Sonntag, 19.01.2020

|

NN-Spendenaktion hilft Notleidenden

Geld der NN-Leser und von Firmen unterstützen Kranke, Notleidende und Alleinerziehende in der Region - 18.12.2019 18:31 Uhr

Peter Weibart übergab Thomas Knauber gerne 500 Euro für „Schmücken & Helfen“. Seine Bronner Schreinerei half auch schon in den Vorjahren. © Foto: privat


Dieses Geld konnte Knauber gleich weitergeben, weil er in diesen Tagen in Auerbach, Neuhaus, Königstein und der Fränkischen Schweiz unterwegs ist, um die Spenden zu verteilen. Den Bereich von Pegnitz hat dabei die frühere NN-Fotografin Irene Lenk übernommen.

Knauber traf zum Beispiel auf eine alte Rentnerin, eine ganz feine Frau, die aber kaum schreiben kann. Mit Mühe und in Großbuchstaben setzte sie ihren Namen auf den Empfangsbeleg. Und sie bat herzlich um genügend Geld, um sich Winterschuhe und einen warmen Mantel kaufen zu können.

Dieser Weihnachtsbaum vor dem Laden von Annette Löhr lädt zum Spenden ein: Wer dort oder nebenan bei Schreibwaren Wöckel einen kleinen Betrag einbezahlt, darf eine Christbaumkugel aufhängen. © Foto: fca


Im nächsten Fall traf er auf den Sohn einer alleinerziehenden Mutter, der gerade studiert. Aber er beruhigte: Obwohl es Stress ist, kommt er gut durch. Thomas Knauber bewunderte ihn: Es ist ein schmaler junger Mann mit ganz klaren Augen, der zwar in seiner Freizeit viel am Computer sitzt und spielt, aber doch seinen Part, das Studium, durchzieht. Ist es zu Ende, wird er für seine Mutter zur Stütze.

Thomas Knauber traf viele solcher Kinder. Alles "gute Kinder", wie man so sagt, mit einem sichtbar guten Charakter. Die finanzielle Enge lehrt sie viel. Und die harte Situation motiviert sie zum Anstrengen. Irgendwann übernehmen sie den Erhalt der Mutter, der kleinen Familie.

Zwei dieser Kinder, vielleicht acht Jahre alt, wollten sofort mit Knauber spielen. Er machte auch mit – und spürte: Er ist kurzfristig der Vaterersatz für die Kleinen. Denn die Väter fehlen. Sie stellen zwar teures Spielzeug ins Zimmer, aber sie sind nicht Abend für Abend da. Eine Mutter, die trotz ihres Alters noch eine Lehre begonnen hatte und deshalb mit ihren drei Kindern oft unter Druck steht, sagte: "Wenn mein Ex mir nur an einem Abend mal die Kinder abnehmen würde! Aber da kommt er nicht drauf."

Knauber geriet auch dreimal in alleinerziehende Familien, wo gerade die Weihnachtsbäckerei lief. In einem Fall war es wie im Bilderbuch: im dritten Stock eines maroden, uralten Mietsblocks. Aber weil die Fenster so idyllisch unterteilt waren und weil Spitzenvorhänge davor hingen, weil es draußen schon dunkelte und drinnen alles so heimelig erleuchtet war, schien die Küche ein duftendes Märchenreich zu sein. Die beiden Kinder knieten auf den Stühlen am Tisch, vor sich Teig und Förmchen. Die Mutter war fröhlich, dynamisch und zupackend. Der Zeitungsmann dachte: Wenn alle alleinerziehenden Mütter so wären, gäbe es keine Probleme.

Sie hatte vorher in Nürnberg gewohnt, war aber aufs Land "geflüchtet", hatte sich dort über den Kindergarten neue Freundinnen gesucht und war zufrieden: "Wir sind gut angekommen."

Knauber traf noch eine andere, ähnlich fitte Mutter, eine alleinige Herrin über acht Kinder. Er kam gerade zur Essenszeit und wieder war es wie im Bilderbuch: Ein Küchentisch, auf dem ordentlich dicht an dicht Teller, Gabel und Messer lagen, in der Mitte der Topf mit dem Essen. Sämtliche Kinder von klein bis groß strömten zusammen, dazu noch drei Mann Besuch – auch mit Kind. Die Mutter sagte lachend: "Es klappt alles, man muss bloß wollen. Ist doch schön: ich hab‘ Leben in der Bude!" Sie hat ein angeborenes Lachen, eine Geradheit, die keine Traurigkeit aufkommen lässt.

Gescheiterte Ehen, von den Kindern getrennt, mehrere Schlaganfälle

Aber der NN-Spendenbote fand auch andere Wohnungen. Zum Beispiel einmal trist, grau und schlecht eingerichtet, von einem alleinstehenden Mann bewohnt. Er hat zwar ein total heiteres Naturell, aber irgendwie hat er aufgegeben. In vier, fünf Sätzen erzählte er seine Lebensgeschichte: erst Frau und Kinder weg, dann hatte er mit zwei weiteren Frauen kein Glück (in einem Fall war es ein Schock, absolut dramatisch). Danach hatte er keine Zuversicht mehr. Er stieg um auf Zigaretten und sein Leben verschluderte. Er traf sich mit ähnlichen Freunden. Aber immerhin: "Alkohol rühr‘ ich nicht an." Er betreut sogar einen Mann, welcher der NN-Aktion ebenfalls von den Ämtern empfohlen worden war, und der gern einen hebt. Dieser bekam von Knauber prompt nur einen alkoholfreien Einkaufsgutschein und die eindringliche Warnung, ja nicht so weiter zu machen. Auch der Junggeselle kontrolliert ihn. Denn dieser Mann, ein guter Typ mit enormer Klugheit und Umsicht, sollte seine hervorragenden Anlagen nicht so in den Sand fahren.

Knauber war noch bei einem anderen Rentner zu Besuch, der auch durch die Umstände gerädert ist: Gescheiterte Ehen, von den Kindern getrennt, mehrere Schlaganfälle. "Noch einen, und ich bin weg." Nach dem zweiten bekam er zufällig mit, was seine Frau wirklich von ihm hält, nachdem er durch die Verkrampfung des Anfalls einige Muskeln gerissen hatte und auf der einen Seite fast nichts mehr bewegen konnte. Ihr Kommentar machte ihn wütend. Er dachte sich: "Ich kämpfe jetzt allein weiter, aber nicht im Rollstuhl."

Tatsächlich kam er wieder auf die Beine. Spezialschuhe helfen, der Gehstock, und diverse Küchengeräte, weil er mit der einen Hand nichts mehr fassen und halten kann. Die Schicksalsschläge trieben ihn zum Rauchen. Aber das setzt er wieder ab. Am 1. Januar ist Schluss, sagt er. Denn er rechnete sich aus: Für eine Schachtel kann er so und so viele Kilogramm Weintrauben oder Eis kaufen, was viel mehr Genuss ist als eine Zigarette. Ein paar Weintrauben beim Fernsehen – das geht auch. "Die Aschenbecher kommen im Januar raus."

Info: Wenn Sie für "Schmücken & Helfen" etwas geben möchten, können Sie es direkt tun, indem Sie Ihren Betrag bei "Papierträume" oder "Schreibwaren Wöckel" an der Hauptstraße 59 abgeben. Oder sie überweisen an "Freude für Alle", Konto DE 62 7735 0110 0038 0645 72 bei der Sparkasse Bayreuth.

fca

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Pegnitz, Auerbach