Sonntag, 08.12.2019

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NN-Spendenaktion "Schmücken und Helfen" läuft wieder an

Die NN-Redaktion hilft auch heuer wieder mit der Aktion "Schmücken & Helfen", wo die Not am größten ist. - 29.11.2019 18:34 Uhr

Wer die NN-Aktion „Schmücken & Helfen“ mit einer Spenden unterstützt, darf auch eine Kugel — mit dem Namen verziert — an den Baum vor dem Schreibwarengeschäft Wöckel hängen. © Foto: dpa/Daniel Bockwoldt


Thomas Knauber, lange Jahre NN-Redakteur, betreut diese Aktion wieder. Sechs Ämter aus drei Landkreisen empfehlen ihm — mit dem nötigen Datenschutz — die bedürftigen Menschen. Alle besucht er persönlich, um das Spendengeld zu übergeben. Jedes Mal ist er hinterher gerädert, weil er so viele Gespräche führte – und so viel Leid gesehen hat. Er ist dann heilfroh, selbst gesund zu sein — denn wie schnell bekommt das Leben einen Knick nach unten, wenn etwas passiert.

Knauber erinnert sich an einen Mann um die 40, der im abgelegensten Dorf ganz allein wohnte. Hoch intelligent, schien ihm die Welt offen zu stehen. Er kämpfte sich in die Großstadt hoch, in einen Informatikberuf — und war nach einem Autounfall so gehandicapt, dass nichts mehr ging. Schmerzen beim Stehen und Sitzen, keine Konzentration. Er wurde arbeitslos.

Oder jener Mann, der nur mit Krücken vorankommt. Ein kleiner Hund ist sein Antrieb, sein Glück. Dieser frühere Straßenhund zwingt ihn raus — und ein neuer Rollstuhl erweiterte außerdem den Radius. Er war darüber extrem froh. Er schafft damit zwar keine Zugfahrt und keinen Urlaub, aber er kommt wieder in die Altstadt seines Heimatortes.

Bei einem älteren Ehepaar war jahrzehntelang alles okay: Beide waren gesund, die Wohnung ist schön eingerichtet, ein gutes Verstehen untereinander nach einer späten Liebe kommt dazu. Aber erst brach seine Gesundheit ein. Er, der als Hausmeister immer athletisch fit gewesen war, war plötzlich kraftlos und schwach. Seine Frau folgte kurz darauf. Sie zeigt die Operationsnarben und die Krücke — ihr Lebensmut ist auf Null gesunken. Sie hat nur noch zig Fahrten zu den Ärzten und ins Krankenhaus zu absolvieren. Dass sie beide einmal so enden würden, sagt sie, hätte sie nie gedacht.

Im Nachbarort lebt eine Frau, deren Depression nicht zu stoppen ist. Klug, wach und sehr "bio" eingestellt, sitzt sie am Küchentisch. Sportlich war sie immer. Man könnte denken, alles ist in Ordnung. Aber sie kommt nicht aus ihrem Tief. Sie war bei der Selbsthilfegruppe. Sie hatte psychologische Betreuung. "Aber was bringt eine Stunde pro Woche?" Sie wandert lange durch Wälder und setzt sich auf Felsen mit Ausblick. Doch die Erkrankung ist geblieben.

Ähnlich geht es einem Mann, der sich innerlich als Frau fühlt. Er hat nur noch wenige Freunde, die sich einmal zu ihm setzen und seine Geschichte zum hundertsten Mal hören. Schwere Kindheit, Ängste, körperliche Schwäche, Frust. Er wagt sich kaum aus dem Haus, weil draußen alles bedrohlich erscheint. Er träumt von einer Arbeit am Computer, wo er wenig gestört wird.

Diese schweren Schicksale formen die Menschen. Thomas Knauber trifft deshalb oft weise Arme voller Klarheit. Anders als der Reiche, der sich in seinem Zuviel verliert, treibt hier die Enge zu tiefer Erkenntnis. Zum Beispiel traf er einen Familienvater, der nie auf sein Gewicht geachtet hatte. Er war fröhlich wie ein Kind, jonglierte seinen Nachwuchs und die Ehefrau durch alle Ämter, immer an der Kante von arbeitslos. Und plötzlich machte sein Herz nicht mehr mit. Großeinsatz des Roten Kreuzes, scharfe Warnung der Ärzte in der Klinik: "Sie sind tot, wenn Sie nicht . . ." Seitdem schluckt er Massen von Tabletten und hängt an Spritzen.

Er jammert und schimpft, aber der Blick in sein Gesicht zeigt: Plötzlich ist er erwachsen geworden. Plötzlich hat er Verantwortung im Herzen. "Ich kann nicht sterben. Meine Kinder sind noch zu klein."

Glücklich daheim

Ein Mann, der Weisheit mit Fröhlichkeit vereint, lebt in einem ganz kleinen einfachen Häuschen am Dorfrand. Er hatte einen Unfall, wurde ins Altersheim gesteckt, befreite sich mühsam von Rollstuhl und Heim und kehrte zurück in seine kalte Küche, wo eine uralte Lampe auf triste Wände scheint. Aber dort ist er glücklich. Er braucht nicht viel. Er hat Kumpel, die vorbeikommen. Er hat sein Moped und Aldi. Das reicht. Solch tapfere Senioren gibt es immer wieder. Thomas Knauber erinnert sich zum Beispiel an eine alte Dame, schlank und fit, die in einer Ein-Zimmer-Wohnung — sehr aufgeräumt — klaglos auf ein arbeitsreiches Leben zurückblickte, das ihr keine große Rente eingebracht hatte, keine Reisen in die Welt. Ihre Freude war etwas Besonderes.

Tapfer sind immer auch die Mütter ohne Ehemann. Was sie leisten, ist für einen Mann nicht nachvollziehbar. Sie verzichten komplett auf ein eigenes Leben. Sie ackern, um ihren Kindern ein einigermaßen gutes Leben zu ermöglichen. Sie schlucken ihre Enttäuschung über den Ex-Mann herunter, der sich vor dem Unterhalt drückt. Sie halten die Widrigkeiten mieser Putz-Jobs aus und nehmen Krankheiten in Kauf, verursacht durch seelische Trostlosigkeit. Sie haben den Glauben an eine gute Zukunft verloren.

Wenn Sie in solchen Fällen etwas helfen wollen, können Sie für "Schmücken & Helfen" spenden. Entweder direkt bei Papierträume und Schreibwaren Wöckel (Annette und Ilse Löhr springen hier für uns gerne ein, weil die Redaktion jetzt so weit außerhalb liegt). Oder mit einer Überweisung auf das Konto Freude für alle, DE 62 7735 0110 0038 0645 72 bei der Sparkasse Bayreuth.

fca

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