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Neuhauser Grünen-Bürgermeisterkandidat will faire Kommune

Schulneubau bleibt in Neuhaus das große Thema. - 05.02.2020 08:55 Uhr

Die Planungen ziehen sich in die Länge und die Finanzierung des Neubaus der Grundschule an der Königsteiner Straße ist für die Marktgemeinde keine leichte Aufgabe.


Josef Springer, CSU

)Für die CSU kandidiert zum dritten Mal Josef Springer. Er ist Diplomverwaltungswirt (FH), 62 Jahre alt, verheiratet und hat zwei erwachsene Söhne. Seit 1996 ist Springer Marktgemeinderat, seit 2007 Zweiter und seit 2008 Erster Bürgermeister. Seit 2016 ist Springer auch Mitglied des Kreistags.

Josef Springer: Finanzen sind knapp. © Foto: privat


Fünf Dinge: Neubau der Grundschule mit Turnhalle und Hort, Modernisierung der Kläranlage, Kindertagesstätte/Raumbedarf, Breitband und Bahnhof. Übrigens laufen diese Projekte schon in den unterschiedlichen Stufen. Es ist laut Springer nur so, dass aufgrund der komplexen Planungsanforderungen und notwendigen finanziellen Ressourcen entsprechende zeitliche Vorläufe erforderlich sind, bevor in die eigentliche Bauphase eingestiegen werden kann. Nach der Umsetzung ist dann allerdings sichergestellt, dass das jeweilige Thema für die nächsten 20 oder 30 Jahre erledigt ist.

Feuerwehrhaus Höfen: Ich bevorzuge in diesem Punkt Klartext. Die Frage ist eigentlich einfach beantwortet: Es fehlt schlicht das Geld dafür. Die Kostenschätzung für das Feuerwehrhaus Höfen beläuft sich auf rund 450 000 Euro. Abzüglich Förderung und Eigenleistungen der Feuerwehr besteht laut Springer ein Geldbedarf von 330 000 Euro. Die vorhandenen Altproblemfälle (Wasserversorgung, Kläranlage Höfen, Brücke Hammerschrott, Schulgebäude) binden augenblicklich nahezu alle Finanzmittel.

Die Pro-Kopf-Verschuldung beträgt aufgrund der durchgeführten Investitionen mittlerweile rund 1450 Euro und kann nicht endlos gesteigert werden. Zudem steht der Schulneubau mit 5,2 Millionen Euro an und im Kindergarten zeichnet sich ein erhöhter Platzbedarf (Erweiterung) ab. Vom Landratsamt als Rechtsaufsichtsbehörde wurde bereits bei der letzten Kreditaufnahme klar gemacht, dass bei weiteren Kreditaufnahmen eine neue Gegenfinanzierung bei den gemeindlichen Einnahmen erfolgen muss.

Das Feuerwehrhaus Höfen wurde mehrfach im Marktgemeinderat besprochen und auch direkt zwischen Bürgermeister, Fraktionssprecher mit der Feuerwehrführung diskutiert. Wie dies neben den anstehenden Projekten finanziell realisiert werden soll, konnte niemand darstellen. Für die Feuerwehr Höfen ist die Situation bedauerlich, aber im Moment nicht änderbar.

Grundschule: Einen Neubau mit einem Kostenvolumen von 5,2 Millionen gibt es von der Planungsseite her nicht von der Stange und außerdem ist die Finanzierung für eine Gemeinde unserer Größe eine enorme Herausforderung. Zum derzeitigen Stand: Die Vorplanung ist erstellt und vom Marktgemeinderat beschlossen. Es schließt sich jetzt für die Vergabe der weiteren Architektenleistungen ein so genanntes VgV-Verfahren in der Form einer öffentlichen Ausschreibung an. Zuschussfragen und die weiteren Planungsschritte sollen nach unserer Zeitschiene bis Ende 2020/Anfang 2021 abgeschlossen sein. Ich bin eigentlich optimistisch, mit dem Bau 2021 beginnen zu können.

Bahnhofsgebäude: Das Bahnhofgebäude ist von der Nutzung her ein schwieriges Objekt. Man muss klar sehen, dass es direkt neben einer Hauptverkehrsstrecke der Eisenbahn liegt. Die Lärm- und Erschütterungssituation machen aufgrund dieser Voraussetzungen eine allgemeine Wohnnutzung schwierig. Um dies näher beurteilen zu können, wurden von der Marktgemeinde entsprechende Lärm- und Erschütterungsgutachten eingeholt. Ob sich eine Wohnnutzung mit vertretbarem Aufwand bewerkstelligen lässt, ist offen. Ein Nutzungsgutachten mit dem Ziel der Revitalisierung und Sanierung des Bahnhofes soll in diesem Punkt Klarheit schaffen und auch Alternativmöglichkeiten aufzeigen. Das Nutzungsgutachten dürfte bis Frühjahr 2020 vorliegen. Wie dann die finanzielle Seite bewerkstelligt werden kann, bleibt abzuwarten.

