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Nur Brigittenheim verzichtet auf Fixierungen

Durch Niederflurbetten, Kraft und Balancetraining konnte Maßnahme eingestellt werden — Mangel an Pflegepersonal - 27.11.2016 23:00 Uhr

Das Brigittenheim in Pegnitz ist oberfrankenweit das einzige Seniorenheim, in dem Patienten nicht fixiert werden. © Lenk/Archiv


Der Pflegeberuf sei kein Job, den man nebenbei machen kann; er verlange viel psychische und physische Kraft. Neun junge Menschen werden derzeit ausgebildet, die Bezahlung erfolgt nach Tarif, jedoch werden die Anforderungen immer größer. Schoenauer lädt junge Menschen ein, sich mit diesem Berufsbild vertraut zu machen, „da droht keine Arbeitslosigkeit“.

Er stellte klar, welch wesentlicher Bestandteil der Kirche die Diakonie ist. Kirche und Dekanat seien eng verbunden wie eine Medaille mit zwei Seiten. Der Verein zählt derzeit 510 Mitglieder. Über 180 Mitarbeiter verrichteten ihren Dienst treu und zuverlässig. Sie würden der Diakonie ein gutes Gesicht geben. Schoenauer dankte allen Mitarbeitern ebenso wie den vielen Ehrenamtlichen, die viel Zeit und Kraft opferten.

Als besonders gute Nachricht hatte der Dekan mitgebracht, dass sich Geschäftsführerin Manuela Bierbaum mit großer Kompetenz und in kürzester Zeit in die Geschäfte des Vereins eingearbeitet habe. Bierbaum ist bei der „Kirchlichen Dienstleistungs- und Beratungsgesellschaft für soziale Einrichtungen“ (KDSE) angestellt, damit wurde ein kompetenter Partner gewonnen. Diese Zusammenarbeit habe sich bewährt. Damit seien die Vorgaben der Landeskirche erfüllt und die Organisation des Vereins auf neue Füße gestellt worden. Schoenauer: „Diakonie fit für die Zukunft. Mit diesen Maßnahmen haben wir große Professionalität gewonnen.“

Dankesworte gab es für Pflegedienstleiterin Steffi Wolf und ihr Team für die gute Arbeit, die häufig an der Belastungsgrenze liege. Wolf wird zum 31. Dezember in die zweite Reihe treten, mit dem Nachfolger ab 1. Januar wird es einen reibungslosen Übergang geben. Die Qualität der Arbeit, die auf den Stationen geleistet werde, sei vom medizinischen Dienst eindrücklich bestätigt worden.

Große Nachfrage

Die finanzielle Situation sei sehr angespannt. „An Organisation und Struktur muss etwas verändert werden.“ Für die neu errichtete Tagespflege gebe es eine riesengroße Nachfrage mit langer Warteliste. Schoenauer dankte Gundula Egelkraut und dem Team für die „hervorragende Arbeit“. Die Zusammenarbeit mit der Diakoniestation klappe ausgezeichnet.

Die Qualität der Arbeit im Brigittenheim wurde durch die Heimaufsicht bestätigt. Es sei nicht einfach ein Haus zu führen für so viele Menschen – 141 Bewohner und etwa 120 Mitarbeiter, davon allein in der Pflege 90. Sein Dank galt den Führungskräften Anke Schellermann, Roswitha
Schecklmann und Mirko Kingler.

Als besonders gute Nachricht teilte Schoenauer mit, dass es keinerlei Fixierungen mehr gebe. Durch geplantes, kompetentes und interdisziplinäres Handeln, beispielsweise durch Niederflurbetten, Kraft und Balancetraining sowie der Schaffung einer sicheren Umgebung, konnten diese Maßnahmen eingestellt werden.

