Donnerstag, 09.04.2020

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NN-Leser spendeten 35.000 Euro für "Schmücken & Helfen"

Hilfsbereitschaft ist ungebrochen - Erneut ein beeindruckendes Ergebnis erreicht - 10.01.2020 17:12 Uhr

Der NN-Christbaum bei „Papierträume“ zeugt mit seinen vielen Kugeln vom Mitgefühl und von der Spendenfreudigkeit unserer Leser. © Foto: Klaus Trenz


Das Geld geht an rund 120 Bedürftige zwischen Königstein und Hollfeld, Betzenstein und Creußen. Bedacht wurde zum Beispiel eine alleinerziehende Mutter, die nach schweren Jahren – der Ehemann verließ sie, es ist kaum Geld im Haus, körperliche Schmerzen durch die Putzstellen, drei kleine Kinder – wieder optimistisch sein kann. Dieses Auftauchen aus dem Tief hat sie irgendwie geschafft, sagt sie.

Sie staunt über sich: "Vielleicht bin ich der Typ, der sich wieder aufraffen kann. Ich hab Krisen, aber ich pack’s immer wieder." Sie fragt sich, woher diese Stärke kommt. Und warum sie so heruntergedrückt werden musste in ihrem Leben. "Vielleicht gibt Gott denen die Last, die sie tragen können."

Auch eine andere alleinerziehende Mutter ist froh um die NN-Unterstützung. Sie nahm vor Weihnachten noch etliche Putzjobs an, weil bei ihr jeder Euro nötig ist. Abends schlief sie immer vor Erschöpfung auf dem Sofa ein. Aber sie ist froh, dass sonst alles gut läuft, nach Jahren in einer schlecht bezahlten Anstellung, in der das Klima nicht stimmte und sie oft weinend daheim saß.

Eine andere Mutter hat Probleme mit ihren Kindern: Sie können nicht so gut lernen. Die Konsequenz ist die Förderschule. Und später? Die Mutter hofft, dass beide trotzdem eine Lehre bekommen. Denn diese Kinder können still sitzen, sie können sich konzentrieren – was vielen anderen in ihren Klassen schwer fällt. Die Mutter hat sich jetzt im Internet billig eine Nähmaschine gekauft und eine Viertel der Küche zur Schneiderei gemacht. Was an Kleidung anfällt, stellt sie selbst her.

Bei einer anderen Mutter ist das Kind nervenkrank. Ab und zu wird es auffällig. Aber die Betreuer im Kindergarten wissen Bescheid. Sie selbst ist froh um eine Stelle bei einem Discounter, die es ihr erlaubt, nachmittags früher zuhause zu sein.

Nicht weit von ihr wohnt ein Rentner, wo die Ehefrau plötzlich von einer schweren Krankheit nach der anderen betroffen ist. Er verliert deshalb fast seinen angeborenen Humor: "Was willstn mach‘n?" Er kannte seine Frau immer nur tatkräftig. Aber jetzt ist sie wie ein lebloser Mensch, grau. Sie will kaum mehr aufstehen. Der Gang in den Keller wird zur Qual. Er erzählt davon, allein am Küchentisch, machtlos.

Eine ältere Dame in einem Dorf hat eine erwachsene behinderte Tochter. Sie geht zwar in eine Werkstätte, aber sie hat dauernd Schmerzen. Die Mutter redet ihr gut zu: "Das musst du aushalten; jeder hat Schmerzen." Dazu kommt Diabetes. Die Tochter ist immerhin verständig und hält ihren Plan mit den Spritzen genau ein. Aber Thomas Knauber, der Betreuer der NN-Aktion, erlebte auch schon behinderte Kinder, die so etwas absichtlich falsch machen und ihre Eltern über Jahrzehnte hinweg tyrannisieren.

Knauber traf unter anderem eine ältere Frau, deren Lebensaufgabe es inzwischen ist, für eine andere Frau da zu sein, die fast nur in einem Rollstuhl liegend bewegt werden kann. Diese Betreuerin ist ein besonderer Mensch: Grundehrlich, in sich gekehrt, abgeklärt, ruhig. Wer ihr gegenübersteht, sieht, zu welch gutem Charakter ein Mensch kommen kann. Aber wie geht es mit ihrer Patientin weiter? "Es ist besser, wenn man es nicht weiß", sagt sie. Denn der Muskelschwund ist nicht aufzuhalten. Andere Organe sind geschädigt. Nur das Denken läuft noch so gut wie früher.

Weltoffen und fröhlich ohne Geld

Thomas Knauber besuchte auch einen Rentner, der ein Ex-Hippie ist. Entsprechend weltoffen und fröhlich lebt er, selbst wenn es an Geld fehlt. Mit ihm kommt wahrscheinlich jeder sofort super ins Gespräch, weil er so locker drauf ist. Er war viele Jahre lang der Imbissbetreiber am Rand einer Touristenattraktion. Immer, wenn er aus dem Augenwinkel sah, dass viele Autos anrollten, warf er mehr Würstchen auf seinen Grill.

Aber heute ist das vorbei. Die Neonlichter sind erloschen, der Rummel erstarb. Nur die glanzvolle Geschichte ist noch da – in ihm. Und vielleicht unbewusst auch bei seinem Kumpel, der damals der Trumpf im Ärmel des Besitzers war, weil er jede Maschine kannte, jede Steckdose. Aber dieser Mann ist heute dement.

Knauber besuchte auch ein Ehepaar, das einst aus Berlin extra in die Fränkische Schweiz gezogen war. Beide hatten vorher ganz Bayern abgesucht, wo man am besten lebt. Unsere Region stach sogar das Allgäu aus, weil es dort oft so dicht vernebelt ist.

"Hier ist eine tolle Gegend; bis heute haben wir es nicht bereut", sagt die Ehefrau. Aber das Wandern fällt schwerer. Arztfehler bei Operationen hinterließen mehr als nur Frust. Denn die Folge war beinahe der Tod: "Zweimal", sagt sie, "bin ich dem Tod von der Schippe gesprungen." Nie mehr will sie ins Krankenhaus. "Mit den Schmerzen, die ich jetzt hab, kann ich leben." Ihr Mann ist genauso eingestellt: Die Schmerzen, die er täglich spürt, steckt er weg.

Thomas Knauber dankt abschließend noch einmal allen Helfern, die ihn unterstützten: Besonders Ilse und Annette Löhr sowie Irene Lenk.

Für "Schmücken & Helfen" gaben in bar: 20 Euro: Gertrud Reichel, Weidensees. 25 Euro: Helga Müller. 50 Euro: Inge Eckert, Wannberg; Fr. Herzing, Büchenbach. 100 Euro: Helmut Kleinöder, Pegnitz.

Info: Wenn auch Sie für "Schmücken & Helfen" spenden möchten, können Sie das direkt bei "Schreibwaren Wöckel" in der Hauptstraße 59 tun. Oder Sie überweisen das Geld an "Freude für Alle", Konto IBAN DE 62 7735 0110 0038 0645 72 bei der Sparkasse Bayreuth.

THOMAS KNAUBER

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