der Weidetierhalter. Dazu gehen wir gemeinsam mit dem Landesamt für Umwelt und den Regierungen vor."

Dreijähriges Projekt

Insbesondere würden die Bevölkerung über Verhaltensregeln in Bezug auf den Wolf informiert, die Tierhalter bei Herdenschutzmaßnahmen unterstützt und das Monitoring intensiviert. Hierfür stärke das Umweltministerium das lokale Wildtier-Management mit der Finanzierung eines dreijährigen Projekts. 140 000 Euro stünden dafür zur Verfügung.

Nach den Wolfssichtungen im Januar kam es im Umgriff des Veldensteiner Forsts zu konkreten Wolfsrissen an Nutztieren, vor allem Gehegewild, resümiert die Pressestelle des Ministeriums. Glauber appellierte an die Weidetierhalter, von dem Förderprogramm des Freistaats für Herdenschutzmaßnahmen Gebrauch zu machen. 

Um Wolfsrisse bestmöglich zu verhindern, seien gute Herdenschutzmaßnahmen vor Ort erforderlich. Diese könnten mit bis zu 100 Prozent der Kosten gefördert werden. Um die wirtschaftlichen Folgen abzumildern, werden Schäden durch Wolfsrisse vollumfänglich ausgeglichen. 

Gemeinsam mit den betroffenen Regierungen und den Landwirtschaftsämtern werde das Beratungsangebot noch weiter verbessert, versprach der Minister. Im Umgriff des Veldensteiner Forsts seien bereits Maßnahmen ergriffen worden. Dazu zähle die vollständige Erfassung von Tierhaltungen im Freien und eine Aufklärung der Bevölkerung.

Beim "runden Tisch" ging es vor allem um die Sichtungen in Höfen und Mosenberg, berichtete Springer. Es sei ein prinzipieller Unterschied, ob Wölfe in der Nacht aktiv seien oder tagsüber durch die Ortschaft liefen. "Es ist ganz klar, dass sich die Bevölkerung durch die Anwesenheit von Wölfen im Dorf – insbesondere für ihre Kinder – bedroht fühlt." Dies wurde bei der Videokonferenz deutlich kommuniziert. 

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Aus zahlreichen Gesprächen weiß der Neuhauser Bürgermeister auch, dass sich viele Menschen – sei es als Jogger oder Spaziergänger – im Veldensteiner Forst nicht mehr wohl fühlten. Das Thema "Wolf" greife in zahlreiche Lebensbereiche ein. Von seiner Seite aus wurde verdeutlicht, dass man es hier mit einem Raubtier zu tun hat, das im Team arbeitet und über klare soziale Strukturen verfügt.

Die naturschutzrechtliche Bezeichnung "großer Beutegreifer" beschreibe diesen Fakt nur unzutreffend. Der Veldensteiner Forst stelle mit 70 Quadratkilometern ein relatives kleines Gebiet als Revier für ein Wolfsrudel dar. Die nahen Truppenübungplätze sind zusammen rund 390 Quadratkilometer groß. Dies habe sowohl Auswirkungen auf die Nahrungsquelle als auch auf den Abstand zu menschlicher Bebauung. 

Das Landesamt für Umwelt hat derweil einen runden Tisch "Veldensteiner Forst" am 19. März als Videokonferenz anberaumt. Darin geht es unter anderem um Verhaltensregeln und um einen Meldeweg bei Wolfssichtungen und -vorkommnissen. Bezüglich der häufig geforderten Bejagung stellte das Ministerium klar: "Die Rechtslage beim Wolf ist klar. Die Länder haben keine Möglichkeit, von den strengen Schutzvorgaben der EU und des Bundes abzuweichen."

Nach Springers Einschätzung wurde beim runden Tisch klar herausgearbeitet, dass man in der Region in eine neue Stufe des Zusammenlebens "Mensch und Wolf" eingetreten sei. Dies stelle die Behörden vor neue Herausforderungen, denen zum Schutz der Bevölkerung Rechnung getragen werden müsse.

BRIGITTE GRÜNER

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