Richterin Koch vom Amtsgericht Bayreuth habe festgestellt, dass das Brigittenheim im Bezirk Oberfranken das einzige Haus sei, das keine Fixierungen mehr anwendet. „Darauf sind wir alle stolz, denn unser Motto lautet: Die Würde des Menschen bis zum letzten Atemzug zu achten.“

Schoenauer dankte Bernhard Köppel für eine Spende zur Anschaffung der Niederflurbetten. Demnächst seien große Ausgaben für die Nachbesserungen beim Brandschutz erforderlich. Im nächsten Jahr wird am 18. Juni das 20-jährige Bestehen des Brigittenheims gefeiert, der Präsident des Diakonischen Werks Bayern, Michael Bammessel, wird kommen.

Ein neues Arbeitsfeld hat sich durch die Betreuung der Geflüchteten ergeben. Der Diakonieverein hat als kompetente Kraft Veronika Kobert als Integrationsbeauftragte angestellt. Das Konzept ist derartig überzeugend, dass es weit über Pegnitz hinaus Beachtung findet. „Wir sind deutschlandweit mit diesem Konzept ausgezeichnet worden.“ Es gibt immer wieder Geflüchtete, die als Praktikanten im Brigittenheim tätig sind.

Kassier Kurt Liebig führt das Amt seit zwei Jahren aus. Er teilte mit, dass der Verein auf soliden Finanzen stehe.  Er legte die Bilanzkennzahlen offen, eine Rückstellung für Brandschutz in Höhe von 120 000 Euro wurde eingestellt. Liebig ist auch der Verwalter der Mitglieder und des Immobilienbereichs im betreuten Wohnen. Die Rechnungslegung wurde von Wirtschaftsprüfern ohne Einwände geprüft, die einstimmige Entlastung erfolgte umgehend.

Barrierefrei Terrasse

Geschäftsführerin Manuela Bierbaum ließ ihr erstes Arbeitsjahr Revue passieren. Ihr Dank galt allen Mitarbeitern für „die gute und konstruktive Zusammenarbeit“, immerhin 188 Mitarbeiter, viele davon in Teilzeit. Man präsentierte sich erstmalig beim Gesundheitstag, die zukünftigen Pflegegrade machen verschiedene Veränderungen notwendig, auch gelte es, neue Standards zu beachten.

Im Haus seien Verschönerungsarbeiten durchgeführt worden, die „Gute Stube“ erhielt eine barrierefreie Terrasse. Im nächsten Jahr sind Investitionen im Brandschutz erforderlich.

Die Belegung und Qualität des Hauses seien hervorragend. Bierbaum sagte, dass etwa 200 Patienten durch die Diakonie betreut werden, dafür sind 21 Autos im Einsatz, jedes fährt jährlich 20 000 bis 24 000 Kilometer. Die Anschaffung einer neuen EDV sei unbedingt erforderlich.

In Creußen soll eine zweite Tagespflege mit etwa 15 Plätzen eingerichtet werden. Diese soll im Erdgeschoss platziert und die Station in den ersten Stock verlegt werden. Weiter sagte sie, dass Ideen gesucht werden, um die Fluktuation der Mitarbeiter zu stoppen und neue zu gewinnen.

Das Haus an der Pegnitzer Heinrich-Bauer-Straße, in der die Kinderkrippe „Bartl-Wichtel“ untergebracht ist, ist angemietet. Im kommenden Jahr muss wegen bestimmter Sicherheitsanforderungen nachgerüstet werden.

*Im Sonntagshaus an der Hauptstraße Pegnitz ist die Familienbildungsstätte Villa Kunterbunt angesiedelt. Dort sind auch die Beratungsstellen, das Büro der Dekanatsjugendleiterin und eine Praxis für Psychotherapie untergebracht.

*Überlegungen zu einem neuen Projekt des Zentralen Diakonievereins sind am Laufen: Es geht um altersgerechte Wohnungen in Pegnitz. Derzeit sind viele Verhandlungen im Gange. Im nächsten Jahr soll ein Ergebnis präsentiert werden.

EVA BÖHM be

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