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Obertrubach: Polizei rät nach Kletterunfall zu Helm

Zahl der Unfälle ist 2018 in Oberfranken leicht angestiegen - 06.08.2019 18:42 Uhr

Sportklettern ist in der Fränkischen Schweiz ein beliebter Zeitvertreib. Doch es kommt immer wieder zu Unfällen. © Klaus Trenz


Nach Polizeiangaben kletterte der 35-Jährige in etwa zehn Metern Höhe, seine Begleiterin sicherte ihn vom Boden aus. Bei einem Griff löste sich ein etwa 40 Zentimeter großer Felsbrocken, der dem Mann gegen die Brust schlug. Er wurde ohnmächtig, während er noch in der Seilbremse hing. Ein etwa faustgroßes Stück fiel nach unten und traf die Frau seitlich am Kopf. Sie trug keinen Schutzhelm und verlor ebenfalls das Bewusstsein. Zeugen benachrichtigten die Rettungskräfte, die Frau wurde mit lebensgefährlichen Verletzungen per Helikopter ins nächste Krankenhaus geflogen. Sie ist mittlerweile wieder außer Lebensgefahr.

Dieses Video von Bergretter Herbert Hofmann zeigt den Einsatz am Samstag am Zehnerstein:

Simon Schwarz ist stellvertretender Bereitschaftsleiter der Bergwacht Fürth, die mit drei Mann als erstes am Unfallort war. Die Anforderung des Helikopters sei bei Kopfverletzungen die "ultima ratio", betont er. Vor allem im Kopfbereich wisse man am Anfang nie, wie schwer der Bergsteiger wirklich verletzt sei. Der Abtransport mit dem Hubschrauber komme deshalb immer zum Einsatz, wenn man den Patienten so gut wie möglich schonen wolle. Die Alternative sei nämlich, den Sportler per Trage vom Berg zu tragen.

Der Zehnerstein ist ein beliebter Fels in der Region, auch, weil er fußläufig von einem nahe gelegenen Campingplatz erreichbar ist. Mit seinen 32 Routen gilt er als eines der wichtigsten Ziele im Trubachtal. Der etwa 35 Meter hohe Felsen ist Teil des Klettergebiets Nördlicher Frankenjura.

Kein Unfall in den vergangenen sieben Jahren

Eigentlich ist der Felsen kein allzu großes Hindernis für erfahrene Kletterer, auch für Anfänger mit etwas Erfahrung sei er zu meistern. Auch das sei ein Grund, warum es dort nur selten zu Unfällen komme. "Die gab es aber sicher schon", so Schwarz. Jedoch sei er selbst seit sieben Jahren bei der Bergwacht Fürth aktiv und in dieser Zeit sei es nie zu Zwischenfällen am Zehnerstein gekommen. Dennoch könne man das Risiko auf einen Unfall nie ganz ausschließen.

"Der Fels ist ja immer den Elementen ausgesetzt. Diese lockeren Steinbrocken gibt es deshalb immer mal wieder." Das sei das Risiko, dass man beim Klettern in der Natur eingehe. Auch auf der Internetseite des Kletterparks Nördlicher Frankenjura wird derzeit vor locker sitzenden Gesteinsbrocken am Zehnerstein gewarnt. Diese Meldungen seien aber höchstens als Hinweise zu bewerten, nicht als offizielle Warnung, sagt Schwarz. Was er aber nicht explizit empfiehlt, ist das Tragen eines Helmes. Auch, wenn er und seine Kollegen immer mit Helm auf Einsatz gehen. Hier verweist er auf die Eigenverantwortlichkeit eines jeden einzelnen.

Das ist eine Aussage, die sich mit dem Standpunkt des Deutschen Alpenvereines (DAV) deckt, wie ein Sprecher betont. Obwohl er nicht zwingend das Tragen eines Helmes empfiehlt, appelliert er dennoch an die Eigenverantwortung der Kletterer. Dennoch habe er das Gefühl, dass die Sportkletterer - ähnlich wie im Wintersport - sich immer öfter einen Helm umschnallen. Das sei aber immer noch vom Gebiet abhängig, in dem sich der Sportler bewege - denn nicht überall sei es üblich, einen Helm zu tragen. Grundsätzlich kann gesagt werden, dass die Zahl der gemeldeten Kletterunfälle am Berg seit 2016 stetig zurückgeht. So sank die Zahl der Unfälle von 128 auf 111, die Zahl der Toten von fünf auf drei. Dieser Trend scheint sich auch für die Statistik für das Jahr 2018 fortzusetzen, die am 20. August veröffentlicht werden soll. Gültig sind diese Zahlen für den Alpenraum in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Ebendiese Zahlen stimmen nicht unbedingt mit denen des Polizeipräsidiums Oberfranken überein. Zwar gab es auch in Oberfranken von Anfang November 2017 bis Ende Oktober 2018 keinen Toten beim Klettern, dennoch stieg die Zahl der gemeldeten Unfälle von 17 auf 20, wobei auch Schwerverletzte nicht ausblieben. Auch deshalb sind die Worte von Pressesprecher Christian Raithel klar: "Ziehen Sie einen Helm auf, wenn Sie sich am Berg bewegen, auch wenn Sie nur sichern." Dass das sinnvoll sei, habe die Erfahrung der vergangenen Jahre gezeigt.

 

smax

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