Dienstag, 13.04.2021

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Nitzlbuch: Wie eine Gemeinschaft um den Erhalt eines Schützenheimes kämpft

Bleibt den Nitzlbuchern das Schützenheim und der Schützenverein erhalten? - 25.11.2020 14:55 Uhr

Zukunft gesucht: Eine örtliche Interessengemeinschaft bemüht sich nach Kräften, den Verein Unter Uns und das Schützenheim in Nitzlbuch zu erhalten. Beide sind nach der Eröffnung des Insolvenzverfahrens gefährdet.

24.11.2020 © Foto: Brigitte Grüner


Viele Stunden haben einige langjährige Mitglieder von Unter Uns Nitzlbuch überlegt und um ein zukunftsfähiges Konzept gerungen. Die IG-Mitglieder sind seit ihrer Jugend im Verein. Das Schützenheim ist für sie ein Stück Heimat und Identität der "alten Gmoi". Dass vom aktuellen Vorsitzenden Josef Geyer die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt wurde, ist für sie nicht ganz nachvollziehbar. Mit aktuell gut 65 000 Euro Schulden wäre der Verein mit gutem Willen zu retten gewesen, findet Armin Griesbeck und sagt: "Es hätte nicht sein müssen."

Momentan wird vieles über das Büro des Insolvenzverwalters abgewickelt. Das Schützenheim wurde im Internet bereits zum Verkauf angeboten. Für das Gebäude mit Gastronomie und Schießstand sowie gut 6500 Quadratmetern Grund ist ein Kaufpreis von 149 000 Euro angesetzt.

Rechtsanwalt Dr. Jochen Zaremba hat sich erst vor wenigen Tagen an alle Mitglieder gewandt und bestätigt, dass der Verein mit Eröffnung des Insolvenzverfahrens kraft Gesetzes aufgelöst wird. Um dies zu verhindern, muss sich die Mitgliederversammlung noch vor der Eröffnung ausdrücklich gegen eine Auflösung aussprechen. Da eine Versammlung vor Ort wegen der Corona-Pandemie aktuell nicht möglich ist, bekamen alle Mitglieder einen Stimmzettel. Nur wenn die Mehrheit für den Fortbestand des Schützenvereins Unter Uns votiert, kann der Verein saniert und das Schützenheim erhalten werden. Genau diese Ziele hat die Interessengemeinschaft. Es gehe ihnen unter die Haut, mitzuerleben, dass das Vereinsheim verloren geht.

Und deshalb haben sie etwas unternommen. Es wurde ein Konzept ausgearbeitet, wie es mit dem Verein und dem Schützenheim weitergehen könnte. Dazu gehören Ideen zur Nutzung der Räumlichkeiten, aber vor allem auch ein Finanzkonzept. Die IG hat ein Treuhandkonto eröffnet, auf das Spenden der Dorfgemeinschaft gebucht werden. Die Männer wollen versuchen, zumindest eine Teilablösung der Verbindlichkeiten zu ermöglichen. Mit der Bank soll über neue Modalitäten der Kreditrückzahlung – niedrigere Raten wären gewünscht – verhandelt werden.

Breitere Basis

Höhere Mitgliedsbeiträge sind ebenfalls angedacht, um das Eigenkapital zu erhöhen. Die IG möchte den Verein breiter aufstellen und dies im künftigen Namen kommunizieren. "Dorf- und Spielgemeinschaft Unter Uns" ist da eine Idee, "Sport- und Freizeitgemeinschaft Unter Uns" eine andere. Schießsport soll natürlich weiterhin zum Programm gehören.

Schießleiter und Standaufsichten müssen noch ernannt oder ausgebildet werden. Zum Konzept gehört auch die aktive Werbung neuer Mitglieder. Erst am Montag haben wieder drei Interessierte unterschrieben.

Neue Mitglieder sind dringend nötig, um die schon erfolgten Austritte zu kompensieren. Manchen wurde der Schriftverkehr wohl zu viel: Brief vom bisherigen Vorsitzenden, Schreiben von der Insolvenzverwaltung und so weiter nervten offenbar. Einige, meist passive Mitglieder hätten "kalte Füße" bekommen und gekündigt – auch weil sie Bedenken hatten, irgendwann im Zuge des Insolvenzverfahrens mit haftbar gemacht zu werden. "Niemand haftet mit dem Privatvermögen", betonen die IG-Sprecher. Dies sei offenbar falsch verstanden worden.

Das Konzept für die Zukunft des Vereins und des Schützenheimes liegt dem Insolvenzverwalter bereits vor. In Kürze soll ein Vorschlag für einen Vereinsvorstand eingereicht werden. In der Interessengemeinschaft wurden die personellen Fragen ebenfalls gründlich erörtert. Schließlich hatten in der letzten Mitgliederversammlung Ende September mehrere Vorstandsmitglieder ihren Rücktritt angekündigt. Potenzielle Nachfolger stünden aber bereits in den Startlöchern.

Angst vor "dubiosen Käufern"

In Sachen Vereinsheim ist die Geldfrage eines der großen Themen. Der Verein ist verschuldet, Investitionen im Haus wären aber nötig. Die Interessengemeinschaft möchte sich das Schützenheim nicht "für ein Butterbrot" von einem Investor wegnehmen lassen. Es geht die Angst um, dass "dubiose Käufer" das Gebäude mit der funktionierenden Schießbahn erwerben könnten. Lieber solle selbst investiert werden, um es im Eigentum des Vereins zu belassen und damit für das gesamte Dorf zu erhalten. Zu diesem Zweck wurde eben das Treuhandkonto eröffnet. Erste Einzahlungen in fünfstelliger Höhe klingen vielversprechend.

Das so gesammelte Geld werde ausschließlich zur Rettung des Schützenheims eingesetzt, betont Manfred Guttenberger. Sollten die Beträge nicht reichen und eine Rettung des Schützenheimes nicht möglich sein, würden sie zurücküberwiesen: "Das ist kein Opfer, sondern eine Investition für uns und die nächste Generation." Schließlich sei das Schützenheim noch 2017 mit 350 000 Euro bewertet worden. Die IG-Sprecher betonen: "Wir sollten nicht gegeneinander arbeiten, sondern miteinander."

BRIGITTE GRÜNER

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