Nürnberger Händler brachte Pest nach Pottenstein

15.1.2018, 11:16 Uhr
Das Bild zeigt einen Stahlstich Pottensteins, gezeichnet von Carl Käppel, lithographiert von Theodor Rothbart, um das Jahr 1830, 200 Jahre nach den beschriebenen Ereignissen.

Das Bild zeigt einen Stahlstich Pottensteins, gezeichnet von Carl Käppel, lithographiert von Theodor Rothbart, um das Jahr 1830, 200 Jahre nach den beschriebenen Ereignissen. © Repro: Reinhard Löwisch

Seit 1622 mehren sich die Durchzüge kriegerischer Truppen. Mit den kaiserlichen Truppen hatte man noch den Glauben gemein. Dann kamen jedoch holsteinische und sächsische Reiter und verübten immer öfter Raubzüge durch das Hochstift Bamberg. Dazu kam eine weitere Plage, die ein Nürnberger Händler in Pottenstein 1630 einschleppte: Die Pest. Ihr fielen laut dem Pegnitzer Chronisten Heinrich Bauer noch im gleichen Jahr 85 Bürger zum Opfer und vier Jahre später noch einmal über 200. Im gleichen Zeitraum verlor Pegnitz 800 Bürger durch die Pest, die Stadt Nürnberg sogar an die 30 000.

Als ob das nicht schon genug Leid bedeutete, häuften sich jetzt auch die kriegerischen Überfälle. Im Sommer 1631 hatte der "schwarze Hans" von Schlammersdorf mit 1000 Reitern die Gegend überfallen und dabei viele Dörfer geplündert und alle Lebensmittel mitgenommen — zusätzlich zu den fast 80 Pferden, die er in den Ställen fand. Im November lagerten zwei Cornet Reiter, rund 400 Berittene und etliche hundert Fußkrieger eine Zeitlang in Pottenstein und plünderten die Häuser, weil sie Hunger hatten, aber kein Geld.

Lebensmittel für Forchheimer

Außerdem mussten die Pottensteiner Lebensmittel nach Forchheim in die Festung liefern, darunter 10 000 Laib Brot zu drei Pfund, 300 Eimer Bier, zehn Kälber, zwei Stück Rindvieh und 70 Hühner. 1632, nachdem die Schweden Bamberg eingenommen hatten, schwärmten deren Krieger im Bistum aus und überfielen zahlreiche Orte.

Stadttore zugemauert

Pottenstein begann sich für einen Krieg zu rüsten. Das Schloss wurde mit Waffen vollgestopft und mit 60 bambergischen Soldaten besetzt. Alle Zugänge in den Ort sind mit großen Felsen und Geröll versperrt, zwei Stadttore ganz zugemauert worden. Mit dem nachbarlichen Amt Waischenfeld hat man eine Vereinbarung über gegenseitige Hilfe im Notfall getroffen. Trotzdem gab es Überfälle und Plünderungen, berichtet der Ortschronist Friedrich Wachter. Dabei hat sich besonders ein Pottensteiner Schmied hervorgetan, der mit seinem unerschütterlichen Mut und mit glühenden Eisen bewaffnet, gegen die Schweden kämpfte und sie mit seinen Truppen vertrieb. Dabei erbeuteten sie eine schwedische Kriegsfahne, die anschließend jahrhundertelang in der Kirche aufbewahrt wurde.

1633 versuchten die Schweden mit einer List die Burg kampflos zu stürmen. Sie schickten einen der ihren — als kaiserlicher Trompeter verkleidet — in die Burg. Dieser bat, die Tore für verwundete Krieger zu öffnen. Die Burgbesatzung merkte aber den Schwindel und öffnete nicht. In anderen Quellen ist die Rede davon, dass die Schweden die Burg Pottenstein 1633 zerstörten, Burgenforscher Hellmut Kunstmann fand dafür aber keinen schriftlichen Beleg.

Aus Not gemordet

Dem Ort ging es immer schlechter. In ihrer Not bemächtigten sich die Pottensteiner des Städtchens Betzenstein, das zum evangelischen Glauben übergetreten war. Sie plünderten den Ort, töteten einige Bürger, steckten Gebäude in Brand und verursachten in mehreren umliegenden Dörfern durch Plündern und Brennen großen Schaden.

1634 kamen die Pottensteiner, diesmal mit Forchheimer Kriegern verstärkt, noch einmal nach Betzenstein. Jetzt aber um eine Horde Schweden zu vertreiben. So ging es noch jahrelang weiter. Not herrschte bei Freund und Feind. In den 40er Jahren des 17. Jahrhunderts gab es zwar keine kriegerischen Handlungen um Pottenstein herum, der Ort litt jedoch weiter unter den durchziehenden Soldatenhorden. Sie nahmen vermögende Bürger gefangen, um Lösegeld zu fordern. Erst 1648 verließen die Schweden die Gegend. Es kehrte Frieden ein. Es dauerte aber noch viele Jahre, ehe die Wunden des fürchterlichen Krieges geschlossen werden konnten.

Theaterstück als Denkmal

Dem Pottensteiner Schmied hat der Heimatschriftsteller Max Näbe mit einem Theaterstück ein Denkmal gesetzt, in der die Eroberung der Kriegsfahne im Februar 1632 nachgespielt wird. 1920 wurde das Stück, das in vielen Teilen an die Legende des Schmieds von Kochel erinnert, der gegen die Österreicher kämpfte, zum ersten Mal aufgeführt. 2001 im Zuge der 100-Jahr-Feier des Fränkische-Schweiz-Vereins gab es eine viel beachtete Neuauflage unter der Regie von Walter Tausendpfund. Zur Erinnerung an die Zeit der schwedischen Kriegshandlungen soll es auch ein "Schmiedkreuz" geben. Laut dem Kleindenkmälerforscher Karl Dill ist dies auf einer viereckigen Martersäule angebracht. Sie wurde 1887 vom Ehepaar Charlotte und Johann Zeilmann anstelle des morsch gewordenen Holzkreuzes gespendet. Der Marter steht am südlichen Ortsausgang oberhalb der alten Mühle auf dem Siegberg. Er erinnert an die Stelle, an der der Schmied 1632 die Fahne von den Schweden erbeutete. Heute soll die Kriegsbeute im Münchener Armeemuseum aufbewahrt sein.

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