Dienstag, 20.10.2020

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Neuhauser Gemeinderat will Elektrifizierung

Nach dem KKT-Ausschuss diskutierte auch das kommunale Gremium über Varianten der Stromtrassenführung. - 17.09.2020 14:55 Uhr

Die Bahnlinie durch das Pegnitztal in Richtung Bayreuth oder Nürnberg und damit auch der Bahnhof (Bild) gehören für den Markt Neuhaus zur wichtigen Verkehrsinfrastruktur.

© Foto: Brigitte Grüner


Eigentlich hatte sich erst in der vergangenen Woche der Ausschuss für Kommunikation, Kultur und Touristik (KKT) eingehend mit dem Thema beschäftigt (die NN berichteten). Einig waren sich alle Kommunalpolitiker bereits bei der ersten Vorstellung der von der Bahn vorgeschlagenen Trasse, dass Strommasten auf dem Grottenberg oberhalb von Krottensee abgelehnt werden.

Der KKT-Ausschuss hatte drei Varianten ausgearbeitet, die bei der Deutschen Bahn als alternative Trassen für den Raum Neuhaus eingereicht werden sollen. Elmar Hayn vermisste "die grüne Variante". Seine Partei hatte den Bau der Strommasten entlang der B 85 angeregt. Die vom KKT-Ausschuss genannten Möglichkeiten führen teilweise durch Naturparkgebiet.

Norbert Linnert (SPD), der an den angebotenen Online-Veranstaltungen teilgenommen hatte, zeigte sich enttäuscht von der Bahn. Unter anderem habe ein Sprecher die Möglichkeit der Einspeisung aus dem öffentlichen Netz gleich abgelehnt, obwohl dies in anderen Regionen so gehandhabt werde.

Er finde, dass der Anschluss an vorhandene Umrichterwerke für die Bahn günstiger sei als der Bau einer viele Kilometer langen Stromtrasse. Linnert plädierte für eine gemeinsame Stellungnahme mit den Nachbargemeinden. Dies habe mehr Gewicht, so der SPD-Mann.

Das meinte auch Sabine Richter (CSU). Sie verlangte eine genaue Begründung der Bahn, warum die Nutzung des öffentlichen Stromnetzes nicht möglich sei. Der Rathauschef meinte, dass eine vollständige Abstimmung mit den Nachbarkommunen nicht nötig sei. "Wir müssen unsere Hausaufgaben selbst lösen."

Matthias Kipfer (BNU) nannte eine Stromleitung entlang der Bahnlinie die "schlechteste mögliche Variante". Er finde, dass der Schutz des Menschen vor dem Schutz der Natur stehe. Eine Trasse durch ein Naturschutzgebiet wäre besser als entlang bewohnter Ortschaften.

Das erforderliche Raumordnungsverfahren wird die Bahn ab 2021 durchführen. Aktuell sei deshalb nur ein offener Dialog möglich, so der Bürgermeister. Jede Gemeinde, aber auch jeder Bürger kann bis zum 30. September Einwände oder Anregungen machen.

Der Marktrat fasste nach 50-minütiger Diskussion schließlich einstimmig den Beschluss, eine Liste von Feststellungen, Einwendungen und Vorschlägen zum geplanten Verlauf der Bahnstromtrasse im Gebiet des Marktes einzureichen. Die Skizzierung der drei Alternativvorschläge der Gemeinde wird weitergeleitet mit dem Hinweis, dass die Reihenfolge von 1 bis 3 der Priorisierung seitens des Gemeinderates entspreche.

Folgende Vorschläge macht die Gemeinde Neuhaus: Die Trasse soll vom Ortsteil Bärnhof weiter nach Osten abgerückt werden. Der Trassenvorschlag unterhalb des Grottenberges wird seitens des Marktgemeinderates abgelehnt.

Auch hier wäre eine Verschiebung nach Osten besser. Mit der Führung einer 110 kV-Leitung entlang der bestehenden Bahnlinie besteht aus Sicht der Marktgemeinderates ebenfalls kein Einverständnis.

Der Markt Neuhaus regt zudem an, eine Wiederinbetriebnahme des Bahnhofs Mosenberg zu prüfen. "Für den Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs wäre dies ein wichtiger Schritt", so die Stellungnahme. In den Gemeinden Hof-Unterkotzau und Nürnberg-Gebersdorf bestehen Umformerwerke, über die öffentlicher Strom in die Bahnversorgung eingespeist wird. Neuhaus beantragt eine Überprüfung, ob auch durch die Einspeisepunkte Schnabelwaid und Pommelsbrunn eine dezentrale Stromversorgung aus dem öffentlichen Netz hergestellt werden kann.

Thema auf der Tagesordnung war auch die Elektrifizierung der Bahnstrecke Nürnberg-Marktredwitz. Das Eisenbahnbundesamt teilte dazu mit, dass vor Beginn des Planfeststellungsverfahrens ein so genanntes Scoping-Verfahren durchgeführt wird. Dadurch wird der vorläufige Untersuchungsrahmen des zu erarbeitenden Umweltverträglichkeitsberichts festgelegt.

Elmar Hayn (Grüne) schlug vor, Informationen dazu auf der Internetseite der Gemeinde zu veröffentlichen. Bürgermeister Springer bedauerte, dass bislang noch nicht einmal ein Mitglied des Marktrats die Unterlagen im Rathaus eingesehen habe.

BRIGITTE GRÜNER

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