11°

Donnerstag, 18.07.2019

|

Nur FWG stimmt gegen Erweiterungsbau am Landratsamt

Mehrheit des Kreisausschusses beauftragte Verwaltung mit der Planung und einer Kostenschätzung - 02.07.2019 15:06 Uhr

Das 25 Jahre alte Landratsamt an der Markgrafenallee in Bayreuth platzt aus allen Nähten. © Landratsamt


Das Landratsamt an der Markgrafenallee in Bayreuth ist vor 25 Jahren errichtet worden, als der Landkreis 220 Beschäftigte, darunter 29 in Teilzeit, zählte. Heute ist der Personalstand auf 284 angewachsen, bei 84 Teilzeitbeschäftigten. Dazu kommen 16 Mitarbeiter im Schulamt, beim Kreisjugendring, beim Naturpark Fichtelgebirge, für die Therme Obernsees und den Verein Bayreuther Land. Insgesamt stehen somit für 320 Beschäftigte, Auszubildende und Praktikanten 45 große und 149 kleine Büros zur Verfügung, nachdem zuletzt sogar Kopierräume umfunktioniert worden sind.

Angesichts dieser Raumnot wurden leerstehende Räume in der Bayreuther Nachbarschaft, etwa bei der Bundesbank, unter die Lupe genommen. Auch ein Anbau des Ostflügels am Landratsamt wurde in die Überlegungen einbezogen, aber wegen zu geringer Effizienz und großer Einschnitte in der Bauphase wieder verworfen. Eine Aufstockung des bestehenden Amtsgebäudes schied aus statischen Gründen aus.

Stadt Pegnitz bot mehrere Leerstände an

Nicht zuletzt auf Antrag von Holger Bär und Andreas Weidinger (Junge Liste) erging zudem ein Aufruf an die Gemeinden, geeignete Leerstände für Außenstellen zu melden, Die Stadt Pegnitz benannte hierfür die ehemalige Textilfirma Hohe im Industriegebiet "Kleiner Johannes", das frühere K&P-Kaufhaus oder den Gasthof Herlitz in Trockau. Der Vorschlag, die alte BRK-Rettungswache umzufunktionieren, hat sich inzwischen erledigt, da der Kreis das Haus hat abreißen lassen. Plankenfels brachte eine ehemalige Porzellanfabrik ins Gespräch, Hollfeld das einstige Möbelhaus Kaufmann und den Textilbetrieb Müller.

Für solche Neunutzungen von Leerständen seien zwar grundsätzlich Zuschüsse aus der Städtebauförderung von bis zu 90 Prozent möglich, doch diese könnten nur von den Gemeinden selbst in Anspruch genommen werden, hieß es. Die restlichen Eigenmittel würden dann als freiwillige Leistungen eingestuft, was in Konsolidierungskommunen wie Pegnitz problematisch sei.

Als Resümee zog die Verwaltung die Erkenntnis, dass die Standortbedingungen am Landratsamt in Bayreuth, abgesehen von der Raumnot, aus vielen Gründen optimal seien. Zudem stehe dort für eine Erweiterung ein Gelände zur Verfügung, das 2014 in weiser Voraussicht für 1,3 Millionen Euro erworben worden ist. Hauptaufgabe müsse es sein, für eine optimale Verwaltung zu sorgen, Leerstandsmanagement sei dagegen keine vorrangige Aufgabe für einen Landkreis. Darum müssten sich die Kommunen selbst kümmern.

Hans Hümmer (FWG) sah in dieser Argumentation ein Plädoyer gegen den ländlichen Raum. Mit den heutigen technischen Möglichkeiten sei eine geordnete Verwaltungstätigkeit auch an verschiedenen Standorten kein Problem mehr. Möglicherweise lasse sich so sogar die Bürgernähe erhöhen. Landrat Hübner wies solche Überlegungen zurück. Man könne 47 Jahre nach der Gebietsreform das Rad der Geschichte nicht zurückdrehen.

Stephan Unglaub (SPD) stellte die Verantwortung für das Personal in den Vordergrund. Außerdem profitiere auch der Bürger von einer zentralen Verwaltung an einem Ort. Mögliche Veränderungen bei der Hotelfachschule in Pegnitz seien kein aktuelles Thema. Karl Lappe (WG) lobte die ausführliche Grundlagen-Recherche von Daniel Frieß, die die Vorteile einer zentralen Verwaltung deutlich aufgezeigt habe. Auch Günther Dörfler (CSU) sprach sich deutlich für einen Erweiterungsbau am Landratsamt aus. Manfred Neumeister (Die Grünen) freute sich, dass mit dem Vorschlag der Verwaltung Lösungsmöglichkeiten aufgezeigt werden. Das sei wichtiger, als neue Probleme zu schaffen. Nach anfangs unterschiedlichen Meinungen seien die Grünen nunmehr eindeutig für einen Anbau in Bayreuth.

Bürgermeister Raab für zentrale Verwaltung

Der Pegnitzer Bürgermeister Uwe Raab (SPD) sah in der gebündelten Verwaltung in der zentral gelegenen Stadt Bayreuth vor allem auch einen Vorteil für die Bürger. Überlegungen für eine Dezentralisierung seien zwar verlockend, die Schaffung einer Doppelstruktur aber zu teuer. Mit der Hotelfachschule müsse man sich konstruktiv auseinandersetzen, man dürfe aber eine so wichtige Einrichtung nicht so einfach "über die Klinge springen" lassen. Vor allem müsse man die Synergieeffekte mit der benachbarten Berufsschule im Auge behalten.

Schließlich konnte sich sogar Holger Bär entgegen dem Antrag der Jungen Liste auf Dezentralisierung mit einer Baumaßnahme in Bayreuth anfreunden. Ungeachtet dessen sollte der Landkreis die Neunutzung von Leerständen in der Fläche nachhaltig unterstützen. Gegen die Stimmen der FWG-Räte Hans Hümmer und Edmund Pirkelmann wurde die Verwaltung schließlich beauftragt, eine Planung samt Kostenschätzung für einen Erweiterungstrakt am Landratsamt in Modulbauweise zu erstellen. 

RICHARD REINL

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Bayreuth