Wahlchance: Mein Gefühl aus der Bevölkerung ist eigentlich recht gut. Erfolgreiche Politik für die Menschen beginnt nach meiner Meinung mit dem Betrachten der Wirklichkeit und einer klaren Vorstellung von Zukunft. Ich glaube, dass die solide Arbeit und der engagierte Einsatz während meiner zwölfjährigen Amtszeit anerkannt und geschätzt wird.

Elmar Hayn will eine faire Kommune. © Foto: privat


Elmar Hayn, Grüne

Für die Grünen tritt Elmar Hayn als Herausforderer in Neuhaus an. Er ist gelernter Bankkaufmann und Diplomkaufmann, derzeit Vorstand einer ökologisch-sozialen Wohnungsgenossenschaft und selbständiger Unternehmensberater. Er ist 49 Jahre alt, geschieden und hat vier Kinder. Er ist Schatzmeister der Grünen Nürnberg seit 2008 und Mitglied im Finanzgremium der Grünen Bayern seit 2012.

Fünf Dinge: Hayn will bei Entscheidungen im Gemeinderat Umweltaspekte mit in den Fokus rücken. Nachdenken über die (Umwelt-)Folgekosten von Entscheidungen sei dringend erforderlich. Transparenz und Bürgerbeteiligung sind ihm besonders wichtig. Wem klar ist, warum Entscheidungen getroffen werden, der zeigt in der Regel Verständnis und das ist meist größer, wenn man eingebunden ist.

Neuhaus wird laut Hayn faire Kommune. Die Gemeindeverwaltung wird klimaneutral bis 2030 und geht so mit gutem Beispiel voran, die Pariser Klimaziele zu erreichen. Ein weiteres Ziel sei die Gründung einer Bürgerenergiegenossenschaft zu ermöglichen, um die dezentrale Energieversorgung auf Basis erneuerbarer Energien für die Gemeinde sicherzustellen.

Feuerwehrhaus Höfen: Seit 2008 mindestens macht die Feuerwehr Höfen auf untragbare Zustände im Gerätehaus aufmerksam. Warum sich so lange nichts tut, ebenso wie bei der seit rund 16 Jahren laufenden Dorferneuerung Höfen, erschließt sich Hayn eigenen Angaben zufolge nicht wirklich. Er würde versuchen die Höfener Feuerwehr und Bewohner zu beteiligen und den tatsächlichen Bedarf erheben. Sobald die praxistauglichen Fakten auf dem Tisch liegen, würde ich in Abstimmung mit allen Beteiligten einen Investitionsplan erstellen und die Projekte priorisieren. So wüsste jeder, wann etwas umgesetzt wird. Das ist eine ganz normale Vorgehensweise, die ich in meiner langjährigen Projektarbeit als Unternehmensberater praktizierte.

Grundschule: Ich hoffe sehr, dass der Neubau der Schule nicht so lange dauert, dass die Planungsgrundlagen wie zum Beispiel die Entwicklung der Schülerzahlen wieder überholt sind. Bei der Berücksichtigung des klimaneutralen Baus und Nutzung sehe ich aber durchaus noch Verbesserungspotenzial. Diese "Nachdenkzeit" sollte man sich für die nachfolgenden Generation auf jeden Fall noch nehmen.

Bahnhofsgebäude: Ich spreche mich für eine baldige Nutzung des Gemeindeeigentums aus, über das wann und wie entscheidet letztlich der Gemeinderat. Wir Grünen haben durchaus die eine oder andere Idee, wie man die zentrale Anlaufstelle für Gäste, die mit der Bahn kommen, sinnvoll nutzen kann. Neben einer Wohnnutzung, bietet sich hier beispielsweise auch so etwas wie eine Touristeninformation der Frankenpfalz an, die nicht unbedingt von Montag bis Freitag von 8 bis 13 Uhr besetzt sein muss, sondern vielleicht auch dann, wenn die meisten Gäste fragesuchend umherirren.

Wahlchance: Ich ziehe den Vergleich zum Fußball. Der Amtsinhaber ist — wie Bayern München — meistens der Favorit und der Herausforderer hat — wie der Club — Außenseiterchancen im direkten Vergleich. Dass auch mal der Außenseiter siegen kann, haben wir in der Winterpause in einem Testspiel eindrucksvoll erleben dürfen. Hayn betont seine beruflichen Erfahrungen im Finanzbereich und in der Projektarbeit sowie seine Fähigkeit, sich schnell in neue Themenbereiche einarbeiten zu können. Die jahrelange Erfahrung in den Parteigremien und die persönliche Vernetzung bis in den Bundestag hinein, wo auch über die finanzielle Ausstattung der Kommunen entschieden wird, sei ein weiterer Vorteil.

nn

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