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NN-Spendenaktion bringt Licht und Geld zu geplagten Seelen

Organisator Thomas Knauber trifft bei der Geldübergabe auf unglaubliche Schicksale - 07.12.2020 10:55 Uhr

Ein paar goldene Kugeln hängen schon samt Unterschrift am Weihnachtsbaum der NN-Spendenaktion bei Schreibwaren-Löhr an der Hauptstraße 59 in Pegnitz. Spenden kann man im Laden oder per Überweisung.

06.12.2020 © Foto: Kerstin Goetzke


Das sagt zum Beispiel eine alte Dame, weit über 80, die allein im vierten Stock eines Mietshauses wohnt. Sie kann kaum den Quittungsbeleg unterschreiben, so unsicher ist sie mit dem Stift geworden. Aber sie umarmt Knauber dafür. Das Geld, sagt sie, geht in einen neuen Mantel und Schuhe.

Knauber besucht auch einen Rentner, der immer noch fröhlich ist, obwohl ihm so viel passiert ist. Seine erste Frau brachte ihn zum Alkohol, wovon er aber wieder weg ist. Seine zweite Frau erlebte seinen Schlaganfall mit, sein Koma. Aber er war damals im Krankenhaus nicht ganz weggetreten, sondern hörte die Gespräche an seinem Bett mit. Und den Satz seiner Frau, was sie jetzt mit diesem Krüppel, der da vor ihr liegt, anfangen soll. Entsprechend trennte er sich später von ihr.

Aber die Schlaganfälle wiederholten sich. Er hatte dabei Verkrampfungen. Einige Muskeln rissen. Sein Oberarm und Fuß – alles gelähmt. Zig Massagen halfen etwas, aber heute kann er keinen Berg mehr hochgehen, keine Karotte mehr schneiden. Er ist auf die Hilfe von Freunden angewiesen. Einer von ihnen, ein unscheinbarer junger Mann, ist der treueste. Er kommt fast jeden Tag und setzt sich länger zum Unterhalten hin. "Wenn ich den nicht hätt´", sagt der Rentner.

Eine Rentnerin lebt seit Jahren allein, billig im Parterre, mit einem Fenster zur Straße, wo kaum die Sonne reinscheint. In ihrer einfachen Küche bringt sie auf den Punkt, was sie im Kampf mit Bürokratie und Sozialamt erkannt hat: "Der Mensch geht in jedes Loch, er ist flexibel. Aber die Vorschriften? Sie sperren alle Lebensmöglichkeiten zu."

Ein anderer Frührentner hatte fünf Jahre mit Sozialgerichten zu tun, weil er nach einem Autounfall nicht mehr arbeiten konnte. Er ist deswegen zum juristischen Fachmann geworden: Welche Schäden an seinem Körper wirken sich wie aus, welche Operationsfolgen haben welchen amtlichen Wert? Aber keiner fragt dabei nach seiner seelischen Verfassung, nach seiner Einsamkeit, nach seinem Frust.

War doch der hochintelligente Mann einst aus dem einfachen Dorfleben in die Hightech-Branche gestartetet. Er war auf dem Weg zu einem Job in einem großen Konzern – und dann kamen die Kurve, das Auto, und alles war vorbei. Ihm bleibt nur noch das Dasitzen, seine Schwäche zu spüren und das Wissen: Es wird nie mehr anders.

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Knauber besucht auch viele alleinerziehende Mütter. Er hört von ihrer Enttäuschung über die Ex-Männer und wünscht sich, dass sie einen besseren Partner finden und ihre Kinder einen fröhlichen, guten Vater bekommen. Aber er lernt: Diese Frauen sind gebügelt von den "Männern". Sie haben solch einen Schock erlebt, dass sie sich verschließen.

Lieber allein bleiben, als noch einmal einen egoistischen, harten Typen am Tisch haben, dem es nur um leichten Sex geht. Sein Gefühl für die Kinder? Seine Unterstützung für die Frau bei den kleinen Familiendingen? Null. Einmal ein großes Problem lösen, das gemeinsames Handeln erfordert? Fehlanzeige, lieber abhauen und unbeschwert für sich leben. Keinen Unterhalt geben. Das Jugendamt austricksen, wenn es fragt. Das Handy ausschalten, wenn die Kinder anrufen.

So bleibt den Müttern das Durchhangeln mit der teuren Miete, den plötzlichen Extrakosten in der Schule und beim Arzt mit den Krankheiten. Die Frauen überarbeiten sich im Supermarkt, haben oft Schmerzen im Rücken oder an den Händen vom Putzen, sitzen abends kaputt auf dem Sofa. Dann telefonieren sie mit ihren Freundinnen, denen es genauso geht. Es ist erschreckend, wie viele alleinerziehende Mütter es allein in Pegnitz oder Neuhaus gibt.

Alles junge Frauen Mitte 20. Alle blockiert und frustriert. Alle mit Schäden in der Seele. Ihre Hoffnungen auf eine erfüllte Liebe, die sie als 16-Jährige hatten – dahin. Sie hatten zu schnell mit einem schlechten Mann angebandelt. . .

INFO: Wenn Sie für "Schmücken & Helfen" spenden möchten, geht das direkt bei Schreibwaren-Löhr an der Hauptstraße 59. Jeder, der mehr als 2,50 Euro gibt, kann eine von ihm signierte Kugel am NN-Christbaum aufhängen. Oder Sie überweisen an "Freude für Alle", Konto DE 62 7735 0110 0038 0645 72 bei der Sparkasse Bayreuth.

nn

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