Sonntag, 19.01.2020

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NN-Aktion: Keine Kraft mehr, um zum Arzt zu gehen

Ältere Frau leidet unter inneren Blutungen. Auch sie wird wie andere kranke Menschen von der NN-Aktion "Schmücken & Helfen" unterstützt. - 21.12.2019 10:55 Uhr

Iris Hofmann (2.v.r.) und ihre Mitarbeiterinnen Lorna Zimmermann (l.) sowie Kearra Brown (2.v.l.) vom Friseurgeschäft „Trendraum“ in Creußen spendeten ihr Trinkgeld von 530 Euro für die NN-Aktion „Schmücken & Helfen“. Rechts Thomas Knauber. © Foto: S. Karna


Da ist zum Beispiel eine schmale ältere Frau in einem Altbau. Keiner sieht ihr an, was sie alles hinter sich hat. Sie wuchs im Ausland auf, kam als lebendiges, neugieriges Mädchen zurück und stürzte sich – wie ihr Vater – in zig Vereine. Beruflich kam sie erst in die Altenpflege, dann zum Roten Kreuz. Von daher hat sie viel medizinisches Wissen, was ihr hilft, die danach immer geballter auftretenden Krankheiten zu verstehen.

Jüngst war es wieder so weit: Vollkommene Schwäche. Keine Kraft mehr, um zum Arzt zu gehen. Die Diagnose: Innere Blutungen. Verursacht, so fand sie heraus, weil man ihr ein neues Mittel zur Blutverdünnung verschrieben hatte, das angeblich verschiedene Vorteile hatte. Aber im Internet warnten die Patienten: Es verursacht Todesfälle.

Die Frau hörte von ihrem Arzt: "Sofort ins Krankenhaus, "sonst sind Sie in zwei Tagen tot." Er wollte den Krankenwagen rufen, aber sie wehrte sich mit Händen und Füßen. Lieber ein Taxi. Denn sie war schon mal im Krankenwagen gefahren worden, nach einem Darmdurchbruch. Bei dem Transport fiel sie damals ins Koma. "Ich bin aufgewacht mit den ganzen medizinischen Geräten an mir dran. Ich hab nicht gewusst warum."

"In unserer Familie haben wir eine Veranlagung für Krebs", sagt sie. Auch davon war sie betroffen. "Wir lassen also nichts aus." Sie kann genau zuordnen, welche Großeltern was vererbt haben. Dazu gehört auch ein schubhaft auftretendes Kopfweh. Andere wären vielleicht längst eingeknickt, aber sie sieht der Zukunft tapfer entgegen. Allerdings möchte sie nicht wie ihr Vater enden, der nach einem kunterbunten Leben mit künstlichem Sauerstoff am Leben erhalten wird. Sie will sterben, nicht verlängern. "Jedes Tier kann bei uns würdiger aus dem Leben gehen. Es wird eingeschläfert. Nur wir Menschen müssen uns monatelang mit Schmerzen herumquälen."

Vergewaltigung als Kind, Scheidung, Depression

Eine andere Frau hat schon jetzt, Mitte 50, überall Schmerzen. "Sie können sich das nicht vorstellen", sagt sie. "Ich hab aber auch die ganze Palette erlebt: Vergewaltigung als Kind, Schicksalsschläge, Scheidung, Depression." Sie vermutet, dass es psychische Schmerzen sind. Sie verstärkten sich, als ihre Mutter starb. Mit ihr war sie tief verbunden, sie gab ihr in jeder Notlage ein kleines Glücksgefühl. Anders der Vater, der kaum Gefühle zeigte. "Für ihn war es immer genug gekümmert, wenn ich warm angezogen war und zu essen hatte."

Diese Frau machte sich früh auf den Weg, ihre inneren Blockaden zu erkennen und aufzulösen. "Ich bin schon weit gekommen", sagt sie. "Ich hab jetzt wieder ein gutes Körpergefühl." Aber eine Esssucht belastet sie – Ersatz für nicht erhaltene Liebe. Das hat sie noch nicht im Griff.

Das richtige Essen ist für einen Rentner ebenfalls ein Problem. Er ist ein schmaler, intellektueller Mann, der sich aus dem Dorfleben befreite, nach Indien ging, in Frankreich lebte, beim Theater war und zig Selbsterfahrungen im spirituellen Bereich unternahm, um die Schäden einer qualvollen Kindheit zu heilen. Er war nur geprügelt worden.

Seine Mutter litt unter den sexuellen Attacken seines Vaters und wurde genauso aggressiv. "Ich hatte keinen Tag ohne Angst." Er wurde so eingeschüchtert, dass er später an entscheidenden Stellen seines Lebenswegs zu schüchtern war, um die richtigen Worte zu finden. "Verpasste Chancen." Er wollte sich oft umbringen, fand aber immer wieder Menschen oder Bücher, die ihm zeigten: Die Welt hat Geheimnisse, unglaubliche Geschichten, die er noch erforschen sollte.

Dieser Mann wurde in allem immer feiner. Er wandte sich früh der Homöopathie zu und ernährte sich überbewusst. Er meditierte jeden Tag. Mit der Folge, dass er hypersensibel wurde. Er reagiert auf alles, zum Beispiel auch auf die Schwingungen einer Stadt. "In Bayreuth halte ich es nicht aus."

Diese Feinheit kann er aber nicht mehr abstellen. Auch gewisse Schäden durch seine einseitigen Nahrungsexperimente sind geblieben. Viel Optimismus für seinen Lebensabend hat er deshalb nicht. Und die 420 Euro Rente tun das Ihre. Er wünscht sich oft, wenn er morgens aufwacht, dass es Aus ist. "Gnadenschuss durch Gott", sagt er.

InfoWenn Sie für "Schmücken & Helfen" etwas geben möchten, können Sie es direkt tun, indem Sie Ihren Betrag bei "Papierträume" oder "Schreibwaren Wöckel" an der Hauptstraße 59 abgeben. Oder sie überweisen an "Freude für Alle", Konto DE 62 7735 0110 0038 0645 72 bei der Sparkasse Bayreuth.

PEGNITZ. fca

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