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Notbremse führt zu langen Schlangen vor den Pegnitzer Supermärkten

Seit das neue Infektionsschutzgesetz gilt, wird strenger kontrolliert - 05.05.2021 17:05 Uhr

Kunden müssen derzeit oft etwas länger warten, bevor sie einkaufen dürfen. Grund ist die Verschärfung des Infektionsschutzgesetzes.

05.05.2021 © Foto: Christian Weidinger


Es tut mir leid, aber sie müssen leider warten", sagt der Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes. Kurz lächelt er, dann senkt er rasch den Blick, tritt einige Schritte zurück. Vor dem Eingang des Rewe-Marktes haben sich zu beiden Seiten lange Schlangen mit Einkaufswagen gebildet. Sie werden meist von jungen Pärchen oder Männern in Anzügen gelenkt. Der eine oder andere holt sein Smartphone aus der Tasche, blickt auf die Uhr und danach auf die Öffnungszeiten, die in weißer Schrift auf der gläsernen Eingangstür stehen. Gemurmel breitet sich aus. Es scheint einige Sekunden zu dauern, bis sich die Neuigkeit bis ans Ende der Schlange verbreitet hat: Ab sofort dürfen nur noch 82 Menschen gleichzeitig in den Laden. "Hat wohl irgendwas mit Corona zu tun."

Nicht nur Rewe überwacht seit vergangener Woche die Anzahl seiner Kunden. Im Kaufland hat ein brauner Korb mit weißen Zetteln den Sicherheitsmann am Eingang ersetzt. Jeder Kunde muss einen Zettel nehmen und ihn bei der Kasse wieder abgeben. Vor den Filialen von Lidl, Aldi und Diska sind hingegen einige Einkaufswagen verschwunden. Grund ist die "Bundes-Notbremse", also die Verschärfung des Infektionsschutzgesetzes.


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Die Anzahl der Kunden, die nun gleichzeitig einkaufen darf, hat sich halbiert. Inzwischen dürfen für die ersten 800 Quadratmeter nur 40 Kunden den Laden betreten. Für jeweils weitere 40 Quadratmeter darf ein Kunde hinzukommen.

"Aufgrund der neuen Vorgaben lässt es sich leider nicht vermeiden, dass es in einzelnen Filialen zu Wartezeiten kommt", teilt eine Sprecherin von Kaufland mit. Man tue alles dafür, um das zu vermeiden. "Wir appellieren an unsere Kunden, wenn möglich alleine einkaufen zu gehen und insbesondere montags, dienstags und mittwochs einzukaufen."

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Der Mitarbeiter vor dem Rewe-Markt winkt mit einer leichten Handbewegung den nächsten Kunden in den Laden. "Danke, dass Sie gewartet haben." Die Schlange setzt sich in Bewegung, nur um einen Meter weiter wieder stehen zu bleiben. Der Stau an roten Einkaufswägen blockiert inzwischen die halbe Durchfahrt. Autofahrer müssen mehrmals abbremsen, als sie rückwärts ihre Parklücke verlassen. Dabei blicken sie hektisch von links nach rechts, um niemanden zu übersehen. Schließlich fahren sie, das Lenkrad fest umklammert, vom Parkplatz weg.

"Das geht bereits seit letztem Montag so", erzählt der Sicherheitsmann. Wie die Menschen auf die unfreiwillige Wartezeit reagieren? Er winkt ein junges Pärchen in den Markt, blickt sich kurz um, atmet durch, dann antwortet er: "Meist haben sie Verständnis".

Lidl hat eine andere Taktik gewählt, um "die behördlichen Vorgaben zu erfüllen", teilt eine Unternehmenssprecherin mit. Der Discounter hat die Zahl seiner Einkaufswagen reduziert, ohne darf kein Kunde den Markt betreten. 870 Quadratmeter ist die Filiale des Discounters in Pegnitz groß – damit dürfen 42 Kunden gleichzeitig einkaufen. Zu längeren Wartezeiten sei es deshalb bislang allerdings nicht gekommen. Wie die Kunden reagierten, wenn sie für ihren Einkauf vielleicht doch einmal kurz warten mussten, wollte der Konzern nicht erzählen: "Bitte haben Sie dafür Verständnis, dass wir uns zu dem Kundenverhalten grundsätzlich nicht äußern." 


