16°

Donnerstag, 24.09.2020

|

"Nicht mehr ausreichend standsicher": In Pegnitzer Friedhöfen wackeln Grabsteine

Auf Grabanlagen der städtischen Friedhöfe wird mit gelben Aufklebern auf die Gefahr hingewiesen. - 12.08.2020 15:21 Uhr

Gelbe Aufkleber auf Grabsteinen weisen darauf hin, dass auf dem Neuen Friedhof in Pegnitz und auf dem Friedhof in Bronn Unfallgefahr herrscht. Die Standfestigkeit ist nicht mehr garantiert. Leichtere Grabsteine wiegen ungefähr 200 Kilogramm, bei Familiengräbern können die Steine bis zu einer Tonne schwer sein.

© Foto: Richard Reinl


Auf dem Neuen Friedhof an der Winterleite und dem Friedhof in Bronn stechen den Besuchern derzeit leuchtend gelbe Aufkleber an den Grabsteinen ins Auge. "Dieses Grabmal ist nicht mehr ausreichend standsicher", ist darauf zu lesen. Der Nutzungsberechtigte wird gleichzeitig aufgefordert, "das Grabmal unverzüglich fachgerecht befestigen zu lassen". Die Stadt Pegnitz weist zudem auf die Pflichten und das Haftungsrisiko hin. An einzelnen Grabsteinen sind Latten angebracht, um diese zu stützen und ein Umkippen zu verhindern.

Betroffene Bürger haben sich nach der Aufforderung der Stadt an die Pegnitzer Firma Womser gewandt. Der Steinmetzbetrieb hat in den vergangenen Jahrzehnten die meisten der Grabsteine aufgestellt. Doch die Telefonanrufe wurden automatisch an den Auerbacher Steinmetzbetrieb Horn weitergeleitet, der seit Anfang des Jahres mit Womser zusammenarbeitet und drei Mitarbeiter und einen Lkw von Womser übernommen hat. Manche Kunden verweisen auf den Gewährleistungsanspruch, da die monierten Grabsteine noch nicht lange stehen würden.

Firmenchef Michael Horn sind derzeit noch die Hände gebunden. Er könne nichts tun, solange die Stadtverwaltung die betroffenen Grabbesitzer noch nicht angeschrieben hat, betont er gegenüber den Nordbayerischen Nachrichten. Dies sei tatsächlich noch nicht erfolgt, so Stefan Reichel, der bei der Stadt Pegnitz für das Bestattungswesen zuständig ist. Reichel gibt als Grund für die Verzögerung die Coronapandemie an.

Horn erklärt, er müsse den offiziellen Weg gehen und könne der Firma Womser nicht vorgreifen. "Das ist kein Wegducken, aber wir möchten, dass es richtig läuft." Das heißt, er benötigt die Grabnummer, um sich dann jeden Grabstein anzuschauen.

Individuelle Prüfung

Erst nach dieser individuellen Prüfung könne gesagt werden, ob ein Gewährleistungsanspruch vorliegt oder nicht. In der Regel seien es natürliche Ursachen, die einen Grabstein ins Wackeln bringen, so Horn. Wasser könne unter dem Stein gefrieren und das Fundament beschädigen und lockern.

Der Auerbacher Bestattungsunternehmer Jürgen Rupprecht nennt weitere Gründe, die einen Grabstein ins Wanken bringen können: "Särge brechen zusammen; es bildet sich dann ein Hohlraum. Das Fundament könne sich dann verschieben. Kein Steinmetz kann dann was dafür", sagt Rupprecht. Nach starkem Regen könne auch Erde in den Hohlraum sacken. Das Erdreich sei weich und nicht stabil.

Natürliche Ereignisse

Auch Reichel bestätigt, dass es meist "natürliche Ereignisse" seien, die die Standfestigkeit eines Grabsteins bedrohen. "Es muss kein Fehler des Steinmetz‘ sein. Wasser friert im Winter auf, und es können Lockerungen entstehen." Deshalb werde auch regelmäßig einmal im Jahr geprüft, ob die Steine in den beiden städtischen Friedhöfen in Pegnitz und Bronn noch fest verankert sind. Die Überprüfung findet immer nach der Frostperiode statt.

Zwei Mitarbeiter des städtischen Bauhofs, die einen Sachkundelehrgang absolviert haben, kontrollieren die Standfestigkeit der Grabmalanlagen. "Das Ganze soll hieb- und stichfest sein", sagt Reichel.

Das Prüfen mit der Hand ("Rüttelprobe") wird auf den städtischen Friedhöfen nicht mehr praktiziert. Der Verband der Friedhofsverwalter Deutschland erklärt dazu: "Bei einer Beanstandung einer Prüfung ist es jedoch schwierig nachzuweisen, dass eine korrekte Prüfung stattgefunden hat. Daher sollt man die Handprüfung als Vorkontrolle anwenden."

Die Bauhofmitarbeiter verwenden ein Prüfgerät. Das setzt man am Grabstein an und drückt dagegen. Die Prüflast beträgt 300 N an der Oberkante des Grabmals. Sobald die Last erreicht ist ertönt ein Ton. "Wenn bis zu dem Ton keine Bewegung festgestellt wird, ist der Grabstein standsicher", sagt Reichel.

Wie viele Grabanlagen in diesem Jahr in Pegnitz als nicht standsicher klassifiziert wurden, kann Reichel noch nicht sagen. "Für eine statistische Auswertung hat mir bisher die Zeit gefehlt."

Alte Menschen stützen sich ab

Der Aufkleber werde aus Gründen der Wegsicherungspflicht angebracht. Es geht darum, sich vor möglichen haftungsrechtlichen Ansprüchen abzusichern. Manchmal würden sich alte Menschen an Grabsteinen abstützen. "Dass dann jemand mit dem Ding umfällt, dass möchte keiner", sagt Stefan Reichel. "Der Grabbenutzer ist verantwortlich", ergänzt Michael Horn.

HANS-JOCHEN SCHAUER

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Pegnitz