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Nicht allen Betrieben geht es in der Krise schlecht

Manche Handwerker haben immer noch Vollauslastung. Auswirkungen auf ihre Arbeit hat Corona trotzdem. - 27.05.2020 10:31 Uhr

Manche Aufträge können nicht warten: Hier sieht man Mitarbeiter von Martin Lenk, wie sie nach dem Brand beim Autohaus Kotzbauer ein Notdach errichten. Darauf angewiesen wäre die Firma nicht: Lenk hat wie manch anderer Kollege Vollauslastung. © Foto: Frank Heidler


Mitte März wurden bei Martin Lenk zwei Aufträge storniert. "Ich dachte schon, jetzt kommt eine Lawine", sagt der Pegnitzer Dachdeckermeister und meint eine Flut an weiteren Absagen bedingt durch Corona. Doch es blieb bei diesen zwei Stornierungen. Einen Ausfall hatte Lenk trotzdem: "Der Vater eines Mitarbeiters hatte Corona. Also haben wir den Mitarbeiter heim geschickt und alles desinfiziert, wo er sich aufgehalten hatte."

Das war es mit dem Leiden durch Corona. Lenks Auftragsbücher sind voll, was gut zu den Berichten der Handwerkskammer (HWK) Oberfranken passt: Während andere Branchen unter den Auswirkungen heftig zu knabbern haben, sieht es für Bauhandwerk und Ausbauhandwerk weiterhin gut aus. Vielleicht auch, weil Kunden dem Aufruf von Thomas Zimmer folgten: "Nutzen Sie jetzt die freien Kapazitäten unserer Handwerksbetriebe vor Ort, um Ihre Arbeiten und Pläne mit den Betrieben umzusetzen", riet der HWK-Präsident für Oberfranken in einer Mitteilung.

Auswirkungen auf den Arbeitsalltag hat das Virus natürlich trotzdem: Wenn Lenk eine Ortsbegehung gemacht hat, stieg er alleine aufs Dach der Garage und ließ dem Eigentümer dann den Kostenvoranschlag zukommen beziehungsweise erfolgte die Angebotsbesprechung telefonisch. Eine zehnseitige Anleitung des Landesinnungsverbands der bayerischen Dachdecker brachte er seinen Angestellten mit Sicherheitsabstand in der Halle näher. "Auf dem Dach ist es aber für die Mitarbeiter bei manchen Arbeiten schwierig, den Abstand von 1,5 Metern zueinander einzuhalten", gibt Lenk zu bedenken.

 

Eher zu viele Aufträge

Dass es mit dem Abstand so eine Sache ist, weiß auch Markus Löhr, Geschäftsführer von Löhr Sanitär- und Heizungstechnik GmbH in Pottenstein. Das betrifft in seinem Fall aber die Kunden. "Wenn meine Mitarbeiter beispielsweise das Bad neu machen, müssen sie den Leuten oft sagen, dass sie Distanz halten sollen." Aber sonst? Die Arbeit läuft mit Mundschutz und Handschuhen und ist nicht weniger geworden. "Wir haben 100-prozentige Auslastung, es sind eher noch zu viele Aufträge", sagt Löhr.

Auch Siegfried Neukam, Chef der Neukam Heizung Sanitär GmbH in Auerbach, und seine 14 Monteure haben weiterhin alle Hände voll zu tun — allerdings sind es manchmal weniger Hände als es Neukam lieb ist. "Jetzt wird es etwas besser, aber in der Spitze haben mir 60 Prozent meiner Mitarbeiter gefehlt, weil sie aufgrund der Kinderbetreuung ausgefallen sind."

Dann mussten und müssen seinerseits Aufträge storniert werden, was nicht alle Auftraggeber gut finden. "Die meisten Kunden haben Verständnis, aber es gibt schon welche, die verärgert sind", sagt Neukam. Er verfährt nach dem Prinzip "was unbedingt erledigt werden muss, hat Vorrang".

Das betrifft auch die Arbeiten in Altenheimen. Hier genügt es nicht, wenn die Handwerker Mundschutz und Handschuhe tragen. "Sie dürfen die Heime nur in einem Schutzanzug betreten." Das tun sie, wenn der Auftrag nicht aufgeschoben werden kann. Ein Heim in der Region, wo ein paar Waschbecken ausgetauscht werden müssen, wird auf die Erfüllung dieses Auftrags allerdings noch warten müssen, bis sich die Lage normalisiert. Wann das sein wird? Neukam ist skeptisch und befürchtet die zweite Corona-Welle: "Man sieht jetzt bei den Lockerungen, dass viele Menschen schnell leichtsinnig werden."

Pools sind gefragt

Landschaftsbauer Jürgen Meyer, Chef der Pegnitzer TRH Meyer GmbH, hat die Corona-Auswirkungen zumindest in der Bauoase zu spüren bekommen, die er in Auerbach betreibt. "Während die Läden geschlossen haben mussten, durften wir nur Geschäftskunden bedienen", sagt Meyer, "deshalb musste ich meine dort beschäftigten Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken." Draußen, in den Gärten, brummt das Geschäft weiterhin. "Man merkt, dass die Leute Zeit hatten, sich etwas zu überlegen", sagt Meyer. Besonders gefragt — wohl auch wegen der Unsicherheit, wie Schwimmbäder diese Saison genutzt werden können — sind Pools. "Wenn jetzt der Auftrag kommt, können wir sie aber aufgrund der Auftragslage erst in zwei oder drei Jahren einbauen. Und dann können sich die Lage und die Wünsche der Kunden längst geändert haben."

MARCEL STAUDT

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