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Es klingelt einige Male, dann meldet sich ein Mitarbeiter am Telefon: "Rewe-Markt Pegnitz, was kann ich für Sie tun?" Nein, zu den Schlangen, die sich derzeit vor dem Markt bilden, dürfe er sich nicht äußern – der Konzern mache da sehr klare Vorgaben. Nur so viel: "Wir müssen uns eben an die gesetzlichen Vorgaben halten. Daran können wir nichts ändern", sagt er – und seufzt kaum hörbar. "Probieren Sie es doch einmal bei unserer Pressestelle."

Dort gibt man sich wenig auskunftsfreudig. "Wie bereits geschrieben, recherchieren wir keine marktspezifischen Angaben und bitten dafür um Verständnis", antwortet der Pressesprecher. Nur so viel: "Wir beschränken den Zugang zu den Märkten entsprechend den jeweils gültigen Vorgaben. Dies kann sowohl durch Einlasskontrollen als auch durch die Beschränkung der Anzahl der Einkaufswagen geschehen." Was das für die Kunden bedeutet, wie ein Verkehrschaos oder eine mögliche Gefahr für die Gesundheit vermieden werden soll – auf all das wollte der Sprecher keine Antwort geben. "Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir momentan keine Aussagen zu einzelnen Märkten treffen können und auch unseren Marktteams keine Interviews genehmigen."

Und Aldi? "Unsere Filiale in Pegnitz ist mit einer 3D-Sensortechnik zur Ermittlung der Kundenfrequenz ausgestattet", teilt eine Sprecherin mit. Heißt: Wenn die maximale Anzahl an Kunden erreicht ist, öffnet sich die Schiebetür am Eingang nicht mehr. Erst wenn ein Kunde den Laden verlässt, kann der nächste in den Discounter. Man stehe seit Beginn der Pandemie in engem Austausch mit den Behörden und tue alles dafür, um die Gesundheit von Mitarbeitern und Kunden bestmöglich zu schützen. Darüber hinaus wolle man sich derzeit nicht weiter äußern, der Sprecher bittet dafür um Verständnis. 

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Die Doppelreihe mit Einkaufswagen vor der Norma-Filiale ist nur halb gefüllt. Fast könnte man meinen, es wäre Wochenende oder kurz vor einem Feiertag – doch durch die gläserne Schiebetür sind nur wenige Kunden zu sehen. Sie schlurfen träge durch die Gänge und schieben dabei den Wagen mit dem gelb-rot gestreiften Griffen vor sich her.

An der Schiebetür, zwischen einem Wust an bunter Reklame, kleben mehrere Schilder. "Bitte nur ein Einkaufswagen pro Kunde" oder "Halten Sie stets den Mindestabstand ein" ist auf ihnen zu lesen. Der Hinweis: "Nur 38 Kunden dürfen in den Markt" geht dabei fast unter. Was passiert, wenn sich der 39. Kunde ohne Wagen in den Laden schleicht, bleibt vorerst ein Geheimnis. 

 

Ähnlich bei Diska. Vor dem Geschäft stehen drei ältere Damen. Sie sind unter dem Vordach eng zusammengerückt, um sich vor dem kalten Wind und einzelnen Regentropfen zu schützen. Eine von ihnen stützt sich auf ihren Rollator, die andere hat einen schwarzen Spazierstock in der Hand, vor der Dritten steht ein Einkaufswagen.

Sie stecken die Köpfe zusammen und haben sich wohl etwas so Spannendes zu erzählen, dass sie dabei ihre Masken vergessen. Nur eine von ihnen hat, der Ordnung halber, ihre Maske nachlässig über Mund und Nase gezogen. Ob sie von dem weißen Zettel an der Tür Notiz genommen haben, ist nicht zu erkennen. Vielleicht wissen sie bereits, was darauf zu sehen ist: "Nur 40 Kunden dürfen gleichzeitig in den Laden". Die Frau mit dem Rollator verabschiedet sich von ihren Freundinnen und geht mit kleinen Schritten in den Laden. Ob sie sich dafür künftig auf einen Einkaufswagen anstatt auf ihren Rollator stützen muss, verraten die vielen Hinweise an der Eingangstür allerdings nicht. 

 

CHRISTIAN WEIDINGER

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